Debüt im Coburger Kunstverein Span und Spitze

„Agnes“ und die „Feuerfische“: Von der klassischen Figur bis zur freien Skulptur spannt Fridolin Bär den Bogen bei seiner Debütantenausstellung im Coburger Kunstverein Foto: Dieter Ungelenk

Fridolin Bär erhält den Debütantenpreis der Sparkasse Coburg-Lichtenfels. Im Kunstverein zeigt der junge Holzbildhauer Skulpturen und Skizzen, Experimentierlust und Humor.

Die Speerspitzen haben’s in sich, aber bedrohlich wirken sie nicht wirklich. Farbenfroh ragen die Spieße in den Raum wie Mammut-Mikadostäbchen. Oder wie Wegweiser durch eine bunte, schräge Welt. Die Fantasie bringen sie zum Fabulieren, die Holzskulpturen und Objekte, die im Studio des Coburger Kunstvereins zum Bewundern und Beschmunzeln einladen. Und in spannenden Kontrast treten zu Beate Debus’ Holzskulpturen, die zeitgleich im Pavillon zu sehen sind.

Wer Interpretationshilfe bevorzugt, wird vom Künstler bedient, teilweise zumindest: Als „Feuerfisch“ oder „Wolke“ geben sich die raumgreifenden Werke zu erkennen, der Titel „Ahoi, ihr Landratten“ lässt uns sogleich ein stilisiertes Segelboot erkennen. Doch Joachim Goslar mahnt zur Vorsicht: „Die Werktitel unterstützen vielleicht gar nicht unsere Erkenntnis vom Wahrgenommenen“, gibt der 1. Vorsitzende des Kunstvereins zu bedenken. Und er zeigt sich sehr angetan von Neugier, Mut und Experimentierfreude des Holzbildhauers Fridolin Bär, der mit einjähriger Corona-Verspätung den mit 3000 Euro dotierten Debütantenförderpreis der Sparkasse Coburg-Lichtenfels erhält.

27 Jahre jung ist der gebürtige Kronacher, der die Coburger Rudolf-Steiner-Schule besucht hat und nach dem Abitur am Ernestinum an der städtischen Berufsfachschule für das Holzbildhauerhandwerk in München sein Know-how erwarb – und noch weiter vertiefte. „Als gelernter Holzbildhauer verstehe ich mein Handwerk. So kann ich meinen künstlerischen Ideen schnell, sauber und mit Präzision Ausdruck verleihen“, erklärt Bär, der erwägt, nach der Meisterprüfung ein Kunststudium aufzunehmen.

Bei aller Professionalität hört der junge Künstler auf seine Intuition („Ich bewahre mir eine Spontaneität im Arbeiten!“) und zeigt Sinn für Humor: In seinen „Inflationskunstwerken“ – zwei schlichten Obstkartons – versteckt er ironische Spitzen gegen den Kunstbetrieb. Der symbiotischen Zweierbeziehung setzt er mit Schraubzwingen und Wäscheklammer ein denkwürdiges Sinnbild – doch gleich nebenan zelebriert er die Liebe mit einem überdimensionalen Liebesbrief samt Riesen-Bleistift.

„Manche meiner Werke haben eine Bedeutung, andere wiederum nicht“, erklärt Bär, und fügt hinzu: „Einige Dinge sind reine Provokation und andere finde ich einfach nur schön.“ Mit Kettensäge, Schnitzeisen und Handhobel bearbeitet der Bildhauer das Holz, ist „Feinschliff“ angesagt – auch klassische weibliche Figuren finden sich in der Ausstellung –, greift er zu Knüpfel, Raspel und Winkelschleifer. Die dabei sprichwörtlich anfallenden Späne bezieht er in seine Kunst ein: Als „#VULVA#PRIDE#MUMU“ oder „Wolke“ stehen sie für das Durchdringen des Materials. Was dem vorausgeht, erfahren die Besucher der Ausstellung auf dem Weg hinab ins Studio: Skizzen, Körperstudien, Selbstporträts dokumentieren die Vorstufen der Arbeit am Objekt.

Die Ausstellungen von Fridolin Bär und Beate Debus sind bis 16. Oktober im Coburger Kunstverein zu sehen. Der Debütantenpreis der Sparkasse wird bei der Vernissage am Samstag, 24. September, um 16 Uhr verliehen. Öffnungszeiten: Mi–Fr: 15–18 Uhr, Sa: 14–17 Uhr, So und Feiertage: 10–17 Uhr. Eintritt: vier Euro, für Schüler, Studierende sowie Mitglieder des Kunstvereins ist der Eintritt frei. An Sonn- und Feiertagen ist der Besuch generell gratis.

Weitere Fotos unter www.np-coburg.de

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