Eberner Krankenhaus Konzept mit kleinen Anpassungen

Blick von oben auf das Eberner Krankenhaus, das sich zum „Gesundheitszentrum mit einem Anspruch der sektorübergreifenden Versorgung“ wandeln soll. Foto: NP Archiv/Schöneberg

Auch nach der Kündigung der Vorstandsvorsitzenden soll das Zukunftskonzept für die Haßberg-Kliniken umgesetzt werden. Neu ist: Labor und Röntgen sollen im Haus Ebern möglichst erhalten bleiben.

Ebern/Haßfurt - Quo vadis, Haßberg-Klinik? Am Montag tagte der Verwaltungsrat in einer Sondersitzung, nachdem Vorstandsvorsitzende Vera Antonia Büchner zum 21. Juni ihre Kündigung eingereicht hatte. Da war sie bereits vier Wochen nicht mehr im Dienst. Ein „bedauerlicher Schritt“, wie Landrat Wilhelm Schneider (CSU) auch am Montag in der Kreistagssitzung noch einmal betonte, die im Anschluss an das Krisengespräch über die Zukunft an der personellen Spitze der Haßberg-Kliniken stattfand. Allein, viel Neues hatte dieses Gespräch offenbar nicht ergeben, zumindest nichts, was der Öffentlichkeit schon hätte mitgeteilt werden dürfen. „In Kürze“, so der Landkreis-Chef und Verwaltungsratsvorsitzende, werde eine weitere Sitzung abgehalten, in der dann „weitere notwendige Schritte“ eingeleitet und anschließend auch kommuniziert werden sollen.

Auch unabhängig von Spekulationen darüber, was die 37-jährige promovierte Betriebswirtschaftlerin, die vor kaum mehr als einem Jahr mit so viel Ambitionen angetreten war, zu ihrem Abschied bewegt haben muss: Büchner geht in einer Zeit, die nicht einfach ist für das Kommunalunternehmen. Heiß diskutiert, zumindest in der Öffentlichkeit, ist das „Zukunftskonzept“ mit einschneidenden Veränderungen, vor allem im Haus Ebern. Dieses Konzept wolle man auch nach dem Ausscheiden der Vorstandsvorsitzenden weiter verfolgen, stellte Landrat Wilhelm Schneider klar. Bis auf Weiteres übernimmt Vorstandsmitglied Wilfried Neubauer nun das Ruder, der am Montag jenes Konzept „auf einem guten Weg“ sieht. Seinen Worten nach ziehen vom Personal bis zum Personalrat zu dessen Umsetzung nun „alle an einem Strang“.

Betroffen sind von der Umstrukturierung 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für 56 davon habe man Unterbringungsmöglichkeiten gefunden, bei vier Personen sei man noch im Klärungsprozess, so der Landrat. Die betroffenen Mitarbeiter konnten Wünsche für ihren künftigen Einsatzbereich nennen, die man versuche zu berücksichtigen.

Um auch die Kreisräte in dieses gemeinsame Boot zu holen, stellte Neubauer Beweggründe und Zielsetzungen des Konzepts am Montag noch einmal in einer Präsentation vor. Hinreichend bekannt ist bislang die künftige Aufstellung des Eberner Hauses auf zwei Säulen, dem „Zentrum für Altersmedizin“ sowie dem Medizinischen Versorgungszentrum MVZ. Hauptsäule ist das „Zentrum für Altersmedizin“ mit stationärem internistischen Schwerpunkt, palliativmedizinischer Krankenhausbehandlung und Nachsorge der Patienten in angeschlossener Kurzzeit- oder Übergangspflege (30 Plätze).

Jene Übergangspflege, die für jeden Patienten auch ohne Pflegestufe für maximal zehn Tage nach einer Krankenhausbehandlung infrage kommt, wird gesetzlich neu geregelt; ein großer Vorteil für die Haßberg-Kliniken. Künftig soll es nämlich einen Anspruch des Versicherten auf eine unmittelbar an eine Krankenhausbehandlung erfolgende Übergangspflege in dem Krankenhaus geben, in dem die Behandlung erfolgt ist, sofern die erforderlichen Leistungen nicht anderweitig erbracht werden können. Diese Regelung ist im unaussprechlichen „Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz“ erfasst und muss noch den Bundesrat passieren, soll aber zum 1. Oktober umgesetzt werden. Erfreulich sei, dass ebenfalls bereits zum 1. Oktober ein Palliativmediziner unter Vertrag genommen werden konnte.

