Eigener Inhalt Allons enfants de la Batterie ...

Ohne Laden nach Paris? Ein Selbstversuch mit dem Hyundai Kona Elektro.

Eine Therapie steht an. Eine mehrstündige Sitzung gegen die Urangst des Liegenbleibens. Sprit-Reisende kennen diese Phobie nicht, weil es ausreichend Tankstellen gibt. Man kommt überall hin, sogar Knall auf Fall nach Paris oder zum Gardasee. Zur Not bringen einen fünf Liter aus dem Kanister weiter. Gelobt seien der Verbrenner und seine Infrastruktur.

Was aber, wenn nicht Kohlenwasserstoffe für Vortrieb sorgen, sondern Elektronen? Wenn der Tank Akku heißt, und nicht an jeder dritten Ecke eine Zapfpistole harrt? Und was, wenn Ziel nicht das Büro wäre, sondern tatsächlich Paris? Furcht? Nein. Sind doch Zeiten technischen Aufbruchs. Womöglich einer Revolution. Allons, enfants de la Batterie… möchte man sehr frei die Marseillaise zitieren. Auf, Kinder der Elektromobilität…

Am Flughafen Frankfurt steht für den Versuch ein Hyundai Kona Elektro. So wie man ihn kaufen kann: 204 PS, flach zwischen den Rädern eine Batterie mit 64 kWh. Vollgeladen. Ein fast normales Auto. Nur ohne lokale Emissionen. Und einen Kanister gibt es auch nicht.

Eine Sicherung wohl. Kurz vor Paris wird an einer öffentlichen Säule geladen. Unter Zeugen. Die Zusatz-Kilometer werden später abgezogen. Klingt nach doppeltem Boden, ist aber bloß ein Netz. Bei einem Test mit Sprit würde man ja auch nicht fahren bis zum letzten Tropfen.

Natürlich ist der Trip eine einzige Versuchung. Denn vorwärts geht das Ding wie Wutz – auch mit 1,7 Tonnen. Über dem Zwischenspurt von 80 auf 120 vergehen nur 4,8 Sekunden. Und für Tempo 167 reicht’s auch. Endlich mal ein E-Auto, das erschwinglich ist und Spaß macht.

Leider heißt es erst einmal Eco+. Keine Klimaanlage, frühes Schalten – und die Heizung bleibt auch aus. Dazu am besten die Gelassenheit eines Zen-Mönches. Dynamik kostet Distanz. Alte Batterie-Fahrer-Weisheit. Kein Zucken also im Gasfuß, wo immer möglich – sparen. Pfiffig: Wie stark im Schubbetrieb Energie zurückfließt, lässt sich in vier Stufen regeln.

Überaus hilfreich sind vorausschauendes Fahren und eine kluge Strategie. Vor allem auf dem hügeligen Weg durch die Ardennen. Das Mittel der Wahl: Windschatten. Wer sich hinter einem Sattelzug hält, kommt zwar nur mit Tempo 90 voran, kann aber dem Akku beim Sparen förmlich zusehen. Und es geht schließlich um was. Es ist ein Duell mit dem Vorurteil.

Genau diesen Wettstreit suchen die Koreaner. Als erstes SUV im B-Segment überhaupt fährt der 4,18 Meter kurze Kona E ausschließlich mit Strom. Moderne Antriebe sind bei Hyundai nicht nur das übliche Geklingel. Die Marke will mit auf dem Zettel stehen, wenn der Kauf eines Autos ansteht. Deswegen legen die Koreaner einfach mal vor.

Am Ende zeigt sich: Frankfurt-Paris ist machbar. Am Stück. Nicht ganz der Arc de Triomphe, aber Stadtrand schon. Die Datenauswertung ergibt exakt 501 Kilometer. Einen Tick besser noch als der Normverbrauch – wenn auch mit bescheidenem Fahrspaß.

Der kommt tags darauf. Es gibt Kona E mit allem: Sport-Modus, forscher Auftritt, Klimaanlage. Das Gegenteil des Road-Trips. Und ja: Auch das kann der Stromer prima. Das Fahrwerk ist erfreulich straff, der Schwerpunkt tief, die Lenkung präzise, die Beschleunigung souverän. Für mehr Dynamik muss man schon Richtung Sportwagen schielen.

Erfreuliches Resultat: Die heiße Hatz kostet weniger Watt als man denken könnte. Natürlich sind 500 Kilometer so nicht drin – an die 350 aber eben schon. Das ist nicht wenig bei zügigem Fahrstil.

Und: Der Kona E ist alles andere als eine rollende Verzichtserklärung. Man sitzt mit ordentlich Freiraum. Sogar hinten – wenngleich man dort keine allzu langen Beine haben sollte. Wer statt Leuten Lasten bewegt – das Gepäckfach fasst 332 Liter, umgeklappt 1114. Das sind nur 29 Liter weniger als beim Verbrenner. Ein wahrlich kleiner Tribut an den Akku.

Den Fahrer verwöhnen digitale Instrumente, mittig thront ein Acht-Zoll-Touchscreen, und auf Wunsch schiebt sich ein gestochen scharfes Head-up-Display aus dem Cockpit. Schon in der Basis-Version hält der Kona E Abstand und Spur und bremst zur Not selbst. Optional späht er quer und in tote Winkel, erkennt Schilder, parkt und fährt im Stau teilautonom.

Das Ganze kostet ab 39 000 Euro. Wer sich mit 136 PS und 312 Kilometern zufrieden gibt, kann schon ab 34 600 Euro einsteigen. Die Komplett-Füllung bei 100 kW dauert eine Stunde, an der heimischen Wallbox achteinhalb Stunden – und knapp 14 Stunden beim großen Akku.

Übrigens: Aktuell hat der Kona Elektro ein Jahr Lieferzeit, so gefragt ist er. Womöglich ist sie doch nahe, die Revolution . . .

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