Ebern Schüler basteln an ihrem Traum(-haus)

Ihre Traumhäuser im anschaulichen Modell gestalten durften die Zwölftklässler am Friedrich-Rückert-Gymnasium in Ebern – und punkten dabei nicht nur fürs Abitur, sondern auch bei Profi-Architekt Michael Glodschei.

 
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Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Und wenn man das darf, so wie die Schülerinnen und Schüler im Oberstufen-Kunst-Kurs von Claus Gehring, dann beflügelt das offenbar zu Höchstleistungen. So ist es jedenfalls zu erklären, dass das Projekt „Traumhaus“ eine wahre Fülle an fantastischen Exponaten hervorbringt, die sich an diesem Tag in der Aula des Friedrich-Rückert-Gymnasiums (FRG) aneinanderreihen. „80 Prozent machen das wirklich gern“, schätzt der Kunstpädagoge: „Und dann hängen die sich auch wirklich rein.“ Was beim schulischen Aufwand eines Zwölftklässlers schon eine Menge bedeutet. Doch schließlich geht es auch um etwas, denn außer wertvollen Punkten fürs Abi winkt diesmal auch das Urteil eines Profis: Architekt Michael Glodschei aus Weitramsdorf, unter anderem Mitplaner des Coburger Globe-Theaters und Lehrbeauftragter der Hochschule Coburg, nimmt die Modelle unter die Lupe – und gibt den möglichen künftigen Architekturkollegen aus fachlicher Sicht den einen oder anderen Ratschlag mit auf den Weg.

Natali Moustafa beispielsweise, die sich für ein Architekturstudium interessiert. Noch muss die Zwölftklässlerin dafür eisern Noten-Punkte zusammentragen, irgendwann einmal will sie aber vor allem der Kreativität freien Lauf lassen. Gelungen ist ihr das mit ihrem Traumhaus am griechischen Strand, zu dem bei der Präsentation passenderweise „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens in die richtige Stimmung swingt. Beim Profi-Architekten punktet sie mit runden Ecken und einem Kuppelbau, für den Michael Glodschei noch auf eine sinnvolle funktionale Nutzung hinweist.

Der Lebensraum zählt

Lage, Lage, Lage: Worauf Immobilienmakler wie Profi-Architekten pochen, scheint auch bei den Schülern oberste Priorität zu haben. Nicht am Strand, dafür aber „am liebsten auf einem Berg“, mit reichlich Aussicht durch eine breite gläserne Front sieht beispielsweise Vyara Ivanova ihr Traumhaus. Sie wohnt aktuell in einer Wohnung, verrät sie, träumt also von „viel Platz und Luft“, wie sie lacht. Das Traumhaus von Maya Baum steht am Canale Grande, das von Lisa-Marie Kriegseis als Fachwerkhaus für die ländliche Region: „Für mich wäre das Großstadtleben nichts“, sagt sie. Mark Simon hat sich gleich ein Feuerwehrhaus samt Schlauchturm gebaut, in dem er wohnen will, bei Katharina Meixner ist es ein Backsteinhaus.

„Architektur bedeutet nicht nur, ein Haus zu gestalten“, sagt Michael Glodschei, „es bedeutet auch, die Umwelt zu gestalten“: Lebensräume also, in denen man sich wohl fühlt. Dafür seien die Schüler mit dem Traumhaus-Projekt sensibilisiert worden. Auch den Architekten selbst komme dabei eine Verantwortung zu, weshalb ihm das Modell von Niki Ritter mit begrüntem Dach gut gefällt.

So unterschiedlich wie die Schüler selbst

Insgesamt zeigt sich der Architekt beeindruckt von dem, was er gesehen hat. „Dafür, dass die Schüler noch keinerlei Berührungspunkte mit dem Fachbereich hatten, haben die Modelle eine sehr gute Qualität“, lobt er. Wichtig sei vor allem die Funktionalität der vorgestellten Ideen, sagt Michael Glodschei, wohingegen es Kunstlehrer Claus Gehring natürlich auch auf das handwerkliche Geschick und den geleisteten Aufwand ankommt. Dabei sind die Modellbauten so unterschiedlich wie seine Schüler: Da gibt es den akkuraten Hausentwurf aus dem 3D-Drucker, für den beispielsweise Marcel Janson die volle Punktzahl abräumt, oder die Villa mit den liebevollen Details, wie sie Vanessa Kulke oder Elisa Kluge gleich mit entsprechenden Möbeln dekoriert haben. Einen Fachmann zuhause hat Ben Stegner, dessen Vater selbst Architekt ist. Sein Traumhaus bietet vor allem eins – viel Platz. Dafür gibt es nicht nur ein Gästehaus, Keller und Garage, sondern auch ein Flachdach für die Dachterrasse. Und was sagt der Papa zum Modell? „Ihm ist es etwas zu schlampig“, grinst der Sohn, „aber für die Schule reicht’s.“

Tipps vom Profi

Ob Modellbau überhaupt noch üblich ist bei Architekten? Oder wird heute alles am Computer-Bildschirm visualisiert? Doch, sagt Michael Glodschei, hin und wieder werde schon noch modelliert, beispielsweise auch mal grob aus Styropor geschnitzt, wie er sagt. Insgesamt aber kämen mittlerweile oft auch Studenten, die gar nicht mehr selbst zeichnen können – die Bilder entstehen eben heute oft computergesteuert. Tipps für die Werkarbeiten hat er dann trotzdem: Balsa-Holz beispielsweise, das sich leichter bearbeiten lässt. Und natürlich Ratschläge, was bauliche Aspekte betrifft – etwa, dass eine Treppe mindestens 80 Zentimeter breit sein muss.

Neben der Theorie lernen die Schüler mit ihren Traumhäusern aber auch sich selbst besser kennen – das, was für sie selbst im Leben und Wohnen wichtig ist, aber vielleicht auch ganz andere Seiten an ihren Mitschülern. Spannend ist das allemal, meint Kunstlehrer Claus Gehring. „Die Bandbreite der Häuser ist wirklich enorm und diese Vielfalt zeigt auch, wie unterschiedlich die Schüler charakterlich sind“, sagt er. Wer sich darauf einlässt, kann natürlich auch fachlich seinen Horizont erweitern: „Man lernt hier Ideen und Variationen kennen, auf die man selbst nie gekommen wäre.“

Ob aus den Träumen auch Realität werden kann? Da muss der Profi-Architekt dann aber die Erwartungen doch ein wenig dämpfen. Schließlich gelten im richtigen Leben Bebauungspläne, die nicht selten sogar die Ziegelfarbe vorgeben, energetische Überlegungen, tatsächliche Baukosten oder schlicht Fragen der Statik und Machbarkeit. Aber träumen wird man ja wohl noch dürfen.

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