Corona bremst den Gründergeist zusätzlich. Einschränkungen des öffentlichen Lebens oder Lockdowns in kompletten Branchen erschwerten die Kundengewinnung, erläutert ein KfW-Sprecher. In einem solchen Umfeld zu gründen sei äußerst schwierig. „Das ist gerade für neue Unternehmen, die noch keinen Kundenstamm aufgebaut haben, eine enorme Herausforderung.“ Andererseits habe die Krise neue Bedarfe geschaffen und es hätten sich neue Geschäftsgelegenheiten ergeben. „Insbesondere digitale Geschäftsmodelle dürften davon profitieren.“
Taflanidis hat das Für und Wider auch bei der Gründung von Planetics gespürt: Vieles laufe digital schneller, selbst die Investorensuche klappe online. „Aber es ist etwas schwieriger, Vertrauen zu gewinnen“, sagt er. Die Körpersprache komme bei Videoschalten nicht so zur Geltung. Wieland wiederum musste die Vermarktung von „Shine a light“ kurzfristig umplanen. „Damit ein Online-Shop gut läuft, muss die Akzeptanz der Marke da sein.“ Doch Kosmetikinstitute seien geschlossen gewesen, hätten also keine neuen Produkte geordert. Daher habe sie kurzerhand eine TV-Kampagne vorgezogen. Als Corona in Deutschland auftauchte, habe die Produktion kurz bevorgestanden. Da sei an ein Aufhören nicht zu denken gewesen, sagt sie.
„Es ist schon eine heftige Zeit, um zu gründen.“
Ähnlich erging es Lindenberg mit seinem Café. Schon vor Corona hatte er mit den Plänen begonnen, vor allem mit dem zweiten Lockdown hätten die Banken ihre Anforderungen verschärft. „Fixkosten rollen wie verrückt los“, sagt der Unternehmer. Doch das Projekt sei schon zu weit fortgeschritten gewesen, er habe zu viel Geld investiert gehabt für einen Abbruch. „Würde ich jetzt aus den Verträgen rausgehen, wäre das mit sofortiger Insolvenz verbunden“, sagt Lindenberg. „Es ist schon eine heftige Zeit, um zu gründen.“
Gerade in der Gastronomie könnte es aber einen regelrechten Gründungsboom geben, sagt DHBW-Professor Pfannenschwarz. Es bereiteten sich jetzt schon Leute gezielt auf die Zeit nach Corona vor. „Die sagen sich: Da wird gefeiert, bis der Arzt kommt - die Welle will ich mitnehmen.“ Überhaupt könnte sich aus seiner Sicht eine neue Berufsgruppe etablieren: Menschen, die regelmäßig neu gründen. „Das werden Spezialisten für die frühe Phase“, sagt Pfannenschwarz. „Und wenn es läuft, dann müssen Manager zur Qualitätssicherung nachrücken.“