⚽ EM-Auftaktspiel DFB-Team überrollt Schottland

Sein Treffer eröffnete die Fußball-Europameisterschaft: Florian Wirtz (links) brachte die deutsche Nationalmannschaft früh gegen Schottland in Führung. Foto: dpa/Sven Hoppe

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft legt mit einem 5:1 einen mitreißenden Start in die Heim-Europameisterschaft hin. Gegner Schottland hat sich schnell ausgeduldet. Vor allem ein Mannschaftsteil des deutschen Teams glänzt.

 
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Wenn sich Julian Nagelsmann und die deutsche Nationalmannschaft ein Szenario zum Auftakt der Fußball-Europameisterschaft erträumt hätten, dann wohl dieses: Ein früher Treffer, schnell ein zweites Tor, vor der Pause noch eins – und danach ein dominanter Auftritt, der letztlich in einen ungefährdeten Erfolg mündete. Genauso kam es am Freitagabend, als die deutsche Nationalmannschaft einen völlig ungefährdeten 5:1 (3:0)-Erfolg gegen eine letztlich völlig überforderte schottische Elf einfahren konnte. Mit dem klaren Erfolg begeisterte die DFB-Elf nicht nur die 66 000 Fans im Stadion – insofern sie keinen Schottenröcke trugen –, entfachte eine EM-Euphorie – und steht angesichts des Modus mit einem Bein im Achtelfinale.

Insgesamt dürfte die Erleichterung über den Auftaktsieg aber vor allem im deutschen Team groß sein. Vor der Partie hatte Bundestrainer Nagelsmann bereits für den Fall eines misslungenen Auftakts vorgebaut: „Wir dürfen den Sieg nicht zu hoch hängen, sonst müssen wir ja die Zelte abbrechen, wenn wir nicht gewinnen“, sagte der Bundestrainer im ZDF und sprach von Nervosität, die er verspürte.

Allerdings hatte er letztlich dafür keinen Grund, denn an seiner früheren Arbeitsstätte in München hatte Nagelsmann die richtigen taktischen Mittel gefunden, um es nicht zu einem erwartet schweren Spiel gegen unangenehme Schotten kommen zu lassen. Die DFB-Elf zog den Gästen von der Insel schnell den Zahn: Deutschland attackiert den tief stehenden Gegner früh, überrollte mit einer offensiven Ausrichtung regelrecht das Team von Trainer Steve Clarke. Von der engen Blockverteidigung der Schotten war schon früh nicht mehr viel zu erkennen.

Was womöglich auch daran lag, dass Nagelsmann auf eine Elf setzte, die sich offenbar gefunden hat. Der Bundestrainer setzte auf dieselbe Startelf wie noch im Testspiel gegen die Ukraine in Nürnberg (2:1), als sich das Team allerdings lange Zeit schwer tat. Doch die Formation mit Ilkay Gündogan als Kapitän auf dem Feld, dessen Einsatz zuletzt immer wieder hinterfragt wurde, und um Toni Kroos als Dreh- und Angelpunkt des deutschen Spiels wirkte gefestigt. Das deutsche Team zeigte Reife und Zielstrebigkeit, die an die beiden Länderspiele im Frühjahr gegen Frankreich und die Niederlande erinnerte.

Von Beginn an rollte Angriff auf Angriff in Richtung schottisches Tor – und es war nur eine Frage der Zeit, bis die deutsche Führung fallen würde. Hatten die schottischen Fans noch vor dem Spiel in der Arena in München den Stimmungscontest für sich entschieden, verstummten selbst die lautstarken Fans von der Insel frühzeitig. Spätestens mit dem deutschen Führungstreffer nach zehn Minuten durch Florian Wirtz. Der Leverkusener hatte eine flache Eingabe von Joshua Kimmich vor der Strafraumkante aufgenommen – und sicher verwandelt. Der verdiente Lohn für eine deutsche Nationalmannschaft, die mit ihrem überzeugenden Auftritt wohl selbst Pessimisten überzeugte.

Denn im gleichen hohen Tempo ging es auch nach dem 1:0 weiter: Der zweite Treffer lag in der Luft, die Bravehearts fanden offensiv überhaupt nicht statt. Gerade, als die deutschen Mannschaft ein Stück weit das Tempo aus dem Spiel nahm, fiel der zweite Treffer: Ausgangspunkt war Gündogan, der auf die linke Seite zu Kai Havertz durchsteckte. Die deutsche Spitze hätte eigentlich schon selbst abdrücken können, doch verzögerte er für einen Moment das Spiel und sah Jamal Musiala in zentraler Position. Der zögerte nicht lange und traf zum 2:0 (19.).

Damit war die Partie schon so gut wie entschieden, denn wohl selbst die schottischen Fans hatten keine Idee, wie ihre Elf die Partie noch hätten drehen können. Zu ideen- und ratlos agierte das Team von Steve Clarke gegen die entfesselte deutsche Mannschaft.

Die deutsche Dominanz setzte sich fort – und hätte schon vor der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zum 3:0 führen können. Einen bereits gepfiffenen Strafstoß nahm der VAR zurück. Dafür griff der Video-Assistent in der 44. Minute ein, als Ryan Porteous im Strafraum auf rüde Art dem deutschen Kapitän Gündogan mit zwei Beinen ans Schienbein sprang. Elfmeter, Rot für den Schotten – und das 3:0 durch Harvetz beendeten eine fulminante deutsche Halbzeit. Noch nie in der Geschichte hatte Deutschland in einem EM-Spiel mit 3:0 zur Pause geführt.

Nach der Pause war klar, dass es wohl keine Wende mehr im Spiel geben würde. Das deutsche Team knüpfte zwar nicht mehr an die rauschhafte erste Halbzeit an, dominierte das Geschehen dennoch deutlich. Der Bundestrainer nutzte die klare Führung für einige Wechsel – und nahm unter anderem den bereits verwarnten Robert Andrich aus dem Spiel. Für die Offensiv-Zauberer Havartz und Wirtz kamen Leroy Sané und Niklas Füllkrug, der sich gleich mit einem Kracher zum 4:0 ins Spiel einfand (68.). Schottland kam noch durch ein Eigentor von Antonio Rüdiger (87.) zum 1:4, was die schottischen Fans wie den EM-Titel feierten. Dass Emre Can in der Nachspielzeit zum 5:1-Endstand traf, war nur noch eine Randnotiz für die Party der deutschen Fans. Ausgerechnet Can, der erst am Mittwoch für Aleksander Pavlovic nachnominiert wurde.

Den größten Applaus des Abends bekam – neben Toni Kroos – der Lokalmatador Thomas Müller. Auch er wird diesen historischen Freitagabend in Erinnerung behalten. Als erfolgreichen Start einer meisterlichen EM?

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