Corona-Gegner ziehen durch Sonneberg Protest unter weihnachtlichem Deckmantel

Cindy Heinkel

Trotz des strengen Lockdowns haben sich die Gegner der Corona-Einschränkungen am Montagabend erneut zu einer Demonstration in Sonneberg getroffen. Rund 75 Menschen, darunter etwa 20 Kinder, zogen laut Polizei vom Stadtpark zur Stadtkirche St. Peter und danach zur Katholischen Kirche St. Stefan, teilweise auch ohne den angeordneten Mundschutz.

Während die Mehrheit der über 55000 Landkreis-Einwohner zuhause bleibt, gehen rund 75 Anhänger von „Sonneberg zeigt Gesicht“ gegen die Corona-Maßnahmen auf die Straße. Foto: Carl-Heinz Zitzmann

Sonneberg - Zu einer letzten Versammlung vor dem Weihnachtsfest und dem Jahreswechsel haben sich rund 75 Teilnehmer der Initiative „Sonneberg zeigt Gesicht“ (SzG) getroffen, um ihren Protest gegen die Corona-Reglements auszudrücken. Darunter etwa 20 Kinder. Angemeldet hatte die Versammlung Anna Bernardy vom SzG-Vorstand. Deren Aufruf war, wie in den letzten Wochen bei den Kundgebungen auf dem Piko-Platz, hauptsächlich ein fester Kreis aus Sonnebergern und Coburgern gefolgt. Knapp 30 Beamte der Polizeiinspektion Sonneberg sicherten gemeinsam mit der Einsatzunterstützung der Landespolizeiinspektion (LPI) Saalfeld den Umzug vom Stadtpark durch die nahezu menschenleeren Straßen zur Stadtkirche St. Peter und zur Katholischen Kirche St. Stefan ab. Bereits im Vorfeld hatte es in sozialen Medien bitterböse Wortmeldungen von Befürwortern und Gegnern der Corona-Maßnahmen bezüglich der geplanten Versammlung gegeben.

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Befremdliche Wirkung auf Außenstehende

Zunächst überprüfte die Polizei am Montagabend die Einhaltung der zuvor festgelegten Maskenpflicht für die Veranstaltung und führte Atemalkoholtests durch. Der Leiter der PI Sonneberg, René Schunk, bestätigte im Nachgang, dass einer der Ordner getrunken hatte und deshalb schon im Vorfeld des Umzugs aus dem Verkehr gezogen werden musste. „Ein paar Teilnehmer haben auch keinen Mund-Nasen-Schutz getragen mit der Begründung, sie hätten ein Attest. Das werden wir im Nachhinein überprüfen“, sagte Schunk. Im Großen und Ganzen verlief die Veranstaltung trotz einiger ruppiger Wortmeldungen einzelner Teilnehmer friedlich. Vor der evangelischen Kirche stimmten die Teilnehmer begleitet von Musik aus der Konserve „Süßer die Glocken nie klingen“ an. An der katholischen Kirche, eng unter ihre Regenschirme gedrängt, sangen sie „Stille Nacht, heilige Nacht“, um dann am Ausgangspunkt vor dem Stadtpark in der Bahnhofstraße „Halleluja“ zu tönen. Redebeiträge gab es im Unterschied zu den bisherigen Aktionen der Initiative dieses Mal keine.

Das alles wirkte auf Außenstehende, auch angesichts der aktuellen Entwicklungen der Coronazahlen im Landkreis Sonneberg und wegen zuletzt mehrerer Todesfälle von Pflegeheimbewohnern, eher befremdlich. Dem verlieh auch ein Passant Ausdruck, der die „Spazierenden“ auf ihr Verhalten hin offensiv ansprach und dafür aus den Reihen von „Sonneberg zeigt Gesicht“ Unverständnis erntete.

Weitere "Hygienespaziergänge" in Thüringen

In Thüringen sind am Montagabend mehrere Hundert Demonstranten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen der Regierung auf die Straße gegangen. Nach Polizeiangaben beteiligten sich über Sonneberg hinaus weitere rund 670 Personen an 17 verschiedenen sogenannten Hygienespaziergängen. An der größten Zusammenkunft in Weimar beteiligten sich 110 Teilnehmer, an einer Gegendemonstration 35 Teilnehmer, wie die Landespolizeidirektion in Erfurt weiter mitteilte. Alle Kundgebungen seien weitgehend störungsfrei verlaufen. Zur Absicherung der angemeldeten Versammlungen war die Polizei mit verstärkten Kräften im Einsatz.

Thüringen ist nach Sachsen derzeit das Bundesland mit der zweithöchsten Ansteckungsrate mit dem Coronavirus. Innerhalb der zurückliegenden sieben Tage kamen auf 100 000 Einwohner gut 293 Neuinfektionen.