Dicke Luft Frohnlacher haben die Nase voll

Lena Hollet
Er ist einer der vom Gestank betroffenen Frohnlacher: Anwohner Mathias Thomaka. Foto: Michael Stelzner

Einigen Bürgern macht derzeit nicht nur die Hitze zu schaffen. Die neue Abwasserdruckleitung soll für den Kanalgeruch in der Ortschaft verantwortlich sein.

An warmen Tagen genießen die Einen die Sonnenstrahlen im Freibad, die Anderen verweilen lieber an einem schattigen Plätzchen, etwa in der Eisdiele. Ungleich weniger entspannend zu geht es bei heißen Temperaturen aktuell im Ortsteil Frohnlach in der Gemeinde Ebersdorf. Seit mehreren Wochen werden die Anwohner hier bei Hitze durch extreme Gerüche aus der Kanalisation belästigt.

Grund für die übel riechende Duftwolke soll nach Ansicht von Anwohnern die neue Abwasserdruckleitung sein, die Ende vergangenen Jahres in Betrieb genommen wurde. Über eine Strecke von circa 2,3 Kilometern wird das Kanalwasser von der Kläranlage in Großgarnstadt nach Frohnlach überführt. Die Umleitung des Abwassers in die Nachbarortschaft war nicht von Beginn an vorgesehen. Ein Hangrutsch in der Nähe des Kläranlagenneubaus in Großgarnstadt durchkreuzte vor rund fünf Jahren das Bauvorhaben der Gemeinde Ebersdorf. Geplant war dort eigentlich ein Kombi-Belebungsbecken. Als feststand, dass der Baugrund dafür ungeeignet ist, musste schnell eine andere Lösung her. Die Verwaltung entschied sich schließlich für eine Abwasserdruckleitung ins angrenzende Nachbardorf, die stoßweise das Abwasser nach Frohnlach pumpt.

Kaum ein Problem gelöst, ploppt ein neues auf: der Geruch. „Dass ein Kanal hin und wieder riecht, kennt man. Die Ausdünstungen, die wir zurzeit jedoch in Frohnlach haben, können nicht normal sein“, sagt Rudi Kreuzer. Betroffen seien vor allem die Göritzenstraße sowie der Örtleinsgrund, wie der Anwohner berichtet: „Der Geruch zieht sich nicht durch ganz Frohnlach, sondern geht entlang des alten Kanals hin zur Kläranlage“. Je nach Wetterlage soll die Intensität zunehmen, wobei die aktuell hohen Temperaturen nicht gerade förderlich seien. „Schließt man die Fenster und Türen nicht rechtzeitig, hat man verloren“, wie es Kreuzer beschreibt. „Die Kanalluft hält sich bei der Hitze den ganzen Tag im Haus.“

Der Unmut der Bürger wurde lauter, woraufhin die Gemeinde reagierte. Während einer Ortsbegehung gemeinsam mit dem Klärwärter wären aber keine Mängel an der Leitung aufgefallen: „Beim Öffnen dreier Schächte hat sich dies bestätigt“, wie aus dem Ebersdorfer Wochenblatt von Ende Juli hervorgeht. Die herrschende Trockenheit und die hohen Temperaturen sollen demnach für das unerfreuliche Aroma in Frohnlach verantwortlich sein. Hierdurch führe der allgemeine Mischwasserkanal zu wenig Abwasser, wodurch sich Ablagerungen am Kanalrand ansammeln und den Geruch hervorbringen könnten. Im Bereich der Abwasserdruckleitung würde die Wassersäule hingegen stets auf einem Niveau gehalten.

Mathias Thomaka, ein weiterer betroffener Anwohner, sieht diese Aussagen kritisch. Seiner Meinung nach hat das Riechen des Kanals in diesem Jahr begonnen: „Erst mit dem Pumpen kam der Geruch“, betont er. „Wir haben schon so viele heiße Sommer ohne hinter uns. Das kann doch kein Zufall sein“. Thomaka nach habe sich die Verwaltung mit den im Wochenblatt genannten Erklärungen den „einfachsten Weg“ aus der Situation gesucht. Angesichts dieser Aussagen fühle er sich nicht ernst genommen und sehe großen Handlungsbedarf aufseiten der Behörden. Die Gemeinde sucht derweil nach Möglichkeiten, um den unangenehm riechenden Status quo zu überwinden. Wie ebenfalls aus dem Beitrag im Wochenblatt hervorgeht, sollen vorübergehend geschlossene Kanaldeckel Abhilfe schaffen. Dass es sich dabei um keine Dauerlösung handelt, sieht die Verwaltung gleichwohl selbst ein. Die Be- und Entlüftung der Kanalisation sei ein wichtiger Aspekt bei der Geruchsvermeidung, weshalb die Deckel im ersten Schritt überhaupt mit Löchern versehen würden.

Der Geruch sei jedoch nicht das einzige Problem, welches seit der Inbetriebnahme der Abwasserdruckleitung in der Ortschaft herrsche. Hinzu komme ein störendes Geräusch, welches in Kombination mit dem Pumpen auftrete, wie ein dritter Frohnlacher, der nicht namentlich in der Zeitung genannt werden möchte, hinzufügt: „Es ist nicht dauerhaft zu hören, eher periodisch, wenn man es so sagen möchte“, so der Anwohner. Sobald das Abpumpen beginne, sei gleichzeitig auch das Rauschen aus den Kanaldeckeln zu vernehmen.

Unterdessen fordert die Gemeinde die betroffenen Bürger zur Mitarbeit auf: Bei auftretendem Kanalgeruch sollen die Frohnlacher den Füllstand ihrer Siphons der Abläufe im Keller und selten genutzte Waschbecken kontrollieren. Ob die ergriffenen Maßnahmen sowie erhoffte Regenschauer die unangenehme Duftwolke aus dem Ortsteil verschwinden lassen oder ob bevorstehende Hitzewellen die Situation weiter zuspitzen, das wird die Zukunft zeigen.

 

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