Unterhalb legten sie die Grube frei, in der sich zerstoßener Quarz sowie ein Stein zum Zerkleinern des Quarzes und eine zerbrochene Platte befanden. Auffällig sei gewesen, dass die Menschen die Grube wieder verfüllt hatten. „Wie um eine Wunde zu schließen oder das Ritual zu beenden, legten sie dann die Beile nieder.“
Außergewöhnlicher Ort nahe der Anderswelt
Dass all dies in großer Höhe auf dem bis heute oft nebelverhangenen Felsen an exponierter Stelle geschah, sei in dieser Lesart kein Zufall, betont Zeiler. „Es ist möglich, dass speziell der Quarz von diesem erhöhten Ort eine besondere Bedeutung hatte. Nahe dem, was wir in der Forschung Anderswelt nennen“, erläutert Zeiler.
Die Archäologie kenne viele Beispiele solch „außergewöhnlicher Orte, an denen außergewöhnliche Dinge getan wurden.“ Zum Beispiel Höhlen, die für Bestattungen genutzt wurden und Berggipfel – etwa in Südtirol, auf denen Opferrituale abgehalten wurden.
Im Verständnis der Menschen der Eisenzeit dürften solche Orte eine Art Übergang zum Jenseits, zur Welt der Götter und Geister ermöglicht haben, erklärt der Archäologe.
Welche Bedeutung hat Quarz?
Nicht nur über die Bruchhauser Steine als Kultstätte könnten die Beile über der kaum einen halben Meter tiefen Quarzgrube etwas erzählen. Auch die Verwendung von Quarz in den eisenzeitlichen Gefäßen erscheine möglicherweise in einem neuen Licht, konstatiert LWL-Chefarchäologin Sandra Peternek. So sei der Quarz unter anderem handgetöpferten Gefäßen beigemengt, um sie hitzebeständig zu machen.
Der mühevoll an einem bedeutsamen Ort gewonnene Quarz könnte aber deutlich weniger praktischen Zwecken gedient haben, als einen tauglichen Kochtopf herzustellen. „Denkbar ist, dass der Quarz vom Feldstein Bestand besonderer, vielleicht ritueller Gefäße war“, sagt Peternek.
Eine Replik der Beile wird künftig Bestandteil einer kleinen Ausstellung im Servicecenter am Fuße der Bruchhauser Steine sein – und damit ein weiteres archäologisches Puzzleteil im Mythos um die Felsformation.