Ebern begrüßt tunesische Besucher Partnerschaft der Lebensart

Rudolf Hein

Zehn Tage hat eine Delegation aus Tunesien Ebern und Umgebung erkundet. Dabei entdeckte man viele Gemeinsamkeiten – und nimmt nun auch zahlreiche Inspirationen mit zurück in die Heimat.

Zur Schlussbesprechung am Samstag gesellten sich noch der Bürgermeister von Reckendorf, Manfred Deinlein (Dritter von links) und der Zweite Bürgermeister von Untermerzbach, Dieter Reisenweber (Zweiter von rechts) zur Eberner Arbeitsgruppe. Foto: Rudolf Hein

Tunesien ist laut Wikipedia der größte Exporteur industriell hergestellter Harissa. Die Paste aus Chili, Knoblauch, Gewürzen und Olivenöl ist ein fast unverzichtbarer Bestandteil der tunesischen Küche. Nach zehn Tagen Aufenthalt vermisst die Delegation aus Maâmoura eigentlich nur die gewisse Schärfe am Essen, ansonsten sind die Rückmeldungen alle sehr positiv.

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Im Juli dieses Jahres besuchte eine Delegation aus Ebern die tunesische Gemeinde Maâmoura (die Neue Presse berichtete). Die Bayerische Staatskanzlei hatte schon 2019 im Rahmen der Länderpartnerschaft zwischen Bayern und Tunesien nach möglichen Partnern auf kommunaler Ebene gesucht und so kam der Kontakt zwischen der Baunach-Allianz und Maâmoura zustande.

Am gestrigen Sonntag, 25. September, ging der Gegenbesuch aus Tunesien zu Ende. Bürgermeisterin Abir El Fen, Imen Benhmida, die jüngste Stadträtin aus Maâmoura, Fatma Baltagi, zuständig für Kultur, Jugend und Sport, und Slim El Moueddeb, Manager im Gesundheitswesen der Stadt, verbrachten zehn Tage in Ebern und in den Gemeinden der Baunach-Allianz. Sie absolvierten ein dicht gedrängtes Programm.

Für alle elf Städte und Gemeinden der Baunach-Allianz hat die Zeit nicht gereicht. Die Bürgermeister der Gemeinden Untermerzbach, Kirchlauter, Reckendorf, Maroldsweisach, Pfarrweisach, Itzgrund und Baunach empfingen die tunesischen Besucher und stellten ihre Kommunen vor. Von besonderem Interesse waren kommunale Einrichtungen wie Müllentsorgung und Feuerwehr, Wasserversorgung und Kläranlage, Kindergarten, Schulwesen und vieles mehr.

Beide Seiten, die tunesische wie die deutsche, haben Anregungen und neue Einsichten zur nachhaltigen Weiterentwicklung der jeweiligen Kommunen erhalten. Gemeinsam sollen nun einige Projekte in Angriff genommen werden. Eine Haupteinnahmequelle von Maâmoura ist der Anbau von Gemüse, Früchten und Oliven. Naheliegend also der faire Handel mit Gewürzen. Ein Besuch bei dem Baunacher Gewürzhändler und -importeur Kirchner wurde für erste Sondierungsgespräche genutzt.

Nach Eberner Vorbild sollen eine Solaranlage eingerichtet und die Straßenbeleuchtung auf regenerative Energie umgestellt werden. Viel Sonne und ein ausgearbeitetes Konzept sind vorhanden, fehlt nur noch die Anschubfinanzierung. Derartige internationale Pilotprojekte im finanziellen Umfang von bis zu 50.000 Euro werden von Engagement Global gefördert und müssen innerhalb eines Kalenderjahres abgewickelt werden. 2023 steht vor der Tür und damit die Möglichkeit, gemeinsam aus langen Vorüberlegungen konkrete kurzfristige Projekte werden zu lassen.

Engagement Global, mit Sitz in Bonn, wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert und kümmert sich „um die Förderung der Entwicklungszusammenarbeit und entwicklungspolitischen Bildungsarbeit sowie des bürgerschaftlichen und kommunalen Engagements“, steht dafür mit Beratung und Finanzmitteln zur Verfügung. Aus dieser Quelle wird die Stelle der Projektmanagerin der Baunach-Allianz, Laura Späth, zu 85 Prozent finanziert, den Rest trägt die Baunach-Allianz. Aus Bonn stammen auch die Mittel für die gegenseitigen Besuche – und für die Dolmetscher, die bei den Verhandlungen zum Einsatz kamen.

Maâmoura und Ebern sind in etwa gleich groß, eher ländlich geprägt. Bürgermeisterin El Fen sieht sehr viele Gemeinsamkeiten und hat festgestellt, dass man hier wie dort ruhig und entspannt leben kann. Ihr schwebt ein „partenariat de mode de vie“ vor, eine Partnerschaft der Lebensart. Die vielen Eindrücke der vergangenen zehn Tage haben eine ausreichende Menge von Gemeinsamkeiten aufgezeigt, die als Basis für einen fruchtbaren Austausch dienen können. Und bei den nächsten Besuchen wird man dann halt genügend Vorräte an Harissa mitbringen.