Ebern Denkmal gegen das Schubladen-Denken

Christian Licha

Eine Gruppe von Ebernern übergibt der Stadt ein Denkmal. Man erreiche keine Heilung, wenn man Menschen egal welcher Gesinnung ausgrenze, so die Initiatoren.

Vor dem Neptunbrunnen überreichten ein Dutzend Bürger aus Ebern und Umgebung ein Kunstwerk, das den Stadtrat zum Nachdenken bewegen soll. Das „Fühl-DENKmal“ besteht aus zusammengefügten Schubladen, in die jeder der Initiatoren eine weiße Rose hineinlegte. Foto: /Christian Licha

Ebern - „Ein Werkzeug zur Verbesserung und Erinnerung anbieten sowie Perspektiven und Gefahren von Schubladen-Denken aufzeigen“, haben sich ein Dutzend Bürger aus Ebern und Umgebung auf ihre Fahnen geschrieben, die Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) bei einer angemeldeten Zusammenkunft am Mittwochmittag auf dem Eberner Marktplatz ein sogenanntes „Fühl-DENKmal“ überreichten. Das „Fühl-DENKmal“ besteht aus zusammengefügten Schubladen, in die jeder der Initiatoren eine weiße Rose hineinlegte. Die Arbeit des Stadtrates anerkennend, aber kritisch gegenüber der Wortwahl des Aufrufes „braune Tonnen vor die Tür zu stellen“ vor dem „Spaziergang“ vor einer Woche, stellten die Frauen und Männer klar, dass sie ebenfalls gegen Rechtsextremismus seien und nicht pauschal dazu verurteilt werden wollten, radikalen Kräften anzugehören.

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„Wir sind nicht die Organisatoren der Spaziergänge“, betonte Matthias Zillig, der die Übergabe des Kunstwerks mitorganisierte, und fragte gleichzeitig die Stadträte: „Wie fühlt man sich, wenn man mit Angst regiert?“ Mit dem Fühl-DENKmal wolle man auf die Gefahr von buntem Schubladen-Denken aufmerksam machen. Es sei an der Zeit, mit Mitgefühl den Menschen als Individuum wertzuschätzen. Man erreiche keine Heilung, wenn man Menschen egal welcher Gesinnung ausgrenze, so Zillig.

Jeder Einzelne der anwesenden befreundeten Familien sprach persönliche Worte, die den Bürgermeister und den Stadtrat zum Nachdenken bewegen sollen. Es wurde dabei deutlich, dass die Meinung vertreten wurde, dass die Stadt Ebern schon gegen unangemeldete Spaziergänge mit Beteiligung Rechter reagieren müsse, jedoch wurde die Wortwahl in dem Brief an die Anwohner bemängelt und man wünsche sich, dass diplomatischer vorgegangen werde.

Bürgermeister Jürgen Hennemann, der zusammen mit zweitem Bürgermeister Harald Pascher (FDP) und Stadtrat Philipp Arnold (FW) vor dem Neptunbrunnen erschienen war, dankte den Übergebern des Kunstwerks für ihr Engagement. Er halte viel von Austausch und hätte unter normalen Bedingungen auch zu Gesprächen eingeladen, so Hennemann. Durch die Hygienevorschriften sei dies jedoch nicht möglich gewesen. Der Bürgermeister schätzt nach eigenen Worten das Recht auf freie Meinungsäußerung in Deutschland, aber zeigte gleichzeitig Unverständnis, dass sich Bürger bei unangemeldeten Versammlungen beteiligen und sich so von rechten Organisatoren instrumentalisieren ließen. Nachweislich waren bei allen bisherigen „Spaziergängen“ in Ebern Rechtsradikale vor Ort, die auf ihren einschlägigen Internetseiten sich mit hohen Teilnehmerzahlen brüsten. „Wir wollten nicht alle über einem Kamm scheren, aber das haben wir in unserem Brief auch zum Ausdruck gebracht“, sagte Hennemann, der keineswegs behauptet, dass alle „Spaziergang“-Teilnehmer rechtsradikal seien. Auch in Zukunft werde Ebern klar gegen Rechte stehen, gegen die Versammlungsleiter bei einer angemeldeten Demonstration auch eine Handhabe hätten, wenn sie sich nicht angemessen verhalten. Jeder habe das Recht, eine Versammlung anzumelden. Nicht zielführend sei es, anonym organisierte Demonstrationen zu unterstützen, so der Bürgermeister.