Ebern Gemeinsam für sichere Arbeitsplätze

Helmut Will

Die Mitarbeiter des Valeo-Standortes in Ebern bangen um ihre Arbeitsplätze. Ihr Vertreter machten nun mit einem „stillen Protest“ auf die Situation aufmerksam.

Stiller Protest vor dem Werkstor (von links) Bürgermeister Jürgen Hennemann, Andreas Sticker, zweite Bevollmächtigte der IG Metall Bamberg, sowie (Vierter und Fünfter von links) Betriebsratsvorsitzende Sonja Meister und Vertrauenskörperleiter Thomas Werner. Foto: /Helmut Will

Ebern - Ein stiller Protest, der allerdings die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit fand, fand, initiiert von der IG-Metall Bamberg, am Montag vor dem Haupttor der Firma Valeo in der Andreas-Humann-Straße in Ebern statt. Hintergrund der Aktion war, sich gegen den Abbau von Stellen beim Valeo-Konzern zu wenden. Die Aktion in Ebern und bundesweit auch an anderen Standorten des Unternehmens, stand unter dem Motto „Gemeinsam für sichere Arbeitsplätze bei Valeo.“

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Anlass für den Protest ist die Furch der Valeo-Arbeitnehmer um ihre Arbeitsplätze, denn das Unternehmen hat 2020 deutschlandweit rund 600 Stellen abgebaut, davon 95 im Werk Ebern, wie der Vertrauenskörperleiter von Valeo in Ebern, Thomas Werner, mitteilte.

Nach Angaben der IG-Metall sollen im aktuellen Jahr 2021 weitere 700 Stellen abgebaut werden, wobei auch die Arbeitnehmer, der Betriebsrat und Gewerkschafter in Ebern einen weiteren Einschnitt befürchten. Das beschäftigt die Metaller sowie Betriebsräte, weil bereits in vergangenen Jahren die Beschäftigtenzahl stark geschrumpft ist.

Die Interessenvertreter stellen sich daher die Frage nach der Zukunftsfähigkeit des Valeo-Standortes in der kleinen fränkischen Stadt Ebern, in der Valeo der größte Arbeitgeber ist. Die Frage nach Innovationen und Investitionen stellt sich, um die Beschäftigung zu sichern. „Die Aufsichtsratswahlen sind in Vorbereitung. Hier ist mir aktuell aufgefallen, dass in den letzten fünf bis sechs Jahren 400 Arbeitsplätze in Ebern verloren gegangen sind“, sagte Werner. Nach seinen Worten seien aktuell 1388 Personen bei Valeo beschäftigt. „Als uns Valeo im Jahr 2016 übernommen hat, waren ich und viele andere hoffnungsvoll und ich bitte inständig, dass diese Hoffnung nicht enttäuscht wird“, so der Vertrauenskörperleiter.

Allerdings wurden seit 2020 wieder 95 Arbeitsplätze abgebaut. Die Menschen seien mit sechs- bis sieben Millionen Euro aus den Arbeitsverträgen gekauft worden. „Diesen Betrag hätte ich lieber in Investitionsprogramme und neue Produkte investiert gesehen“, so Werner. Gegenwärtig können man einen Angriff auf den Tarifvertrag von Arbeitgeberseite erkennen. Bei Valeo liege man gegenwärtig voll im Budget und es sei eingestellt worden, weil der Betriebsrat keine Zeitarbeit mehr genehmigt habe. „Ich hoffe, dass unsere Führung mehr mit neuen Produkten aggressiv in den Markt geht, auch, wenn man zunächst eventuell nur kostendeckend arbeite muss. Hauptsache, man ist erst mal im Markt drin.“ Gefordert wird, wie zu hören war, eine Perspektive und eine Zukunft für die Beschäftigen von Valeo in Ebern, aber auch bundesweit.

