Coburger Tierarzt Der Retter für Igel, Stieglitz und Co

Wolfgang Desombre

Was tun, wenn ein hilfloses Stacheltier in einer Plastikschlinge zappelt? Oder wenn bei einer Baumfällung zwei Vogelküken verletzt werden? Einer, der in solchen und anderen Fällen Rat weiß, ist der Veterinär Joachim Lessing.

Das Igelmännchen hatte sich in einem Vogelschutznetz verfangen und wäre ohne fremde Hilfe nicht mehr frei gekommen. Auch hier half Joachim Lessing. Foto: NP//Wolfgang Desombre

Ob ein verletzter Biber, ein Igel, der in einer Plastikschlinge hängen geblieben ist, oder winzige Stieglitze, die aus dem Nest gefallen sind – der Coburger Tierarzt Joachim Lessing weiß aufgrund seiner langjährigen Erfahrung, was zu tun ist, um sie zu retten.

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Jüngst sei in Rödental ein Igel gefunden worden, der sich in einem Vogelschutznetz verfangen habe, erzählt er. Das Tier habe offenbar unter dem Netz durchlaufen wollen und sich dann darin verheddert. Das Problem: Seine Stacheln wirkten wie Widerhaken. Anwohner wussten sich nicht zu helfen und brachten das Igel-Männchen samt herausgeschnittenem Netz zu Lessing nach Coburg. Der Veterinär kennt das Problem schon. So etwas komme öfters vor, da Gartenbesitzer Erdbeeren oder andere Früchte mit solchen Netzen gegen Vögel schützen wollten, berichtet er. Die Rödentaler Anwohner hätten den Auslauf ihrer Hühner mit dem Vogelschutznetz abgesperrt, damit das Federvieh nicht auf die Terrasse gelangt. Dass sich ein Igel darin verfangen könnte, hätten sie sich nicht vorstellen können. Nach der Behandlung durch den Tierarzt konnte sich das Stacheltier noch einen Nachmittag auf der Terrasse der Familie erholen und sich mit Mehlwürmern stärken.

Um solche Vorfälle zu verhindern, rät Lessing, derartige Netze nicht direkt über die Pflanzen zu legen, sondern so anzubringen, dass Igel noch darunter hindurchschlüpfen könnten. Schließlich gebe es ohnehin immer weniger der stacheligen Gesellen, gibt er zu bedenken. Denn viele Gärten seien inzwischen sehr steril, hätten kurz geschorenes Gras und keine Büsche. Dazu kämen noch die Mäh-Roboter, die bei Igeln für schwere Verletzungen sorgen könnten. „Ich freue mich, wenn mir in unserem großen Garten abends eine Igel-Familie über den Weg läuft“, betont der Tierarzt.

Auch mit einem Biber hatte er vor wenigen Tagen zu tun. Dieser war in eine Schlingenfalle geraten und hatte sich dabei erheblich verletzt. Zudem kümmert sich der Veterinär zurzeit noch um zwei winzig kleine Stieglitze, die vor gut zwei Wochen in seine Praxis gebracht worden sind und die alle zwei Stunden gefüttert werden müssen. Aber, betont er, „mir macht die Arbeit mit Tieren Spaß“. Deshalb opfere er gern viele Stunden seiner Freizeit für die Versorgung großer und kleiner Lebewesen.

Dass die beiden Stieglitze bei ihm landeten, hängt mit einer Baumfällung zusammen, bei der auch ein Vogelnest zu Boden gerissen wurde. Zwei von vier Stieglitz-Küken starben dabei, die beiden Überlebenden nahm Lessing in seine Obhut. Anfangs habe er kaum Hoffnung für sie gehabt, weil sie noch sehr klein gewesen seien, erzählt er. Doch inzwischen seien sie unglaublich verfressen. „Eigentlich sperren sie immer ihre Schnäbel auf, wenn es um sie herum unruhig wird“, schildert der Tierarzt. Gefüttert werden sie mit Papageienaufzuchtfutter, wobei die letzte Mahlzeit des Tages um Mitternacht auf dem Programm steht. Bis zum anderen Morgen müssen die Piepmätze dann durchhalten. Und in gut zwei Wochen sollen sie in die Freiheit entlassen werden.