Wie stehen die Milchbauern da?
Im Vergleich zu vielen anderen Betriebszweigen stand die Milchviehhaltung im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2024/25 zunächst vergleichsweise solide da. Mit einem durchschnittlichen Unternehmensergebnis von gut 115.300 Euro lag sie deutlich über dem Gesamtdurchschnitt der Betriebe in Deutschland. Das geht aus Daten des Deutschen Bauernverbandes hervor. Ausschlaggebend dafür waren vor allem über weite Strecken höhere Preise, die den Betrieben nach einem schwierigen Vorjahr etwas Luft verschafften.
Angesichts der Marktentwicklung seien die Milchbauern aber verunsichert, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied in Stuttgart. Das Plus aus dem Vorjahr werde durch den Preisdruck der Handelsketten gefährdet. Die derzeitige Entwicklung gehe über die normale Marktdynamik hinaus. "Was wir aktuell erleben, ist kein Marktmechanismus mehr, sondern ein von einem Discounter entfachter Kampf um den günstigsten Preis", sagte er. Der aktuell ausgerufene Preis von 99 Cent für ein Päckchen Butter sei inakzeptabel.
"Für uns Milchviehhalter bedeuten solche Preise ein wirtschaftliches Desaster", sagte kürzlich der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter, Hans Foldenauer. In der ersten Jahreshälfte 2025 erhielten die Landwirte im Bundesdurchschnitt laut Foldenauer rund 53 Cent pro Kilo Rohmilch. Die Produktionskosten lagen im Juli bei 53,53 Cent pro Kilo und hätten damit "gerade so abgedeckt" werden können. Seit dem Sommer sind die Erzeugerpreise demnach aber gefallen - auf zuletzt durchschnittlich 46 Cent.
Wird das Bundeskartellamt eingeschaltet?
Der Bauernverband aus Bayern will die Butterpreise vom Bundeskartellamt überprüfen lassen. Der Preisverfall sei möglicherweise unzulässig, teilte der Verband kürzlich mit. Rukwied äußerte sich in der Sache zurückhaltend. Man setze auf Kooperation und appelliere an den Einzelhandel, seiner Verantwortung gerecht zu werden.