Die gute Seele der St. Wendelinus-Kirche Ein Leben für die Kirche

Günther Geiling

Liselotte Helbig ist unermüdlich für „ihre Kärng“ im Einsatz. Sie sorgt unter anderem für den Blumenschmuck. Doch nicht nur das: Als gelernte Schneiderin hat sie schon so manch kirchliches Gewand selbst geschneidert.

Auf einen schönen Blumenschmuck in ihrer St. Wendelinus-Kirche in Steinbach legt Liselotte Helbig besonderen Wert. Foto: Günther Geiling

Für schöne Altargestecke sorgen und Blumen gießen, die Kirche putzen sowie Altarwäsche und Gewänder pflegen, Vorbeten bei allen möglichen Anlässen und für die Ministranten da sein. Fast alles, was zwischen dem Aufschließen am Morgen und bis zum Abschließen der Wendelinus-Kirche in Steinbach am Abend liegt, gehört seit Jahrzehnten zu den Aufgaben von Liselotte Helbig, die deswegen auch gerne mal von „meiner Kirche“ spricht.

Nach der Werbung weiterlesen

Früher wurden all diese Aufgaben von den „Schönstatt-Ordensschwestern“ erledigt. Schwester Irmgard lebte mit zwei weiteren Schwestern im Pfarrhaus. Sie waren im Kindergarten tätig und auch in der Krankenpflege, bis sie nicht mehr konnten und ins Kloster zurückgingen. Nachdem die Schwestern ins Mutterhaus zurückgegangen waren, übernahm Maria Blasl all die anfallenden Aufgaben in und um die Kirche. Eines Tages sagte Blasl zu Liselotte Helbig, dass sie das doch auch machen könne. Leichtfertig, wie Helbig im Gespräch mit unserer Zeitung schmunzelt, habe sie gesagt: „Wenn ich noch jemand dazu finde, würde ich es machen.“ Und tatsächlich halfen dann auch 20 Jahre Elisabeth Windschügl und Reinlinde Schor mit. „Jetzt mache ich es schon über zehn Jahre alleine“, erzählt Helbig weiter.

„Eigentlich hat alles mit dem Blumenschmuck angefangen. Dabei habe ich schon als Mädchen den Schwestern gerne geholfen. Vor allem zu besonderen Tagen wie Fronleichnam suchten wir Blumen auf den Wiesen und wir haben damit auch die Altäre geschmückt und Teppiche ausgelegt. Später hatten wir dann sogar Zugang zu vier Gärten im Dorf, wie dem Pfarrgarten oder dem von Maria Hömer, wo wir für unseren Kirchenschmuck Blumen holen durften.“ Der Altar- und Kirchenschmuck mit Schnittblumen habe dabei natürlich sehr viel Arbeit gemacht und auch Zeit gekostet. 45 Jahre sorge sie nun schon für die Ausgestaltung der Kirche mit Blumen.

Als Beruf hatte Liselotte Helbig im benachbarten Ziegelanger bei der Damen- und Herrenschneiderei Zehner Schneiderin gelernt . Dies kam ihr dann auch später in ihrem ehrenamtlichen Dienst in der Kirche zugute. „So habe ich die drei schönen Königsgewänder für die Heiligen Drei Könige geschneidert. Aber auch alle Ministranten-Kleider, die je nach Anlass oder den Festtagen in grün, schwarz, rot oder violett getragen wurden, nähte ich selbst“, erzählt sie stolz.

Doch nur bei Blumen und Gewändern blieb es nicht. „Wenn man sich so im kirchlichen Dienst engagiert, bleibt es natürlich nicht aus, dass man auch bei anderen Diensten einspringt oder dann einfach fest eingeplant wird“, meinte sie. 36 Jahre lang arbeitete sie aktiv im Pfarrgemeinderat mit, übernahm 30 Jahre lang den Lektorendienst und teilte auch 20 Jahre lang die Kommunion mit aus. Auch den wichtigen Mesnerdienst übte sie 20 Jahre lang als „Aushilfe“ mit aus und übernahm ihn sogar einmal für ein Jahr ganz selbstständig. Seit fast 40 Jahren wirkt sie auch als Vorbeterin bei den Prozessionen wie der Sternwallfahrt nach Schönbach oder zum Hünenhügel, bei den Flurprozessionen oder zur Grotte mit. Natürlich gebe es nicht mehr so viele Andachten wie früher, „aber man darf auch nicht alles eingehen lassen“, fordert Liselotte Helbig. Sie will deswegen auch solche kirchlichen Veranstaltungen aufrechterhalten.

Zu den besonderen Erlebnissen in ihrer bisherigen „Dienstzeit“ zählt Liselotte Helbig nach erfolgter Renovierung die Kircheneinweihung mit Bischof Scheele sowie die Orgelweihe im Jahre 2014 mit Weihbischof Bauer, wo sich die Befürworter einer neuen Orgel auch gegen kritische Stimmen durchsetzen konnten. Heute freuen sich, so Helbig, „alle über den schönen Klang der Orgel.“

Ganz offen gesteht Liselotte Helbig ein, dass ihr im Laufe der letzten Jahrzehnte die kirchlichen Dienste direkt ans Herz gewachsen sind und sie sich manchmal selbst dabei erwische, „wie ich von meiner Kärng spreche“. Dass dann Enkelin Regine ihre Oma vermisste, muss nicht verwundern. Wenn sie ihre Oma besuchen wollte und sie nicht antraf, konnte sie nur vermuten, dass sie vielleicht wieder in ihrer Kirche war, um dort nach dem Rechten zu sehen. Das veranlasste sie dazu, ihrer Oma ein Holzschild mit der Aufschrift „bin in der Kärng“ zu basteln. Seitdem ist die Oma folgsam und hängt das Schild an ihre Haustüre, wenn sie aus dem Haus geht. Ihre Enkelin weiß dann, wo diese gerade ist.

Nun wird Oma Liselotte in den nächsten Tagen 75 Jahre alt und so manche in der Gemeinde fragen sich wohl, wie es mit den kirchlichen Diensten in der Kuratie Steinbach weitergeht. Das Geburtstagskind nimmt dabei allen Spekulationen und Vermutungen den Wind aus dem Segel und sagt dazu: „Solange die Kirchengemeinde mit meinem Engagement und meinen Diensten zufrieden ist und mir unser Herrgott die Kraft und Freude schenkt, mache ich es noch weiter.“