COltur-Festival im Hofgarten Festival mit Wermutstropfen und Happy End

Tolle Künstler, ein abwechslungsreiches Programm und klasse Wetter: Das erste COltur-Festival feiert Premiere. Für ausverkaufte Plätze sorgen aber fast nur die Jüngsten.

Coburg - Mit viel Leidenschaft und Herzblut hat Antoinetta Bafas das Konzept für das 1. Coburger COltur-Festival im Hofgarten erstellt. Und diese Leidenschaft wird am letzten Abend des Auftaktspektakels der insgesamt drei Wochenenden auch vom Publikum erwidert. Ging es am Samstag Abend seitens der Zuschauer noch etwas zögerlich zu, war der Andrang am Sonntag wesentlich größer. „Im Großen und Ganzen bin ich einigermaßen zufrieden“, formuliert die frisch gebackene Kulturbeauftragte ihr Fazit, „sicher hätte ich mir mehr Publikum gewünscht, aber die Leute verhalten sich noch sehr zurückhaltend.“ Dafür gestaltete sich der Abschluss als „Happy End“: Die neunköpfige Formation Downbeat heizte so richtig ein und ließ mit Songs von Blood, Sweat & Tears, Stevie Wonder und vielen anderen so richtiges Partyfeeling aufkommen. Tanzen leider verboten, aber wen es nicht auf den zugeteilten Plätzen hielt, der schwang Beine und Hüften eben draußen im Hofgarten. Und da befand er sich nicht alleine.

Vor den jazzigen Rockklängen präsentierte das Duo „Soul sends a Letter“, bestehend aus Christian Rosenau und Luise Hecht, eine Lesung mit Musik. Rosenau ist nicht nur Gitarrist, sondern auch Autor und entführte mit seinem aktuellen Lyrikband „Nadelstich und Schlangensprache“ mit faszinierenden Metaphern in eine eigene, teils düstere Welt. Aufgelockert allerdings durch frische Songs, die von der Sopranistin des Landestheaters Luise Hecht wunderbar interpretiert wurden.

Für eine Stunde voller Humor sorgten die beiden Coburger Autorinnen Nicole Eick und Heidi Fischer, die sich ihre, höchst amüsanten, Gedanken über den Sommer, die Menschen und deren Marotten machten und sie auf witzige Weise vortrugen, umrahmt von der Musik des Gitarristen und Komponisten Harald Demetz.

Happy End

Ein schöner Abschluss eines Festivals mit tollen lokalen Künstlern, nachdem die ersten beiden Tage nicht sehr gut besucht waren und die Organisatoren der Stadt Coburg sich deswegen ein wenig ratlos zeigten. Das Publikum war, vorsichtig ausgedrückt, nicht sehr zahlreich zu den Veranstaltungen erschienen, eine Ausnahme hiervon bildeten lediglich das Waldmusical der Grundschule Neuses, das Konzert des Chores Unerhört und am Samstagabend die Band „Black Star“, die mit eigenen und gecoverten, teils ruhigen, teils rockigen Songs am toll illuminierten Herzog-Alfred-Brunnen den Schluss-Act des Samstags bildete. Bombig vorher, doch ebenfalls mit wenig Zuschauern, die Stimmung beim Spektakel von Nice Ferreira und ihrer Band, die es mit Bossa Nova-Rhythmen und- wie könnte es anders sein- ein klein wenig Samba schaffte, das Publikum zum Tanzen und Mitsingen zu animieren. Inklusive spontaner Capoeira-Einlagen und sexy Tänzchen der Samba-Prinzessin Martinha Wallmeyer. Ruhiger und etwas nachdenklicher gestaltete sich vorher der Auftakt des Abendprogramms mit der Erzählkünstlerin Peggy Hoffmann, die Gedichte der Coburger Journalistin Christiane Lehmann intonierte und perfekt von Samu Neves an der Gitarre begleitet wurde.

Kleine Stars ganz groß

Am Samstagvormittag eroberten junge Nachwuchstalente die Bühne. Los ging es mit dem Waldmusical „Mapino und das Waldgeheimnis“, das die Grundschule Neuses unter der Leitung von Jasmin Müller-Alefeld einstudiert hatte. Und hier hieß es tatsächlich zum ersten Mal „ausverkauft“, einige enttäuschte Familien mussten sogar wieder weg geschickt werden. Die anwesenden hingegen, unter denen sich auch weitläufigere Verwandte, Kindergartenfreunde und Schulkameraden befanden, waren begeistert von den drollig aussehenden Beeren, den fleißigen Ameisen, den überdimensionalen Waldpilzen und anderen tierischen und pflanzlichen Gästen, die auch noch wunderbar singen und trommeln konnten und sich dies vor allem vor Publikum auch trauten.

Im Anschluss daran, vor leider deutlich weniger Zuschauern, präsentierten sich drei junge Künstler, die mit Bravo-Rufen und donnerndem Applaus bedacht wurden: Noelle Günther, eine 16-jährige Pianistin aus Coburg, hat bereits so viele Preise bekommen und Wettbewerbe gewonnen, dass man sie kaum mehr aufzählen kann. Sie interpretierte Queens „Bohemian Rhapsody“. Dass eine Drehleier ganz und gar nicht auf das Mittelalter reduziert werden muss, sondern hochaktuell ist, zeigte Ron Höllein. Der 19-Jährige faszinierte mit Tönen, wie sie heutzutage selten zu hören sind querbeet durch die Epochen der Musikgeschichte bis hin zu den Eurythmics und deren „Sweet Dreams“. Den Abschluss des einstündigen Programms der jungen Musiker bildete Sascha Then. Bereits als Siebenjähriger nahm er Gesangs- und Klavierunterricht, sang im Coburger Kinderchor mit, absolvierte eine klassische Gesangsausbildung und interessiert sich tatsächlich als 21-Jähriger auch für Schlager. Die allerdings singt er so traumhaft, dass selbst diese Gänsehaut-Feeling erzeugen. Aber er kann noch viel mehr und zeigt dies mit Musicalsongs und Serenaden.

Zum Auftakt am Freitagabend war schwer zu sagen, wer sich mehr freute: Die Künstler auf der Bühne oder das Publikum, das erwartungsvoll auf der Tribüne vor dem Herzog-Alfred-Brunnen im Hofgarten zahlreiche Plätze einnimmt. Zum Start des ersten Coburger COltur-Festivals, bei dem sich an drei langen Wochenenden 250 Künstlerinnen und Künstler aus der Region präsentieren, gibt es begeisterten Beifall für die Blasmusikkapelle des Musikvereins Beiersdorf, den Schauspieler Stephan Ignaz, musikalisch unterstützt von Ron Höllein und, als Höhepunkt des fünfstündigen Abendprogramms, den Chor Unerhört unter der Leitung von Antoinetta Bafas. Los ging es mit bissig-zynischem Kabarett von Stephan Ignaz, der mit einer gewaltigen Prise Humor die Ära Trump in Erinnerung rief und das deutsche Meistern der Coronakrise mit gewaltigem Wortwitz kommentierte. Die Sangestruppe rund um die neue Coburger Kulturbeauftragte Antoinetta Bafas bot ein abwechslungsreiches Konzert mit einer Mischung aus Klassikern der Pop- und Filmmusik. Immer auf eigene und außergewöhnliche Weise interpretiert. Schwungvoll mit Märschen und Polkas in den Sonnenuntergang lotsten die Bläser aus Beiersdorf unter der Leitung ihres Dirigenten Daniel Härich ihr Publikum.

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