Alternative Leitungsmodelle mit Frauen
Wilmer gilt als fortschrittlich im Vergleich zu anderen Bischöfen in Deutschland, in seinem bisherigen Bistum in Niedersachsen werden auch alternative Leitungsmodelle mit Frauen erprobt. Immer wieder hat er sich auch für eine Erneuerung der katholischen Sexualmoral ausgesprochen. Die Möglichkeit zur Segnung homosexueller Paare findet er gut.
Damit passt Wilmer zum als progressiv geltenden Bistum Münster. Von hier aus entwickelte sich Maria 2.0, eine Initiative von Frauen, die sich für eine andere Rolle von Frauen in der katholischen Kirche einsetzt und Missstände anprangert. 2019 traten die Frauen in den Kirchenstreik, der sich auf andere Bistümer in Deutschland ausweitete.
Auf der anderen Seite setzt sich Wilmer aber auch stark für das Thema Evangelisierung ein, das konservativen Bischöfen traditionell wichtig ist. Nach seiner Wahl zum Chef der deutschen Bischöfe am 24. Februar war er in ersten Interviews allerdings zunächst etwas vage und zögerlich aufgetreten. Bei der Frage, wie möglicherweise Frauen in einer bisher männerdominierten Kirche eine stärkere Rolle spielen könnten, wies er auf die von Papst Franziskus initiierte Weltsynode hin und wurde nicht konkreter. Er sei überzeugt, dass auch heute der Heilige Geist wirke, versicherte er.
Der Neue unterrichtete mal in der Bronx
Der designierte Münsteraner Bischof spricht mit einem norddeutschen Einschlag. Seine Herkunft aus dem Emsland ist deutlich hörbar. Auch hat er den typischen Prediger-Ton eines Geistlichen. In einem TV-Interview nach seiner Wahl zum Chef der Bischöfe gab der Moderator es nach wiederholten Versuchen auf, dem neuen DBK-Vorsitzenden etwas anderes als eine diplomatische Antwort zu entlocken. Bei seiner Vorstellung in Münster wirkte Wilmer deutlich lockerer als vor dem Millionen-Publikum im Fernsehen.
Dabei ist Wilmer schon in der Welt herum gekommen – und das nicht als Diplomat. Er unterrichtete Deutsch und Geschichte in der New Yorker Bronx und leitete eine Ordensgemeinschaft in Rom. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller beschreibt ihn als "katholischen Weltenbürger", der über gute Kontakte zum Vatikan verfüge, dort anerkannt und bestens vernetzt sei. Wie es hieß, war dies einer der wichtigsten Gründe für seine Wahl an die Spitze der Bischofskonferenz.