Daneben soll das MVZ in Ebern verstärkt und ausgebaut werden mit den Schwerpunkten Innere Medizin und Gastroenterologie mit Belegarzttätigkeit sowie dem Aufbau eines ambulanten unfallchirurgischen bzw. orthopädischen Schwerpunktes mit Durchgangsarzt-Praxis und ambulantem OP-Zentrum. Auch hier konnte Wilfried Neubauer Positives berichten: Ein „sehr erfahrener Facharzt“ interessiere sich für eine Tätigkeit im MVZ Ebern, die Einstellung sei zum Jahreswechsel 2021/22 vorgesehen. Der Arzt habe einen „relativ umfangreichen OP-Katalog“, so Neubauer: „Genau der Mann, den wir in Ebern brauchen.“

Weitergeführt wird die Wachstation IMC mit drei bis fünf Betten und der palliativmedizinische Dienst mit drei Betten. Insgesamt wird die Abteilung Innere Medizin damit dann über 50 Betten verfügen.

Vieles spreche nach intensiven Gesprächen mit den betroffenen Abteilungen dafür, dass künftig nun doch auch Labor und Röntgen im Eberner Haus erhalten bleiben sollen, konnte Wilfried Neubauer dann vermelden. „Wir wollen die Mannschaft dort nicht zerschlagen“, so Neubauer. Die Mitarbeiter würden sehr am Eberner Haus hängen, ein Abzug wäre „ein schlechtes Zeichen“. Rund 5000 Röntgenleistungen pro Jahr seien schließlich im MVZ zu erwarten, eine Auslastung sei also wahrscheinlich. Hier erarbeite man gerade ein Konzept „mit Anbindung an das Haus Haßfurt“, was abschließend im Verwaltungsrat noch diskutiert und abgesegnet werden müsse.

Keine originäre Aufgabe des Landkreises mit seinem Kommunalunternehmen wiederum sei die Notarztversorgung. Hier liege der Sicherstellungsauftrag beim Rettungszweckverband Schweinfurt. Landkreis und Krankenhaus würden sich aber wie bisher beteiligen, solange am Haus Ärzte dafür qualifiziert seien. Hierzu werde auch ein Arzt (Orthopäde und Chirurg, gleichzeitig auch Allgemeinarzt), der bereits am Haus Ebern tätig ist und am Notarztdienst teilnehme, am Standort Ebern bleiben.

Und noch ein kleines Zugeständnis gibt es: Zwar soll wie geplant die ambulante chirurgische Notfallversorgung nur werktags zwischen 8 und 18 Uhr über das MVZ erfolgen, geprüft wird laut Neubauer aber derzeit eine zeitbegrenzte zusätzliche Versorgung an Wochenenden und Feiertagen für jeweils drei oder vier Stunden am Vormittag. Dies sei vorstellbar, wenn zum einen die Labor-/Röntgenmannschaft an diesen Tagen im Haus sei, und zum anderen der Haftpflichtversicherer mitmache. Auch der künftige Chefarzt müsse mit im Boot sein, „da geht es auch um Verantwortung“, so Wilfried Neubauer. Durchschnittlich einen Patienten am Tag habe man bislang in der künftig unbesetzten Zeit werktags zwischen 18 und 8 Uhr gezählt, an Wochenenden und Feiertagen ganztägig durchschnittlich fünf. Zu wenig, um einen ganzen Apparat vorzuhalten, wie Neubauer die „künftige Lücke im nördlichen Landkreis“ bedauert.

Vom Abzug der Chirurgie abgesehen sei das Konzept jedoch „rund und bedarfsgerecht“.

Autor

 

Bilder