Coburger Wandbild Es geht voran

Die Arbeiten am Albertsplatz verlaufen recht zügig Foto: Screenshot/Panomax.com

Gert Neuhaus ist der Künstler, der das große Wandbild am Albertsplatz realisieren soll. Dabei ist der 83-jährige vorher noch nie in der Vestestadt gewesen.

„Die Kunstfreiheit gilt als vereinbart.“ Mit dieser ungewöhnlichen Klausel, die der Berliner Fassadenkünstler Gert Neuhaus in jeden Vertrag seiner Projekte aufnehmen lässt, ist der Startschuss für das große und nicht unumstrittene Wandbild an der ehemaligen Bonbonfabrik am Albertsplatz gefallen. „Das ist für mich eine kleine Sicherheit“, erklärt der Fassadenkünstler gegenüber der Neuen Presse. „Dann kann hinterher keiner sagen, dass Details nicht ganz dem Entwurf entsprechen.“

Obwohl der 83-Jährige vorher noch nie in der Vestestadt gewesen ist, wird er das Stadtbild in Zukunft entscheidend beeinflussen. „Wir sind jetzt erst seit fünf Tagen in Coburg. Vorher war mir die Stadt eigentlich nur wegen der Veste ein Begriff“, erklärt Neuhaus.

Doch in diesen fünf Tagen hat sich schon einiges getan. Gemeinsam mit seinem Sohn zeichnete Neuhaus eine große Skizze an die gelbe Fassade, die schon erste Umrisse und Konturen erkennen lässt. An diesem Freitagnachmittag bespricht der sympathische Berliner gemeinsam mit Besitzer Werner Weiss die Farbmischung. „Es ist gar nicht so einfach, auf der gelben Wand den richtigen Farbton zu finden. Besonders bei der intensiven zinnoberroten Jacke des Prinzen.“

Werner Weiss hingegen freut sich sehr, dass sein in der Kommunalpolitik umstrittenes Projekt nun endlich umgesetzt wird. „Ich selbst bin ja Laie, deswegen vertraue ich in der Umsetzung ganz auf die Arbeit des Profis.“ Die Idee für das dreidimensionale Wandbild hatte Weiss, als er ein vergleichbares Kunstwerk auf der Rückwand eines Parkhauses in Jena entdeckt hatte. „Das sah so realistisch aus, dass ich wirklich mehrfach hinsehen musste, ob das nur aufgemalt ist“, so Weiss. Daher suchte er den Kontakt zu Gert Neuhaus und konnte ihn für das Wandbild in Coburg begeistern. Natürlich ist es dem Berliner aber nicht entgangen, dass sich der Coburger Bausenat zunächst gegen seine Kunst ausgesprochen hatte. Doch er nimmt es mit Humor. „In den vergangenen Tagen habe ich erlebt, dass sich die Bürger sehr auf das Wandbild mit Victoria und Albert freuen und sehr offen für das Projekt sind. Der Denkmalschutz spielt bei solchen Vorhaben immer eine Rolle. Ich finde es sehr mutig von der Stadt Coburg, sich auf das Kunstwerk einzulassen. Aber ich finde, es passt mit dem historischen Hintergrund optimal zu der Stimmung der Stadt.“

Auch viele Vestestädter sind von der Arbeit des Berliners begeistert. Spontan bleibt am Freitag Jennifer Althaus am Albertsplatz stehen. „Ich kann mir schon vor meinem inneren Auge richtig vorstellen, wie das später aussehen wird. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass die Arbeiten so schnell fortschreiten. Wenn die in dem Tempo weiter arbeiten, ist das Kunstwerk nächste Woche fertig.“ Auch ihre Freundin Luisa Kleinschmidt ist von dem Wandbild angetan. „Als ich gehört habe, dass die Stadt sich gegen das Kunstwerk entschieden hat, war ich richtig traurig. Ich meine, jede andere Stadt hätte doch Luftsprünge gemacht, wenn ein deutschlandweit bekannter Künstler kommen würde. Deswegen kann ich es kaum noch abwarten, bis Victoria und Albert endlich fertig sind.“

Doch ganz so schnell geht es dann doch nicht. „Wann wir unsere Arbeiten abschließen können, hängt auch vom Wetter ab. Wenn es so sonnig bleibt wie heute, geht es natürlich schneller.“ Da die Fassade für ihn nicht besonders groß sei, arbeite er gemeinsam mit seinem Sohn und habe den Rest seines Teams in Berlin gelassen.

Bei seiner Arbeit ist Neuhaus sehr drauf bedacht, eine Wand möglichst zu öffnen und dadurch einen dreidimensionalen Effekt zu erschaffen. „Vor Ort fokussieren sich immer meine Gedanken bei der Arbeit. Aber auch das Internet ist sehr hilfreich. Man muss nicht vor Ort sein, um sich über eine Stadt genauestens zu informieren und sich einen Eindruck zu verschaffen.“

Für Werner Weiss ist die Arbeit des Künstlers ein großer Gewinn für die Innenstadt. So engagiert er sich in seiner Heimatstadt seit Jahren dafür, triste und fensterlose Fassaden („Leichentuchfassaden“) farblich an die Umgebung anzupassen und somit aufzuwerten. „Es muss ja nicht immer gleich so ein einzigartiges Kunstwerk am Ende entstehen“, scherzt Weiss abschließend. „Aber noch gibt es im Stadtbild einfach zu viele von diesen unansehnlichen ,Leichentuchfassaden’.“

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