Ebern-Trun „Ja, aber“ zur Städtepartnerschaft

An Pfingsten vergangenen Jahres wurden in Trun bereits gemeinsam mit einer Eberner Delegation Ortseingangsschilder zur Partnerschaft enthüllt. Foto: NP Archiv

Die Städtepartnerschaft zwischen Ebern und Trun ist besiegelt. Inhaltlich stehen alle Stadträte hinter der fränkisch-französischen Freundschaft, formal allerdings sind reichlich kritische Töne zu hören.

 
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Gabi Rögner redet sich in Rage. Auf der Tagesordnung des Eberner Stadtrates steht mit dem offiziellen Beschluss zur Gründung einer Städtepartnerschaft mit der Gemeinde Trun in Frankreich ein eigentlich erfreulicher Punkt zur Debatte – vermutlich hatte eigentlich nicht einmal jemand mit einer Debatte gerechnet. Doch die CSU-Stadträtin hat den Kaffee auf. Nicht, weil sie keine freundschaftlichen Beziehungen zum französischen Nachbarn möchte, wie sie wortreich betont. Es sei wichtig, aus der Geschichte zu lernen und sie ins Positive zu kehren. Was ihr widerstrebt, ist die nachträgliche Absegnung durch den Stadtrat. „Über so weitreichende Entschlüsse wäre ich gern vorher informiert“, sagt die Stadträtin und führt die Kosten an, die eine offizielle Städtepartnerschaft verursacht – vornehmlich dem Steuerzahler, der beispielsweise künftige Stadtratsbesuche in der Normandie via Fördergelder kräftig unterstützt. Das könnte so mancher als billigen Kurzurlaub der Stadtratsmitglieder auslegen, fürchtet Gabi Rögner. Ihrem „Ja“ aus inhaltlichen und „Nein“ aus formalen Gründen schlossen sich Matthias Becht (JL) und Frank Kaiser (CSU) an. „Schade, wenn man vor vollendete Tatsachen gestellt wird“, meint Matthias Becht, Vieles auf dem Weg dorthin habe man nebenher erfahren, kritisiert Frank Kaiser.

Bedeutungsvolle Geschichte

Das mag so gewesen sein, räumt Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) ein, doch die partnerschaftlichen Beziehungen seien an vielen Stellen angesprochen worden, „und da ist nie Kritik gekommen“. Angefangen hatte die gemeinsame Reise durch die Recherchen des pensionierten Tierarztes und Hobbyhistorikers Michel Lefèvre. Er fand heraus, dass der später in Ebern ansässige Arzt Dr. Baumann mit dem örtlichen Priester im August 1944 im Kessel von Falaise in der Normandie für die Kapitulation eines Teiles der eingeschlossenen Deutschen Armee gesorgt und damit vermutlich viele weitere Opfer verhindert hatte. Im Oktober 2011 besucht er mit weiteren französischen Gästen Ebern und bringt Erde aus der Normandie auf das Grab von Wilhelm Baumann. Man trägt sich ins Gästebuch der Stadt ein und verspricht sich weiteren Kontakt. Der sollte über die Jahre hinweg folgen und intensiviert werden. Viele gegenseitige Besuche hat es bisher gegeben, und auch die Schulen knüpfen Kontakte und führen Schüleraustausche ein.

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Im Mai 2017 fasst der Eberner Stadtrat den Beschluss und die darin formulierte Absicht, eine Städtepartnerschaft offiziell anzugehen. Damit habe man nicht nur eigentlich schon den Grundstein gelegt, sondern auch selbst den Anstoß gegeben, sagt nun der Bürgermeister – erst recht mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung am 18. Mai 2019. „Faktisch besteht damit schon eine Partnerschaft“, betont Jürgen Hennemann: „Wir sollten uns nicht die Blöße geben, jetzt zurückzuziehen.“

Ein klassisches Beispiel für: „Das Herz ist schneller als der Kopf“, urteilt Sven Steffan (Freie Wähler). Einig sind sich (fast) alle, dass man nun in öffentlicher Sitzung keinen Rückzieher machen könne, ohne die französischen Freunde zu brüskieren. Es sei ja auch schon viel passiert, was die Partnerschaft auszeichnet, meint Irene Jungnickel (SPD), und auch Thomas Limpert (Freie Wähler) sagt: Es sei zwar richtig, dass man das auch formal schon längst hätte machen sollen, „aber bei so einem Thema mit Signalwirkung sollten wir nach außen hin schon einen einheitlichen Beschluss fassen“. Vor allem: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Dass man es zukünftig womöglich ein wenig anders halten könne in Kommunikation und Vorgehensweise ist dann den Worten von Zweitem Bürgermeister Harald Pascher (FDP) zu entnehmen. Auch er plädiert dringend dafür, den Beschluss jetzt nicht abzulehnen, es sei nicht fair den Franzosen gegenüber.

Das sehen dann auch die meisten anderen Stadträte so, die schließlich mit 16 Stimmen die offizielle kommunale Städtepartnerschaft zwischen der Stadt Ebern und der Gemeinde Trun in Frankreich gutheißen. Fünf Gremiumsmitglieder aus den Reihen von JL und CSU votieren dagegen.

Schon Pläne für 2023

In diesem Jahr sind bereits Schüleraustausche zwischen dem Gymnasium und der Realschule in Ebern mit den Colleges in Trun und Gace geplant. Außerdem steht ein weitere Besuch einer Eberner Delegation von Stadträten, Vereinsvertretern und interessierten Bürgern in der Normandie an: Geplanter Termin ist vom 4. bis zum 10. Juni. Eine Förderung der Reise in Höhe von 18 000 Euro wurde bereits beim deutsch-französischen Bürgerfonds beantragt.

Ein Interview mit Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann zum historischen Hintergrund der partnerschaftlichen Beziehung zu Trun hat der Deutschlandfunk in seiner Sendung am 19. Januar geführt. Es ist unter www.deutschlandfunk.de/europa-heute abzurufen.

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