Doch keine Unterbrechung der Kühlketten? Impfstart: Coburg hat jetzt Montag im Visier

Hier sollte es am Sonntag eigentlich schon Betrieb sein. Jetzt hofft das Landratsamt, dass es im Impfzentrum Witzmannsberg am Montag los gehen kann: Foto: Norbert Klüglein

Möglicherweise waren nur die Thermometer falsch eingestellt. Noch immer ist nicht geregelt, wie Senioren sich zum Impfen überhaupt anmelden können.

Coburg - Der 27. Dezember 2020 wird als der Tag ins Geschichtsbuch eingehen, an dem die Schutzimpfungen gegen den Covid 19-Erreger in Deutschland begonnen haben. Nur in Oberfranken nicht.

Alles ist am Sonntag bereit, um im Impfzentrum Witzmannsberg und in zwei Altenheimen in Stadt und Landkreis mit der Reihenimpfung zu beginnen. Kurz nach 10 Uhr sagt das Landratsamt Coburg aber den Termin plötzlich ab. Wie es später in einem offiziellen Statement hieß, waren „Zweifel an der Einhaltung der Kühlkette für den Impfstoff aufgekommen“.

Aber nicht nur der Raum Coburg ist am Sonntag betroffen. In weiten Teilen Oberfrankens sei es beim Transport des Impfstoffs von den Verteilzentren in Bamberg und Bayreuth mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Überschreitungen der zugelassenen Temperaturen gekommen, erklärt am Sonntagvormittag der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner vor Medienvertretern. Aus Sicherheitsgründen seien deshalb alle Impftermine für die Landkreise Coburg, Lichtenfels, Kronach, Kulmbach, Hof und Wunsiedel abgesagt worden.

Ob die für Sonntag vorgesehenen Impfungen heute, Montag, nachgeholt werden können, steht zunächst nicht fest. Wie Corinna Rösler, die Sprecherin des Landratsamts Coburg, sagt, habe es zunächst Hinweise darauf gegeben, dass die Kühlboxen, in denen der Impfstoff von den Verteilzentren Bamberg und Bayreuth zu den einzelnen Impfzentren gefahren worden ist, die Temperatur nicht halten konnten. Neben möglichen Schäden an den Boxen, sei aber auch ein Versagen der sogenannten Temperaturlogger denkbar. Das sind Datenschreiber, die sich in jeder Kühlbox befinden und die Temperatur während des Transports protokollieren. Möglicherweise hätten diese Geräte falsche Aufzeichnungen geliefert.

Dieser Verdacht erhärtete sich dann am Sonntagabend. Wie Rösler auf Nachfrage der Neuen Presse später bestätigt, sei höchstwahrscheinlich die Kühlkette doch nicht unterbrochen worden. Vielmehr hätte es Probleme mit der korrekten Einstellung der Temperaturlogger gegeben.

„Sicherheit hat oberste Priorität“

Wie es dann in einer am Sonntag vom Bayerischen Landkreistag herausgegebenen Presseerklärung heißt, sei man einheitlich zu der Auffassung gelangt, „dass die Sicherheit für die Patienten oberste Priorität haben muss“. Deshalb müsse der Qualitätsanspruch an den Impfstoff zu hundert Prozent erfüllt sein, betont der Coburger Landrat Sebastian Straubel. „Es war die richtige Entscheidung, heute noch nicht zu impfen. Denn es geht nicht darum, so schnell wie möglich zu impfen, sondern vielmehr darum, mit größter Sorgfalt und unter Einhaltung aller Sicherheitsansprüche zu impfen“, unterstreicht Straubel.

Im Raum Coburg war zunächst vorgesehen am Sonntag 100 Dosen zu verimpfen. Laut Landratsamts-Sprecherin Corinna Rösler waren 20 Personen, die über 80 Jahre alt sind, eingeladen worden ins Impfzentrum zu kommen. Es hat im Freizeitzentrum Witzmannsberg seinen Sitz. 80 Seniorinnen und Senioren sollten durch zwei mobile Impfteams versorgt werden, die in zwei Altenheime in Stadt und Landkreis fahren wollten. Zum Einsatz der 30 Ärzte, Sanitäter und Helfer ist es dann allerdings nicht mehr gekommen.

Insgesamt verfügt die Region Coburg im Moment über Serum für 200 Spritzen des mRNA-basierten Impfstoffen, den die Mainzer Firma Biontech zusammen mit dem amerikanischen Pharmakonzern Pfizer entwickelt hat. Ob der Impfstoff, der gegenwärtig in Witzmannsberg eingelagert ist, nun doch verwendet werden dürfe, müsse – auch unter Einbeziehung von Fachleuten von Biontech – noch geklärt werden, betont Corinna Rösler. Vom Urteil dieser Experten hänge es nun ab, wann die Impfungen im Raum Coburg starten. Sollte es sich jedoch bewahrheiten, dass der Impfstoff immer korrekt gekühlt war, dann stehe einem Impfbeginn am heutigen Montag wohl nichts in Wege.

Täglich über 100 Impfungen

Wie die Landratsamts-Sprecherin weiter sagt, wäre zunächst geplant, pro Tag 100 über 80-Jährige in Coburg zu impfen. Der Schwerpunkt solle dabei auf Alten- und Pflegeheimen liegen. Rösler schätzt, dass es bis ins Frühjahr dauern wird, bis diese Personengruppe durchgeimpft ist.

Auf welchem Weg sich Senioren, die nicht in Heimen leben, für eine Impfung anmelden können, sei allerdings noch nicht hundertprozentig geklärt. „Im Moment können sich Betroffene nur unter der Rufnummer 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes melden“, informierte Corinna Rösler. In den nächsten Tagen wolle das Landratsamt allerdings eine zusätzliche Telefon-Hotline schalten. Darüber werde man noch gesondert informieren. Unklar ist ferner ebenfalls noch, wie Betagte ins Impfzentrum kommen, wenn sie keine Angehörigen haben, die sie fahren können. Denkbar wäre der Einsatz eines Fahrdienstes. Aber auch das sei noch zu klären.

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