Der stille Protest am 1. März ist gleichzeitig verbunden mit dem Startschuss für die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie, da an diesem Tag um null Uhr die Friedenspflicht endet. Auch die Beschäftigten bei Valeo in Ebern werden zum Warnstreik aufgerufen. In dieser Tarifrunde fordert die IG Metall auch Rahmenregelungen für betriebliche Zukunftsvereinbarungen. Es geht, wie die IG-Metall sagt, bei den Forderungen um verlässliche Beschäftigungs- und Produktionsperspektiven, die Steuerung von Transformationsprozessen, die Sicherung von Weiterbildung sowie dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Wie der Betriebsrat mit Sonja Meister an der Spitze in Ebern betont, sind Perspektiven, gerade für die hiesige Region, von existenzieller Bedeutung, da Valeo ein wichtiger Arbeitgeber ist. Das müsse auch in Zukunft so bleiben. Meister erklärte: „Mehr als 20 Prozent der Stellen sollen in allen deutschen Standorten bis Ende 2021 abgebaut werden und das finden wir nicht in Ordnung.“ Auch befürchte man, dass in Ebern noch weitere Stellen wegfallen, was ein falsches Signal für den Standort Ebern wäre.

Sonja Meister forderte, über den Tellerrand hinauszuschauen, was die Interessensvertretung schon öfters angeregt hätten. Produkte würden bereits für die Medizintechnik gefertigt und das könne man nach Meinung der Betriebsratsvorsitzenden weiter ausbauen, um sich nicht alleine auf die Automobilindustrie verlassen zu müssen. „Wir alle sind stolz auf unseren Standort und möchten das auch weiterhin bleiben.“

Des Weiteren fordert die IG Metall für ihre Beschäftigten Regelungen zur Beschäftigungssicherungen und eine Steigerung der Entgelte um vier Prozent. „Wir wollen heute bundesweit und auch hier in Ebern um ein Zeichen gegen Beschäftigungsabbau zu setzen, aber auch um die Tarifrunde 2021 einzuläuten“ sagte Andrea Sicker, zweite Bevollmächtigte der IG Metall Bamberg.

Oberstes Gebot sei die Beschäftigungssicherung. Damit sollen die Weichen für die Betriebe in der Metall- und Elektroindustrie gestellt werden. Transformation und Wandel seien bei Valeo in Ebern ein wichtiges Thema. „Ich habe so das Gefühl, dass für die Beschäftigten die Perspektive fehlt und Ängste um den Arbeitsplatz bestehen, deshalb wollen wir mit dem Arbeitgeber reden – über Produktinnovationen und darüber, wie man den Transformationsprozess gestalten kann, um die Arbeitsplätze zu sichern“, sagte Andrea Sicker.

Ebern sei ein wichtiger Arbeitgeber in der Region und er Aderlass wie in den letzten Jahren könne so nicht weiter gehen. Streichkonzerte, die die Arbeitgeber gerade in der Tarifrunde wollten, müssten aufhören und eine Nullrunde könne nicht sein. Auch dürfe nicht an Urlaubs- und Weihnachtsgeld gekratzt werden und die Abrissbirne müsse zur Seite gelegt werden. Man müsse auch berücksichtigen, unter welchen erschwerten Bedingungen die Arbeitnehmer in Coronazeiten gearbeitet hätten.

Der stille Protest fand während des Schichtwechsels statt. Die Arbeitnehmer, die das Werk verließen oder zur Arbeit gingen, registrierten den Protest ihrer Vertretungen, der durch 95 „Pappkameraden“ der IG Metall deutlich gemacht wurde. Auf ihnen war zu lesen: „Valeobeschäftigte kämpfen deutschlandweit für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.“ Dass das erforderlich und legitim ist, bestätigte auch Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD), ehemaliger Betriebsratsvorsitzender bei FTE. Ihm war es wichtig, beim stillen Protest seiner IG Metall Kolleginnen und Kollegen vorbei zu schauen, um sich mit ihnen solidarisch zu zeigen. „Mir ist es in erster Linie wichtig, dass die Menschen in ihrer Region ihren Arbeitsplatz behalten und auch, dass es für die Stadt Ebern Gewerbe- und Einkommensteuer gibt“, sagte Hennemann. Deshalb müsse man sich generell gegen den Abbau von Arbeitsplätzen stellen, was Valeo insgesamt in Deutschland vorsehe.

Dass in Ebern bereits Arbeitsplätze abgebaut wurden, symbolisierten die Schilder am Kreisverkehr. „Das werden Arbeitsplätze sein, die auch in Zukunft nicht mehr da sind. Es bedeutet auch, dass keiner der Jungen auf so einen Arbeitsplatz nachkommen kann“, so Eberns Bürgermeister. Er bedauere es, dass er ehemals starke Standort von FAG und FTE nicht weiter genutzt werde, deshalb sei es verständlich, dass Protestaktionen stattfinden, mit denen die Arbeitnehmer ihre Sorgen um ihre Arbeitsplätze kund tun.