Ebern IG Metall ruft zum zweiten Streik auf

Helmut Wil

Mitarbeiter der Firma Valeo in Ebern sowie der Firma Weiss Spindeltechnologie aus Maroldsweisach haben am Dienstag, 15. November, erneut ihre Arbeit niedergelegt. Vor Ort bildeten rund 500 Menschen eine Kette.

„Wer die Preise kennt, fordert acht Prozent.“ Das war eine der Botschaften, die Vertreter der IG Metall (IGM) an die Arbeitgeber richteten. Bei einem Warnstreik am Dienstagvormittag, 15. November, zeigten Beschäftige der Firma Valeo in Ebern, aber auch Mitarbeiter der Firma Weiss Spindeltechnologie aus Maroldsweisach, die sich solidarisch mit ihren Kollegen in Ebern zeigten, dass sie hinter dieser Forderung stehen. Etwa 500 Teilnehmer mögen es gewesen sein, die die Forderung nach mehr Lohn lautstark unterstützten.

Nach der Werbung weiterlesen

Bereits vor acht Tagen, am 8. November, gingen die Beschäftigten von Valeo vor dem Werkstor auf die Straße. Diesmal waren es sogar mehr, als beim ersten Warnstreik und die Spannung bei den Beschäftigten um ihren Lohn und Sorge um ihren Arbeitsplatz, lag in der Luft. Die Menschenkette, die sich vom Haupttor der Firma Valeo zum Parkplatz am Rückgrabenweg, gegenüber des Friedhofs bewegte, war für die Kleinstadt Ebern beeindruckend.

„Friedhofsstimmung“ herrschte jedoch nicht, eher eine Aufbruchstimmung, die lautstark zu den Reden der Gewerkschaftsvertreter zu hören war. Diesmal war auch der Bevollmächtigte der IGM Bamberg, Martin Feder gekommen, um den Forderungen, zusammen mit der zweiten Bevollmächtigten, Andrea Sicker, Nachdruck zu verleihen. Feder fand es ein tolles solidarisches Zeichen, dass 58 Beschäftige der Firma Weiss aus Maroldsweisach zur Unterstützung gekommen waren und auch Vertreter des Valeo Standortes in Fischbach. „Wir sind heute hier für acht Prozent“, sagte Feder, was sofort lautstark mit Rufen und Pfeifen quittiert wurde. Der Bevollmächtigte kreidete den Arbeitgebern an, dass sie es in vier Runden nicht schafften, ein beziffertes Angebot zu machen. „Das ist eine Frechheit“, so Martin Feder. Auf dem Tisch würden bisher einmalig 3000 Euro liegen und wenn man das so abschließe, bekämen die Arbeitnehmer bis März 2025 nichts mehr, was ein Skandal wäre. Das mache die IGM nicht mit, skandierte er nachdrücklich. Er wies aufsteigende Preise hin, über den die Arbeitnehmer nicht verhandeln könnten, Unternehmen würden sie weitergeben können.

Frenetisch war auch die Rede von Andrea Sicker, der zweiten Bevollmächtigten der IGM Bamberg. „Mit der Menschenkette haben wir soeben ein tolles Zeichen gesetzt hier bei Valeo zusammen mit den Beschäftigten der Firma Weiss, es war ein tolles Bild“, sagte Sicker. Sie brachte ihre Freude zum Ausdruck, dass nach dem gelungenen Auftakt vor einer Woche wieder so viele zum Warnstreik gekommen waren. Die Angebote der Arbeitgeber seien bisher völlig inakzeptabel. „Wer nach vier Verhandlungstagen so wie die Arbeitgeber vorgehe, ist offensichtlich zum Konflikt bereit und ich sage klar, wir sind es im Zweifel auch.“ Acht Prozent mehr Lohn und Ausbildungsvergütung hätten sich die Beschäftigten durch ihren Einsatz verdient. Seit 2020 habe man sich solidarisch gegenüber den Unternehmen verhalten. „Jetzt sind die Arbeitgeber dran und die Forderung ist wirtschaftlich geboten“, sagte Andrea Sicker.

Das Angebot einer Einmalzahlung sei eine große Frechheit und das Schweigen zur Hauptforderung der IGM nach einer Prozentzahl wäre eine Ignoranz und Rücksichtslosigkeit gegenüber den in Bayern 100 000 Warnstreikenden. Damit würden die Arbeitgeber weitere Eskalationen des Tarifkonfliktes riskieren. Die Krisen der Zeit könnten nicht bei den Arbeitnehmern abgeladen werden. Zum Leben sei im Hinblick auf die hohen Preise eine monatliche dauerhafte Erhöhung nötig. Arbeitgeber würden zocken und sich die Taschen zuhalten.

Auf die Autoindustrie eingehend sagte Sicker, dass diese weiterhin hervorragend verdiene. Speziell für den Standort Ebern seien außerdem Produktideen nötig, um den Standort zu sichern und in so einem Fall könne man auf die IGM zählen. Nötig sei ein ernst zu nehmendes Angebot. Die Botschaft solle heute an die Arbeitgeber sein: „Werden sie endlich vernünftig, reden sie nicht immer von ihren geschätzten Mitarbeitern, zeigen sie die Wertschätzung jetzt ganz konkret am Verhandlungstisch.“ Die Rede von Andrea Sicker wurde immer wieder durch laute und ernst gemeinte Zustimmung unterbrochen.

Erstmals auf der Bühne stand Pascal Ramer, neuer Jugend- und Ausbildungsvertreter. Er freute sich, dass die Azubis „richtig Dampf“ gemacht hätten. Das zeige, dass auch die Azubis hinter der acht-Prozent-Forderung nach mehr Lohn stünden. Das Angebot der Arbeitgeber wäre fern von jeder Realität und wäre nicht anzunehmen. An die Arbeitgeber gerichtet sagte Ramer: „Wir sind hier und wir sind laut, damit ihr nicht unsere Entgeltforderung klaut.“

Auch Betriebsratsvorsitzende Sonja Meister unterstützte nachhaltig die Forderungen ihrer Vorredner. Valeo ginge es insgesamt gut, das Unternehmen müsse nur die Arbeit auf die Standorte gerecht verteilen und sie nicht gegeneinander ausspielen. Letzter Redner war Jens Holze, stellvertretender Vorsitzender des Vertrauenskörpers. Er wies darauf hin, dass bisher 500 000 Leute, in Bayern allein 100 000, auf der Straße waren. „Wir in Ebern gehören dazu, um der Forderung nach acht Prozent Nachdruck zu verleihen“, so Holze. Mit dem Ruf: „Eins, zwei, drei – sieben, acht, Solidarität ist Macht“ endete die Kundgebung am Parkplatz von Valeo, wo die Arbeitnehmer zu einem Imbiss eingeladen wurden.