Corona-Sommer 2021 Kleine Alternative zum Eberner Altstadtfest

Ein nicht ganz so heißer Sommer, zumindest was die Veranstaltungen betrifft: Die großen Publikumsmagneten im Haßbergkreis müssen noch einmal ausfallen – dafür sind kleine, aber feine Alternativen geplant.

Auch im Sommer 2021 müssen die Menschen auf Großveranstaltungen im Haßbergkreis verzichten. Kleinerer Alternativen soll es aber trotzdem geben. Foto: picture alliance/dpa/Felix Hörhager

Kreis Haßberge - 2021 sollte eigentlich entschädigen: für entgangene Treffen mit Freunden, ausgelassene Feiern und schmerzlich vermisste Veranstaltungen. Altstadtfest in Ebern, Open Air in Eyrichshof, Altmain Weinfest in Sand, Zeiler Weinfest – nicht aufgehoben, sondern auf diesen Sommer aufgeschoben sollten die für 2020 abgesagten Veranstaltungen sein. Doch nun sieht der Terminkalender beinahe ebenso aus wie im vergangenen Jahr. Zu unsicher war die Lage, zu wechselhaft die Inzidenzen und zu ungewiss die erforderlichen Regelungen, zumindest für die Planung der ganz großen Events. Hü oder hott – die Entscheidungen mussten schon im Frühjahr fallen.

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Anfang Mai bereits, nach einer Abstimmung der Bürgermeister des Haßbergkreises mit dem Landratsamt, war das diesjährige Aus für das Eberner Altstadtfest bekannt gegeben worden. Vom 24. bis 26. Juli hätte es stattgefunden, doch ein Fest in der Größenordnung – bis zu 4000 Besucher an einem guten Abend – war schnell vom Tisch, selbst bei günstigsten Inzidenzzahlen. Immerhin hätte man in diesem Jahr aber den 40. Geburtstag der beliebtesten Eberner Veranstaltung nachfeiern wollen, nachdem dies 2020 nicht möglich war.

Und so ganz ohne Feier soll es dann auch nicht abgehen, wie Eberns Quartiersmanager Stefan Kaiser auf Nachfrage der Neuen Presse in Aussicht stellt: Vom 23 bis 26. Juli, dem ursprünglichen Datum des Altstadtfestes, soll im Hof der Verwaltungsgemeinschaft mit Anschluss zum Finanzamtshof eine Musik- und Kulturveranstaltung stattfinden. „Geplant sind am Freitagabend ein 90er-Abend, am Samstagabend ,Late Night’ und am Sonntag ein Frühschoppen und eine Abendveranstaltung mit Blasmusik, am Montagabend dann ein Auftritt von Bauchredner Sebastian Reich mit Nilpferd Amanda“, erklärt Stefan Kaiser. Die Stadt Ebern wolle eine kleine Alternative zum Altstadtfest bieten, wie auch Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann sagt: „Wir wollen den Bürgern ein Angebot machen, wieder etwas Kultur zu erleben.“ Wie beim Altstadtfest richtet sich das Programm mit einem breiten Spektrum an alle, natürlich muss es aber diesmal zwangsläufig eine begrenzte Teilnehmerzahl im bestuhlten VG-Hof geben. Entsprechende Einzelheiten zu den Regelungen – Registrierung, Platzkarten, „3G-Regel“ (Geimpfte, Getestete und Genesene) sowie das konkrete Programm – wolle man in den nächsten Wochen noch bekannt geben.

Für den August ist ebenfalls etwas angedacht, wobei hier die „Feinplanung“ noch nicht ganz abgestimmt sei, wie Stefan Kaiser verrät: Auf dem Festplatz am Bahnhof, „um die Bühne herum“, könnte dann ein „Ebern bewegt“-Tag stattfinden. „Das Ganze steckt aber erst in der Anfangsplanung“, betont Stefan Kaiser. Grob angedacht ist ein „Hula Hoop“-Event in den frühen Abendstunden, unter freiem Himmel und mit guter Stimmung, doch auch hier muss man erst die dann gültigen Regelungen abwarten.

Von 2020 auf 2021 auf 2022 verschoben ist das komplette Programm des Eyrichshöfer Schlosshof-Open Airs. „Zum Glück sind die Künstler diesen Weg mitgegangen“, freut sich Schlossbesitzer Hermann von Rotenhan. Kartenbesitzer dürfen ihre Tickets also einfach behalten und sich dann eben im nächsten Jahr auf Ben Zucker, The Boss Hoss oder Stahlzeit freuen. Musikalisch wird es in diesem Sommer also nicht werden in Eyrichshof, dafür aber findet wie im vergangenen Jahr die Europäische Mobilitätswoche im September im Schlosshof statt. „Ich freue mich drauf, weil ich das gerne unterstützen möchte“, sagt Hermann von Rotenhan.

