Demo in Coburg Fridays for Future beklagt Rückschritte in der Politik

Andreas Wolf

Dem Aufruf zum weltweiten Klima-Streik sind etwa hundert Coburger gefolgt. Der Protestzug marschierte unter neuer Leitung. Das waren ihre Forderungen.

Borkenkäfer, ein Waldsterben im Callenberger Forst und Waldbrand im Landkreis Kronach: Für die Aktivisten von Fridays for Future gab es am Freitagnachmittag mehr als genug Gründe, warum sich Coburger für den Umweltschutz einsetzen und protestieren sollen. Dem weltweiten Aufruf zum Streik für das Klima unter dem Motto „People Not Profit“, also „Menschen statt Profit“, folgten etwas mehr als hundert Protestierende mit Plakaten, Fahnen und Lautsprecher. Vom Bahnhofsgelände marschierte die angemeldete Kolonne friedlich bis zur Kreuzung Mohrenstraße – Löwenstraße, bei Galleria Kaufhof, wo der Zug für etwa fünf Minuten die Kreuzung blockierte. Danach lief die Menge weiter zum Marktplatz, um dort über die Auswirkungen der schon jetzt bei 1,3 Grad liegenden Erderwärmung zu informieren und Mitmenschen sowie Politik zum gemeinsamen Dagegenhalten zu motivieren. Zum Beispiel rief Dietrich Pax vom Gärtnerhof Callenberg dazu auf, gemeinsam etwas gegen den Import von Futtermitteln zu tun, für den Regenwald abgeholzt werde. Auch ein Redebeitrag der „Psychologists for Future“ forderte dazu auf, „das Wohl der Menschen zu wählen“. Weitere spontane Redebeiträge forderten den Zusammenschluss und die gemeinsame Aktion gegen den drohenden Klimawandel.

Die Organisatoren warnen, dass laut den wissenschaftlichen Erhebungen bei dem gegenwärtigen Kurs der Klimapolitik die kritischen zwei Grad Erderwärmung überschritten werden. Im Pariser Klimaabkommen hatte sich Deutschland verpflichtet, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad weltweiten Anstieg zu beschränken. Das fällt aufgrund der aktuellen Energie- und Gaskrise enorm schwer, die Ampel-Koalition möchte gegen Stromengpässe im Winter klimaschädliche Kohlekraftwerke reaktivieren.

Darin sehen die Demonstrierenden enorme Rückschritte, die es zu verhindern gilt: Der Wiedereinstieg in fossile Energie verstärke die soziale Ungerechtigkeit in der Gesellschaft nur weiter, bemängeln die Organisatoren von Fridays for Future die Ampel-Regierung von SPD, FDP und Grünen: „Wir kritisieren insbesondere die aktuelle Klimapolitik der Ampel-Koalition, der es im Hinblick auf die letzte Hitzeperiode und fehlende Schutzpläne noch immer an der nötigen Dringlichkeit fehlt.“

Tatsächlich hat der deutschlandweite Hitzesommer zwischen Mai und September dieses Jahres zu einer extremen Trockenheit geführt, die im Landkreis allerlei Problemen mit sich brachte: Ausgetrocknete Bäche und Flussbetten, die Rationierung von Wasser, geschrumpfte Ackererträge, geschwächte Wälder und vermehrte Brände im Sommer haben 2022 nicht nur den hiesigen Landkreis heimgesucht. Klimaexperten warnen, dass dies nur ein Vorgeschmack auf die zukünftigen Zustände sei, die die klimatische Landschaft weltweit massiv verändern werden.

Die Organisation von Fridays for Future in Coburg steht neuerdings unter der Leitung von Niko Neeb und Leona Ziegler, die Helena Lakemann abgelöst haben, welche inzwischen im Vorstand des Grünen-Kreisverbands Coburg-Stadt mitwirkt. Neeb ist sich sicher, dass der aktuelle Kurs der Regierung nicht der richtige Weg ist: „Unsere Abhängigkeit von fossilen Energien zerstört Lebensgrundlagen, erzeugt soziale Spaltung und finanziert Autokraten. Welche Argumente braucht es noch, aus fossilen Energien aus- und in regenerative Energien einzusteigen?” Um auf die Klimaungerechtigkeit erneut aufmerksam zu machen, wollen die überparteilichen Aktivisten streiken, bis die Politiker handeln und sich nicht mehr hinter ihren (aus Sicht der Demonstranten) leeren Versprechungen verstecken.

 

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