Eigener Inhalt Doppelherz im Doppelpack

Klassisch komfortabel oder sportlich scharf - mit eHybrid und GTE hat VW nun zwei Plug-In-Gölfe im Angebot.

Er war stets der Meister. Ihm verdankt nicht bloß eine Fahrzeugklasse ihren Namen, sondern obendrein eine ganze Generation. Doch Zeiten ändern sich und mit ihnen das Maß der Mitte. Nie war ein Golf stärker unter Druck als Nummer acht. Und das schon im eigenen Haus. Oben muss er sich gegen den SUV-Dreierpack aus T-Cross, T-Roc und Tiguan behaupten, unten piesackt ihn der flotte Polo – und von der Seite drängt mit Macht der elektrische ID.3.

Geschichte ist deshalb der e-Golf. Auf die Kraft der zwei Herzen indes kann man bei Generation acht noch vertrauen. Mehrfach sogar. Für alle, denen purer Batteriebetrieb zu teuer, zu unsicher oder schlicht zu umständlich erscheint, bietet VW nun reichlich Auswahl. Sogar für die Plug-in-Version gibt es eine Alternative.

Allen voran fährt selbstverständlich der GTE (ab 41 667 Euro), der nicht zufällig bloß im dritten Buchstaben von der rotlinierten Verbrenner-Ikone abweicht. Der Motor mit Kolben steuert 150 PS bei, der mit Wicklung maximal 140. Macht 245 im Zusammenspiel und ordentlich Druck nach vorne – oder eben sparsames Gleiten. Vorteil: Man ist die Sorge des Strom-Ausfalls los. Manko: Doppelte Technik und keine Reserveradwanne mehr. Dafür ist man auf Tempo 100 deutlich unter sieben Sekunden – und beim Ampel-Start der König.

Wirklich gedacht allerdings ist der GTE für ruhiges Dahingleiten: Flaute im Brennraum und Vortrieb einzig aus dem Akku. Dabei hilft das serienmäßige Navi. Wäre ja unsinnig, vor Ortsschild oder Abzweig noch zu beschleunigen. Wolfsburgs Jüngster weiß es besser – und verzögert rechtzeitig. Zusammen mit der auf 13 kWh erstarkten Batterie schafft der GTE nun 62 saubere Kilometer, die im sportlichen Alltag allerdings eher 40 entsprechen.

Dieser "E-Mode" lässt sich – bevorzugt in der Innenstadt – auch auf Knopfdruck aktivieren. Bei längeren Fahrten kann man zudem ausreichend Strom reservieren, um später lokal emissionsfrei unterwegs zu sein. An den weltweit immer häufiger werdenden City-Maut-Schildern darf man dann getrost vorübersäuseln. So oder so muss irgendwann wieder Saft in den Akku. Bei Nachschub aus der Steckdose dauert das rund fünf Stunden, eine Wallbox presst die Füllung in gut dreieinhalb in die Zellen.

Stammt der Strom aus erneuerbarer Energie, haben Umwelt und Geldbeutel gleichermaßen was davon. Wenngleich die offiziellen 1,6 Liter Spritverbrauch je 100 Kilometer nur ein absurder Laborwert sind. Um die fünf Liter jedoch sind bei halbwegs normaler Fahrweise kein Hexenwerk, nur wer ständig maximalen Vortrieb abruft, nimmt zweistellige Marken ins Visier.

Allerdings ist die Verlockung nicht klein: Fahrwerk und Lenkung des GTE arbeiten wunderbar präzise und kommen mit den gut 1,6 Tonnen bestens klar. Sehr viel agiler ist auch der GTI nicht. Bei dem ist gutes Gewissen allerdings nicht serienmäßig. Und E-Prämie gibt’s auch keine. Beim GTE hingegen darf es eben auch mal der sportliche Kontrast zum Elektro-Modus sein. Wer nie sündigt, verliert schließlich den Spaß an der Tugend . . .

Billig ist das Ganze nicht – preiswert womöglich schon. Zur umfangreichen Serienausstattung gehören zum Beispiel LED-Licht, digitales Cockpit, Sechs-Gang-DSG und der "Travel Assist" für betreutes Fahren. Auf jeden Fall gönnen sollte man sich für gut 1000 Euro extra die einstellbaren Dämpfer.

Wer in häuslicher Gemeinschaft oder beim Fuhrpark-Manager einen Sportwagen nur schwer durchsetzen kann – es gibt den Stecker-Golf erstmals auch als normale eHybrid-Version (ab 39 782 Euro). Mit identischer Technik wie beim GTE, aber leicht gedrosseltem E-Motor. Macht dann in Summe 204 PS und richtet sich an Käufer, die zwar teilzeit-elektrisch unterwegs sein wollen, aber eben nicht unbedingt sportlich geschärft, sondern eher klassisch-komfortabel.

Man ist dann zwar in Sachen Leistung nicht ganz auf Augenhöhe mit dem GTI, verliert im Standard-Spurt sieben Zehntel auf den GTE und muss auf die Lichtleiste im Kühlergrill ebenso verzichten wie auf die echten Sportsitze – dafür schafft der eHybrid rein elektrisch bis zu 80 Kilometer. Disziplin bringt eben Distanz. Alte Akkufahrer-Weisheit.

Und wenn man sich an Strom im Antrieb erst langsam herantasten will – VW bringt im neuen Golf gleich drei Mild-Hybrid-Modelle, bei denen ein Starter-Generator mit 48 Volt dem Verbrenner unter die Kolben greift. Bereits im Verkauf ist die mit 150 PS stärkste Version, in Kürze folgen noch Varianten mit 130 und 110 PS, wobei die kleinste mit einem munter schnatternden Dreizylinder durchaus überzeugt. Für den Alltag taugt der bestens – und für echte Spannung gibt’s ja den GTE.

 

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