Ausfallen musste in Eyrichshof auch heuer wieder das Gartenfest am Pfingstwochenende, doch wenigstens die Winterszeit soll in diesem Jahr stattfinden, hofft der Baron – wenn es die Auflagen zulassen. Für 2022 hofft der Schlossherr dann auf ein „normales“ Jahr, auch wenn er davon überzeugt ist, dass „gewisse Vorsichtsmaßnahmen und viele Fragezeichen“ bleiben werden.

Zu den großen Festen, die den Sommer im Landkreis Haßberge üblicherweise noch „heißer“ machen, zählen auch die Weinfeste in Zeil und in Sand am Main. Das Sander Altmain-Weinfest hätte vom 9. bis 12. Juli zum 31. Mal stattgefunden, muss aber ebenfalls wegen Corona noch einmal abgesagt werden. Ersatzlos, wie Roland Mahr, Präsident des Organisationskomitees, bedauert: „Eine angedachte kleinere Variante scheiterte im Vorfeld schon an den Sicherheitsbedenken“, so Mahr. Es wurde vermutet, dass bei dieser Ersatzveranstaltung trotzdem viele unangemeldete Besucher kommen würden und dadurch das Umfeld des Platzes schwer zu kontrollieren sei. „Die Empfehlung der bayerischen Staatsregierung, keine Großveranstaltungen in 2021 abzuhalten, hätte vermutlich auch zu größeren Auflagen seitens der Behörden geführt“, mutmaßt der Organisator: „Auch wenn wir bei Weitem nicht mit den Zahlen der Vorjahre geplant hätten.“ Nach Gesprächen mit der Gemeinde sei die Planung für eine solche Ersatzveranstaltung dann Ende Mai fallen gelassen worden. Mahr: „So hoffen wir auf 2022 und haben unsere Absprachen bzw. Verträge mit Bands, Lieferanten etc. um ein weiteres Jahr nach hinten geschoben.“

Dennoch soll wie in Ebern das zweite Juli-Wochenende in Sand nicht gänzlich ohne Veranstaltung verstreichen. Der Zeiler Kinobetreiber Bruno Schneyer will auf dem Festplatz am Altmain ein weiteres Mal als Alternative zum Weinfest ein Open-Air-Kino anbieten. Schon im vergangenen Jahr hatte er rund 500 Besucher zum „Sander Kinosommer“ bewegen können. Der Kinosommer unter freiem Himmel startet auch in Königsberg am Schlossberg und im Hofheimer Allianzbad (Programm unter www.kino-zeil.de).

Apropos Hofheim: Auch hier müssen die Menschen auf beliebte Veranstaltungen wie die Italienische Nacht, das Brauhausfest in Rügheim oder das Countryfest in Eichelsdorf in diesem Juli verzichten. Und auch die Eltmanner Biertage, ursprünglich angesetzt für 23. bis 25. Juli, fallen ins Wasser.

Vom 31. Juli bis zum 2. August hätte das Zeiler Weinfest stattfinden sollen; auch diese Veranstaltung, die an einem „guten Samstag“ zwischen 6000 und 7000 Menschen in die „gute Stube“ rund um den Zeiler Marktplatz lockt, fiel 2021 erneut Corona zum Opfer. Weder Personenzahl noch Registrierung lassen sich auf einem „Festgelände“ wie der Zeiler Altstadt kontrollieren; da schon eher im Finanzamtsgarten, wo die Stadt Zeil insbesondere für ihre Bürger im Sommer einen „Simon & Garfunkel-Tribute-Abend“ plant. Maximal 300 Sitzplätze sind hier zu vergeben, wie der Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann vorrechnet. Das Zeiler Weinfest werde aber definitiv im nächsten Jahr wieder geplant, versicherte das Stadtoberhaupt. „Wir müssen ein Stück weit Normalität zurückgewinnen, natürlich immer im Rahmen des Möglichen“, sagt Thomas Stadelmann.

Auch ohne Weinfeste: Der Wein kommt sicher trotzdem auch in diesem Sommer unter die Leute, da ist sich Stadelmann, auch Vorstand des Abt-Degen-Weintals, sicher. Zumal Frost und Hitze im vergangenen Jahr zu einer eher spärlichen Ernte geführt hatten. „Wir haben heuer lange nicht soviel Wein“, so Thomas Stadelmann. Womöglich kann man es also auch andersherum sehen: Wäre 2021 kein „Corona-Jahr“ geworden, hätte man vermutlich bei allen weinseligen Festen ein Problem bekommen.