Coburgs reiches Kulturerbe Blicke in die Schatzhäuser

Nils Fleck
Heimatlose Stadtgeschichte: Auch die Misere der Städtischen Sammlungen, für die es kein Museum gibt, wird im Jahrbuch dargestellt. Foto: KUNSTSAMMLUNGEN DER VESTE COBURG/DIETER ERTEL

Das neue Jahrbuch der Coburger Landesstiftung präsentiert die Fülle und Vielfalt der bedeutenden Sammlungen.

Coburgs kunst- und kulturgeschichtliche Sammlungen haben internationalen Rang. Doch es sind nicht allein reiche und bedeutende, sondern auch bemerkenswert vielfältige Bestände, die hier bewahrt und kontinuierlich vermehrt werden. Diese Vielfalt zu erschließen ist das Anliegen des soeben erschienenen Jahrbuchs der Coburger Landesstiftung 2021.

Wesentliche Impulse zur Einrichtung von „Schatzhäusern“ unterschiedlichster Art setzten bereits die Coburger Herzöge des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts. Diese taten sich entweder als leidenschaftliche Sammler hervor, wie der kenntnisreiche Grafikliebhaber Herzog Franz Friedrich Anton, oder sie prägten wie Herzog Ernst I. und Herzog Ernst II. die systematische Zusammenführung und Präsentation historischer Waffen und Kunstwerke auf der Veste. Ernst II. und sein Bruder Albert legten zudem mit ihrem bereits im Jugendalter begonnenen Naturaliencabinet den Grundstein für das Naturkunde-Museum Coburg, das heute mit rund 700.000 Objekten einem Landesmuseum gleichkommt. Einen weiteren Höhepunkt und entscheidenden Grundpfeiler für das internationale Renommee der Coburger Sammlungen setzte Herzog Alfred mit der Stiftung seiner Kollektion aus venezianischem Glas. Parallel zur höfischen Kultur und mit dieser eng verbunden entwickelte sich eine große Tradition bürgerlichen Sammelns.

Die im Jahrbuch vorgelegten übergreifenden Darstellungen zu den Beständen der Landesbibliothek, zur Geschichte des Naturkunde-Museums, zu den Städtischen Sammlungen und einer exemplarisch vorgestellten jungen Privatsammlung führen die Bedeutung, Fülle und Lebendigkeit des Coburger Kulturerbes anschaulich vor Augen.

Eindrücklich kommt dies auch in den Beiträgen zu einzelnen Objekten und Objektgruppen zum Ausdruck: Spezielle Würdigung erfährt etwa Georg Spalatins berühmte Chronik der Sachsen und Thüringer. Aus den Kunstsammlungen werden die sogenannten „Schnepper“ als besonderer Armbrusttyp und das badische Künstleralbum für Herzogin Alexandrine vorgestellt. Von den intensiven Beziehungen der Kunstsammlungen zu zeitgenössischen Künstlern erzählt der Beitrag zu dem 2022 verstorbenen Glaskünstler, Maler und Grafiker Erwin Eisch. Sammlungen bergen stets die Herausforderung ihres Erhalts, wie es der Beitrag zur Neustrukturierung der Depots auf der Veste verdeutlicht. Und sie erfordern eine angemessene Präsentation, was sich als nicht einfach erweist, wie nicht zuletzt die anhaltenden Diskussionen um die Städtischen Sammlungen zeigen.

Jenseits des Themenschwerpunkts finden sich Beiträge zu Herzogin Elisabeth, der kaum bekannten Schwägerin Herzog Johann Casimirs, sowie zu William Turners Coburg-Besuch 1840. Dieser schlug sich in architektonischen und landschaftlichen Zeichnungen und Aquarellen und in seinem berühmt gewordenen Gemälde von Schloss Rosenau nieder.

Coburger Sammlungen. Jahrbuch der Coburger Landesstiftung, Bd. 65, 2021. Michael Imhof Verlag, 2022, 432 Seiten, 276 Farb- und 16 SW-Abbildungen, Hardcover. 39,95 Euro. ISBN 978-3-7319-1198-2.

 

Bilder