Deutsche Burgen und Schlösser Veste Coburg toppt Neuschwanstein

Unter 1000 Burgern und Schlössern in Deutschland Foto: /Jacob (NP Archiv)

Die Coburger haben es schon immer gewusst: Die Veste ist eine der schönsten Burgen Deutschlands. Das gibt es jetzt auch schriftlich.

Coburg - Schloss Nymphenburg und Schloss Neuschwanstein, die Nürnberger Kaiserburg und Schloss Sanssouci in Potsdam - sie alle können nicht mit der Veste Coburg mithalten. Das ist das Ergebnis einer Auswertung von über einer Million Online-Rezensionen zu 1000 Burgen und Schlössern in Deutschland auf dem Portal testberichte.de. Das Beliebtheits-Ranking verlinkt die Veste Coburg auf Platz 15, Schloss Neuschwanstein etwa - das Märchenschloss des bayerischen Königs Ludwig II. - folgt auf Platz 70. Ausschlaggebend für die Listenplatz-Reihenfolge sind ausschließlich die ausgewerteten Google-Rezensionen; als Zusatzinformation notiert ist aber auch die Anzahl der Hashtags bei Instagram.

Niels Fleck, Kurator für Malerei und Skulptur bei den Kunstsammlungen der Veste Coburg und zuständig für den Bereich Marketing, freut sich mit seinem Team über das gute Abschneiden. „Insbesondere auch die relativ hohe Anzahl der Google-Bewertungen und Hashtags“, sagt er und fügt hinzu: „Google und Instagram, aber auch insgesamt die digitalen Plattformen haben den Tourismus zumindest hinsichtlich der Reiseplanung revolutioniert.“ So würden sic heutzutage immerhin gut 82 Prozent der Touristen vorab im Internet zu ihren Reisezielen informieren. Für Niels Fleck ist damit klar: „Entsprechend müssen die Museen an ihrer digitalen Präsenz arbeiten.“

Ein Projekt, dem sich die Kunstsammlungen bereits seit dem vergangenen Jahr verstärkt widmen. „Die Aktivitäten auf Facebook - hier mit gut 1500 Abonnenten - wurden stark intensiviert, ein Instagram Account befindet sich um Aufbau“, erläutert der Kunsthistoriker. Auch die Website sei ausgeweitet worden und enthalte nun auch einen Blog für Familien und Kinder. „Außerdem arbeiten wir verstärkt mit Video Clips, die Einblicke in laufenden Ausstellungen aber auch in die tägliche Arbeit an und mit den Objekten geben. So versuchen wir insgesamt, einen stärkeren Einblick hinter die Kulissen des Museums, einen Nahblick, zu geben.“ Als die Vitrine, die das berühmte Hedwigsglas aus dem Besitz Martin Luthers bewahrt, nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder geöffnet wurde, sei beispielsweise ein Fotograf dabei gewesen, der den Moment für die digitalen Medien festhielt. Es ist ein kleines Erfolgsrezept:„Wir bekommen sehr positives Feedback vor allem über Facebook“, so der Kurator, der plant, zukünftig auch externe, touristisch relevante Plattformen wie TripAdvisor und YouTube stärker zu bespielen.

Dass die Veste Coburg ein durchaus attraktives touristisches Ziel sei, belegt seiner Meinung nach nicht nur das gute Abschneiden im Rahmen des aktuellen Rankings. „Die Veste gehört zu den wichtigsten Wahrzeichens Frankens, verfügt als prägnant gelegene Höhenburg über eine wunderschöne Silhouette und ermöglicht einen atemberaubenden Rundblick über die Region“, fasst er zusammen und fügt hinzu: „Das hat man schon viel in der Hand mit diesem Objekt alleine.“

Hinzu komme die geschichtliche Komponente - ein weiteres Pfund, mit dem die Veste wuchern kann. „Dank der Sanierung durch Bodo Ebhardt Anfang des 20. Jahrhunderts erhält der Besucher den Eindruck einer völlig intakten Burganlage mit Fallrohr, speziell ausgestatteten Wehrgängen und den in späteren Jahrhunderten hinzu gekommenen Bastionen und Wallanlagen“, schwärmt Niels Fleck und fügt hinzu: „Bei näherer Betrachtung bietet die Veste daher zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten in eine persönliche Beschäftigung mit der Geschichte der Region, Deutschlands und Europas.“

Eine wichtige Komponente sei natürlich auch, dass die Veste 1530 zum Hort für Martin Luther wurde, der dann ein gutes halbes Jahr hoch über Coburg wohnte. „Wir wissen, welche Schriften er in dieser Zeit produziert hat und auch die Räume, in denen er sich aufgehalten hat, wurden historisierend wieder hergestellt und geben einen entsprechenden Raumeindruck“, so der Kunsthistoriker, der sich all der Trümpfe durchaus bewusst ist, die die Fränkische Krone in sich vereint. „Zeitgleich ist die Veste natürlich auch ein museales Schatzhaus der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha, die durch ihre internationalen Heiratsallianzen schillernd berühmt wurden“, betont Niels Fleck und bekräftigt: „Wir bringen historisch einfach sehr viel mit.“

Dass es nun wichtig ist, über all diese Pluspunkte hinaus regelmäßigen Kontakt zu potenziellen Besuchern über die digitalen Medien zu halten, hätten vor allem auch die coronabedingten Schließmonate im Frühjahr gezeigt. Und so wird sich das Team trotz der guten Bewertung im Ranking nicht ausruhen sondern sich künftig noch stärker der digitalen Präsenz widmen. „Wir haben gut 30 Prozent unseres Solls in dieser Hinsicht erfüllt“, schätzt der Kunsthistoriker. „Bei Google, da ist noch Luft nach oben. Unser Bestreben ist es, hier noch besser zu werden. Solche Plattformen sind Multiplikatoren.“

 

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