Coburger Hilfsaktion geht weiter Nicht nur Licht für Ahrweiler

Mit Lichterketten hat alles angefangen. Die Firma Hellum unterstützte damit Gastronomen in der Flutregion in Rheinland-Pfalz. Doch dabei blieb es nicht.

Coburg / Neustadt / Rödental - Für Daniela Rau, Marketing- und Vertriebsleiterin bei der Firma Hellum in Coburg, ist es längst eine Herzensangelegenheit geworden: Mitte August hatten sich Flutopfer aus Ahrweiler in Rheinland-Pfalz beim Unternehmen gemeldet und um Lichterketten gebeten, die die noch immer nicht wieder funktionierende Straßenbeleuchtung in der Altstadt ersetzen sollten. Daniela Rau und die Hellum-Geschäftsführung zögerten nicht lange und schickten zwei Euro-Paletten voller Lichtervorhänge aus ihrem Sortiment nach Ahrweiler. Hunderte Eislichtvorhänge von denen jeder einzelne über 80 LEDs verfügt, erleuchten mittlerweile die Fußgängerzone in Ahrweiler. „Sie sorgen für ein Gefühl der Sicherheit, wenn die Menschen am Abend nach den Renovierungsarbeiten aus ihren Geschäften nach Hause gehen“, weiß Daniela Rau, die seitdem in engem Kontakt mit Betroffenen wie der Familie Amanatidis steht. Diese betreibt in zweiter Generation das Restaurant La Perla mitten in der Altstadt von Ahrweiler. „Nach wie vor laufen dort wie überall in der Fußgängerzone noch immer die Aufräum- und Renovierungsarbeiten“, erzählt Daniela Rau.

„Anfangs gab es einige, die über die Lichterketten geschmunzelt haben“, erzählt Kim Amanatidis, der Schwager der Betreiber des La Perla. „Aber genau jene waren es dann auch, die selbst Ketten bei uns abgeholt haben“, fügt er lächelnd hinzu. Denn weil die Aktion so gut angenommen wurde, hat Hellum kürzlich noch einmal zwei Paletten aus ihrem Sortiment nach Ahrweiler geschickt. „Wir können mit Kleinigkeiten so viel bewirken. Diese Dankbarkeit ist unbeschreiblich“, freut sich Daniela Rau. Aber die Marketingchefin wollte es dabei nicht belassen. Deshalb hat sie in den vergangenen Wochen Firmen in der Region angeschrieben, ob diese nicht auch die Menschen in Ahrweiler unterstützen möchten – und einige haben sofort zugesagt. Die Firma Heunec in Neustadt bei Coburg zum Beispiel. „Wir haben mehrere Kartons mit Kuscheltieren geschickt“, verrät Josephine Dransfeld aus der Geschäftsführung des Unternehmens. „Wir werden seither ständig auf Instagram verlinkt“, schwärmt sie. Denn wenn in Ahrweiler die kuscheligen Gefährten an Kinder verteilt werden, dann landen nicht selten Fotos davon im sozialen Netzwerk. „Anscheinend ist es uns gelungen, viele Kinder glücklich zu machen. Und was will man mehr.“

Spielzeug hat auch aus Rödental den Weg in die Flutregion gefunden. Die Puppenmanufaktur Götz hat sich mit mehr als 300 Puppen an der Hilfsaktion beteiligt. „Schon direkt nach der Flutkatastrophe hatten wir in unserem Online-Shop dazu aufgerufen, dass sich Kinder, die ihre Puppen in den Fluten verloren haben, bei uns melden“, erzählt Dana Pick von Puppen Götz. Allerdings seien nur wenige Rückmeldungen gekommen. Angesichts der Situation sei das damals aber auch verständlich gewesen, sagt sie. Umso mehr hat sich das Unternehmen dann gefreut, als die Anfrage von Hellum bei ihnen eintraf. „Sie sind bei uns offene Türen eingerannt“, so Dana Pick. Die Puppen sind mittlerweile alle verteilt.

Die Familie Amanatidis ist derweil immer noch überwältigt von der Hilfsbereitschaft, die ihnen und vielen anderen Betroffenen bis heute entgegengebracht wird. „Eine Firma hat uns vor einigen Tagen Estrich vorbeigebracht. Und an einem Infopoint kann man sich hier melden, wenn man für irgendwas Helfer braucht“, erzählt Kim Amanatidis. Läuft alles nach Plan, dann soll ihr Restaurant in Ahrweiler Anfang Dezember wieder öffnen. Auch bei den Nachbarn in der Straße gehe es voran. „Wir sind optimistisch“, sagt er.

Daniela Rau und Hellum wollen indes weiter helfen. So konnten sie auch den Folienspezialisten Verpa mit Standort in Weidhausen gewinnen, die Foliensäcke und Abdeckhauben spendeten. „Mit den Säcken kann Schutt direkt in Mulden transportiert werden und liegt nicht vor den Häusern“, erklärt Rau. „Gebraucht wird noch immer alles, was man auch für den Hausbau benötigt“, so Kim Amanatidis. Unternehmen, die helfen wollen, können sich bei Hellum melden. Per Mail an lichterfee@hellum.de.

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