Coburger Literaturtage Die Kugeln sind gefallen

Birgit Lang ist die „Coburg liest-Patin“ des Romans „Herkunft“ von Saša Stanišic. Die Mehrzahl der „Buch-Wähler“ ist ihrer Empfehlung gefolgt. Foto: /creenshot

Coburg liest: „Herkunft“. Der autobiografische Roman von Saša Stanišićs hat das Rennen gemacht. Am 8. Mai können Literaturfans darüber diskutieren – im Haus Contakt oder im Netz.

Coburg - Die Würfel sind gefallen – genauer gesagt: die Kugeln. Mit ihnen nämlich konnten Literaturbegeisterte in den vergangenen vier Wochen darüber abstimmen, welcher Roman am 8. Mai im Mittelpunkt von „Coburg liest!...ein Buch“ stehen soll. Die Wahl war so transparent wie die Glasröhren im Schaufenster der Buchhandlung Riemann, die sich allmählich mit Stimmkugeln füllten und auf ein Kopf- an Kopf-Rennen hindeuteten.

Das „amtliche Endergebnis“ der Auszählung fiel denn auch denkbar knapp aus: Mit zwei Stimmen Vorsprung gewann Saša Stanišićs Roman „Herkunft“ vor Ian McEwans „Kindeswohl“. Dahinter rangieren gleichauf „Brüder“ von Jackie Thomae und „Drehtür“ von Katja Lange-Müller vor Max Porters „Lanny“. Die meisten der rund 100 Stimmen wurden persönlich abgegeben, erklärt Buchhändlerin Matin Riegert, nur rund 20 Prozent gingen online ein, zum Beispiel über Facebook.

Da absehbar gewesen war, dass Autorenlesungen in diesem Frühjahr nicht möglich sein würden, hatte das Orga-Team von „Coburg liest“ die „etwas anderen Literaturtage“ ersonnen. Ziel des Votings ist es, möglichst viele Menschen zum Lesen und zum Austausch über ein Buch anzuregen. Planmäßig können Bücherfreunde beim Diskussionsabend am 8. Mai im Haus Contakt über „Herkunft“ ihre Meinung kundtun und mit anderen erörtern. Ensemblemitglieder des Landestheaters werden Passagen aus dem Buch lesen, der Coburger Autor Christian Seltmann moderieren. Sollte eine Präsenz-Veranstaltung nicht möglich sein, wird das Literaturgespräch als Videokonferenz stattfinden.

Über den Ausgang der Wahl freut sich besonders Birgit Lang, die den Stanišić-Roman vorgeschlagen hat und als „Patin“ in einem Video auf der Homepage von „Coburg liest!“ vorstellt. Sie fühlte sich „sofort angesprochen“ von der teilweise autobiografischen Geschichte des 1978 im damaligen Jugoslawien geborenen Autoren, der wegen des Krieges in den 90ern nach Deutschland floh.

In „Herkunft“ verarbeitet er seine bosnisch-serbische Familiengeschichte und stellt Fragen nach Identität und Heimat. Die Besuche bei der dementen Oma werden für den Ich-Erzähler zu einer Expedition in die eigene Vergangenheit. „Prägende Orte, Menschen und Geschehnisse werden dabei so leichtgängig geschildert, als würde der Autor uns Leserinnen und Leser direkt ansprechen, mit uns plaudern. Das fühlt sich beinahe wie gemeinsames Erinnern an“, meint Birgit Lang.

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