Die heute 65-jährige Kinski bittet Wenders, der mit Filmen wie "Der Himmel über Berlin" und "Buena Vista Social Club" zu den angesehensten Filmemachern Deutschlands gehört, laut eigenen Angaben seit Jahren, die Szene zu entfernen. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte sie: "Obwohl ich mit 13 noch nicht so viel wusste, habe ich schon gemerkt, dass das nicht in Ordnung war".
Kinskis Anwalt: Entscheidung von Wenders war längst überfällig
Ihr Anwalt Christian Schertz hatte gesagt, dass Wenders ein persönliches Gespräch mit Kinski zu der Szene "bereits seit Jahren verweigert" habe. Vor der aktuellen Mitteilung von Wenders hatte er den Übergang zu formalen juristischen Schritten angekündigt.
Die Mitteilung des Filmemachers begrüßte er. "Sie ist allerdings auch längst überfällig gewesen", sagte Schertz. "Ich bedauere zudem, dass das erst in Folge des öffentlichen Drucks erfolgte, nachdem er in seiner Rede auf dem Deutschen Filmpreis zunächst versucht hat, die Verantwortung abzugeben, und das Ansinnen von Nastassja Kinski indirekt als Zensur bewertete, was wirklich infam war."
Wenders hatte beim Deutschen Filmpreis vergangene Woche gesagt, er würde die Szene "heute nie mehr so machen". Seinem damaligen jungen Ich könne er aber keinen Vorwurf machen. Er habe einen Film in seiner Zeit gemacht. Doch es ergebe sich eine Frage, die alle Filmschaffenden angehe: "Wie geht man mit Filmerbe um?"
Dürfe und solle man eine Szene schneiden, wenn sie einer Schauspielerin - "die ich sehr verehrt habe und verehre" - weh tue? "Kann man einen Film im Nachhinein kürzen?", fragte Wenders bei der Gala in Berlin. Er bat die Deutsche Filmakademie auch damals um eine Debatte. Der Umgang mit der Szene und Wenders' Rede führte zu Debatten in der Filmbranche und darüber hinaus.