Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte, sie mache sich Sorgen, dass damit Russlands Kriegskasse weiter gefüllt werde: "Mir scheint, dass der innenpolitische Druck in den Vereinigten Staaten sehr, sehr groß ist."
Auch EU besorgt
EU-Ratspräsident António Costa nennt die befristete Lockerung von Handelssperren für russisches Öl der USA "sehr besorgniserregend". Die einseitige Entscheidung der Vereinigten Staaten habe Auswirkungen auf die europäische Sicherheit, schrieb der Portugiese auf X. Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte, die Brüsseler Behörde sei weiterhin überzeugt, dass die Preisobergrenze für Öl und die Sanktionen gegen Russland zielgerichtet seien.
Ölpreise auf hohem Niveau wenig bewegt
Bei den Ölpreisen zeichnet sich zum Ende einer turbulenten Woche weiter keine Entspannung ab. Die Freigabe von Ölreserven durch die Internationale Energieagentur (IEA) hat bisher zu keiner nachhaltigen Senkung des Niveaus geführt. Am Freitagmorgen wurde für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Mai 100,43 Dollar gezahlt und damit drei Cent weniger als am Vortag. Am Markt sind alle Augen auf die praktisch geschlossene Straße von Hormus gerichtet. Irans Führung ist trotz der Angriffe der USA und Israels weiter zu Gegenschlägen und Störung der globalen Ölversorgung in der Lage.
Ifo-Chef: Iran-Krieg kein Desaster, aber Dämpfer
Der Iran-Krieg wird sich nach Einschätzung von Ifo-Präsident Clemens Fuest negativ auf das deutsche Wirtschaftswachstum auswirken – von dramatischen Folgen geht er aber nicht aus. "Es ist zum Glück kein Desaster, aber es ist ein klarer Dämpfer", sagte er im ARD-Morgenmagazin. Er setze darauf, "dass wir das ganz gut überstehen". Deutschland sei nicht mehr so abhängig von Öl wie in den 70er Jahren.
Die Münchner Wirtschaftsforscher gehen bei einem baldigen Kriegsende von einem deutschen Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent in diesem Jahr aus – 0,2 Prozentpunkte weniger als ansonsten zu erwarten gewesen wäre. Sollte der Krieg länger dauern, sei von 0,6 Prozent Wachstum auszugehen – womit laut Fuest der "relativ blutleere Aufschwung" noch mehr gedämpft würde.