DFB-Elf verliert Auftakt Harmlos und ungeschickt

Mats Hummels traf in der 20. Minute ins eigene Tor und entschied so die Partie für Frankreich.. Foto: dpa/Franck Fife

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft verliert ihr Auftaktspiel gegen clevere­ Franzosen mit 0:1. Mats Hummel ist der große Pechvogel. Er entscheidet das Spiel durch ein Eigentor­.

München - Mats Hummels klatschte den zufriedenen Zuschauern zu, doch seine Miene verriet Enttäuschung, seine Mitspieler mussten ihn trösten. Durch ein Eigentor des Unglücksraben ist die deutsche Nationalmannschaft mit der ersten Auftaktniederlage bei einer EM-Endrunde ins letzte Turnier unter Bundestrainer Joachim Löw gestartet. „Ein unglückliches Tor hat das Spiel entschieden“, sagte Toni Kroos nach dem 0:1 (0:1) gegen einen abgezockten Weltmeister Frankreich.

„Es war ein brutal intensives Spiel, wir haben alles in die Waagschale geworfen und gefightet bis zum Schluss. Ich kann der Mannschaft kämpferisch keinen Vorwurf machen“, sagte Bundestrainer Joachim Löw im ZDF, wusste aber auch, was neben dem Eigentor von Hummels (20.) mitentscheidend war: „Was uns vielleicht gefehlt hat, war die Durchschlagskraft im letzten Drittel.“

Drei Jahre nach dem Desaster bei der WM in Russland droht Deutschland damit der nächste sportliche Tiefschlag. „Wenn Du das erste Spiel verlierst, stehst du unter Druck“, sagte Toni Kroos, betonte aber, Deutschland habe ein „gutes Spiel“ gemacht. Joshua Kimmich richtete den Blick bereits auf das zweite Gruppenspiel am Samstag (18 Uhr/ARD und MagentaTV): „Gegen Portugal müssen wir gewinnen.“

Die DFB-Auswahl spielte engagiert, viele Dinge klappten gut. Ein wirklich strukturiertes Offensivspiel gehörte jedoch bis auf eine vielversprechende Drangphase in der zweiten Halbzeit nicht dazu, trotz der Bemühungen von Rückkehrer Thomas Müller. Der dreimalige Europameister ist damit gegen den Titelverteidiger Portugal unter Zugzwang.

Vor den Augen des zukünftigen Bundestrainers Hansi Flick geriet Deutschland selbstverschuldet in Rückstand. Dem unglücklichen Hummels unterlief das zweite deutsche Eigentor bei einem großen Turnier. Bei der WM 2014 war der Verteidiger mit seinem Siegtreffer im Viertelfinale gegen Frankreich (1:0) noch der große Held gewesen.

Nun wechselten sich Licht und Schatten ab beim Rückkehrer, der hilflos zusehen musste, als Adrien Rabiot nur den Pfosten traf (52.). Dafür verhinderte er mit einer großartigen Grätsche ein Tor durch Kylian Mbappe (77.), dem gleich zwei Treffer wegen Abseits aberkannt wurden. Nach dem Gegentreffer war die DFB-Elf gegen pragmatisch abwartende Franzosen optisch sogar überlegen, Chancen zum Ausgleich boten sich ihr jedoch nur spärlich. Die beste besaß Serge Gnabry (54.), dessen Schuss aus kurzer Distanz aber über das Tor flog. Müller hatte zuvor eine Kopfballchance (22.), rieb sich ansonsten aber auf. Champions-League-Held Kai Havertz war gegen die robusten Franzosen meist überfordert.

Kurz vor dem Anpfiff landete noch ein Gleitschirmflieger mit einem Motor auf dem Rücken auf dem Spielfeld. Und dann, nach einer Viertelstunde, hatten sich die Franzosen warmgespielt. Vor allem die Anspiele auf Mbappe kamen nun präziser. Prompt prüfte der Angreifer erstmals Manuel Neuer (17.).

Drei Minuten später waren all die guten defensiven Vorsätze nur noch Makulatur: Kimmich verschätze sich bei einem weiten Ball von Paul Pogba auf den aufgerückten Hernandez - dessen Hereingabe beförderte Hummels mit dem rechten Schienbein unhaltbar für Neuer ins eigene Tor. Als bisher einzigem Deutschen bei einem großen Turnier war ein solches Malheur bei der WM 1978 in Argentinien Berti Vogts unterlaufen: beim 2:3 gegen Österreich.

Den Franzosen spielte dies in die Karten, nun konnten sie spielen, wie sie Weltmeister geworden waren: warten auf Ballverluste, dann schnelles Umschalten. Sie taten dies mit dem Selbstvertrauen, das die Deutschen sich einzureden versucht hatten. Allerdings: Die DFB-Elf hielt gut dagegen, verdichtete das Zentrum, war giftig in den Zweikämpfen - nur: Nach vorne ging wenig bis nichts, es fehlten Ideen und Durchschlagskraft.

Mangelnden Einsatz und Willen musste sich die deutsche Mannschaft, in der Toni Kroos und Ilkay Gündogan als Doppel-Sechs durchaus zu gefallen wussten, in der Tat wahrlich nicht vorwerfen lassen. Sie hatte viel mehr Ballbesitz, mehr Abschlüsse, mehr angekommene Pässe und eine höhere Laufleistung. Heraus kam dabei: nichts - auch nicht in einer starken Phase nach der 55. Minute, als Frankreich tatsächlich ein wenig wackelte.     

 

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