Energiewende in Coburg/Kronach Stromtrassenplanung im Einklang mit der Natur?

Wie werden die Stromtrassen in der Region genau verlaufen? Das richtet sich auch danach, welche Ergebnisse die Biologen vorlegen, die die Bayernwerk Netz GmbH beauftragt hat.

Für die Bayernwerk Netz GmbH sind nun Fachleute auf der Suche, wo genau die neuen Stromtrassen verlegt werden können, um eventuellen Bewohnern wie der selten gewordenen Haselmaus nicht zu sehr auf den Pelz zu rücken. Foto: picture alliance/dpa/NABU/Sven Büchner/nabu

Die Bayernwerk Netz GmbH beginnt Ende Januar mit umweltfachlichen Kartierungen für drei Netzausbau-Projekte in den Landkreisen Kronach und Coburg: den Neubau der Erdkabel-Leitung zwischen Windheim und Steinbach am Wald im Landkreis Kronach, den Umbau von zwei Freileitungsmasten am Umspannwerk Windheim sowie die Ertüchtigung der Freileitung zwischen Stockheim und Neustadt bei Coburg.

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Der Verteilnetzbetreiber hat dafür Fachleute für Ökologie damit beauftragt, die Tier- und Pflanzenwelt in den Planungsräumen dieser Netzausbau-Vorhaben zu beobachten. Die gewonnenen Informationen zu Flora und Fauna lässt die Bayernwerk Netz in die weitere Planung einfließen.

Zwischen Januar und November analysieren Biologinnen und Biologen der Fachfirma TNL Buttenheim die Natur in der Umgebung der geplanten Projekte, um Erkenntnisse über die dort lebenden Tiere und Pflanzen zu gewinnen. „Wir untersuchen die Lebensräume geschützter Arten wie der Haselmaus oder verschiedener Amphibien und Reptilien. Um alle Arten zu dokumentieren, begehen die Kartierungsexperten die Flächen im Laufe des Jahres meist mehrmals und zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten“, erklärt Alischa Naomi Staebner, Projektleiterin für Umweltplanung bei der Bayernwerk Netz.

Bereits im September  2024 erfolgte der Spatenstich für das neue neue Umspannwerk in Windheim. Foto: Christian Kreuzer

Vereinzelt bringen die Biologinnen und Biologen für einen Zeitraum von mehreren Monaten vorübergehend Verstecke wie Kunststoffröhren oder Bleche an, um die Beobachtung der heimischen Tiere zu erleichtern. Die erhobenen Daten fließen dann in Umweltgutachten ein, die in den weiteren Planungen für die drei Projekte berücksichtigt werden.

Für drei Netzausbau-Projekte sind die Kartierungen eine entscheidende Planungsgrundlage. Der Verteilnetzbetreiber berücksichtigt die Ergebnisse bei der Ermittlung des genauen Trassenverlaufs der neuen Leitung und für den Bauablauf der drei Vorhaben.

Zum einen plant die Bayernwerk Netz den Neubau einer Hochspannungs-Erdkabelleitung zwischen dem Umspannwerk Windheim und dem Werksgelände des Behälterglasherstellers Wiegand-Glas in Steinbach am Wald. Die rund drei Kilometer lange Leitung wird das Unternehmen direkt an das Hochspannungsnetz anschließen und so die Stromversorgung des Standorts verbessern. Damit der Behälterglashersteller seine Schmelzwannen künftig mit mehr Strom betreiben und im Gegenzug die Verwendung von Erdgas reduzieren kann, wird der direkte Anschluss an das Hochspannungsnetz der Bayernwerk Netz benötigt.

Inbetriebnahme 2028

Die Ergebnisse der Kartierungen sind eine Voraussetzung für die Planung des genauen Trassenverlaufs. Der Bau dieser neuen Leitung soll voraussichtlich 2027 beginnen, sodass sie 2028 in Betrieb gehen kann.

Zum anderen möchte der Verteilnetzbetreiber zwei Freileitungsmasten am Umspannwerk Windheim erneuern. Damit die beiden Masten Ende 2026 umgebaut werden können, lässt die Bayernwerk Netz in diesem Jahr die Tier- und Pflanzenwelt im Umfeld kartieren. Für die Erneuerung der Masten ist ein separates Planungsverfahren erforderlich, auch wenn das neue Umspannwerk Windheim derzeit bereits gebaut wird.

Ein drittes Leitungsbau-Projekt, für das die Bayernwerk Netz ab Januar umweltfachliche Kartierungen beauftragt hat, ist die Modernisierung der Freileitung zwischen Stockheim und Neustadt bei Coburg. Auf der bestehenden Leitung sollen voraussichtlich 2026 zusätzliche Leiterseile aufgelegt werden, um die Leitung leistungsfähiger zu machen. Die Instandhaltung der Hochspannungs-Freileitung zwischen Stockheim und Windheim ist ein weiteres Leitungsbau-Projekt der Bayernwerk Netz in der Region. Seit Juni 2024 saniert der Verteilnetzbetreiber Witterungs- und Alterserscheinungen dieser Leitung.

Beispielhaft für die gesamte Region

Die Bauarbeiten werden voraussichtlich bis Mitte des Jahres abgeschlossen sein. Die im Januar beginnenden Kartierungen stehen mit diesem Projekt nicht in Zusammenhang. Hintergrund für den Netzausbau, den die Bayernwerk Netz in Oberfranken vorantreibt, ist die Energiewende. Immer mehr dezentrale Anlagen zur Erzeugung grünen Stroms schließt das Unternehmen an sein Netz an. Der Landkreis Kronach steht dabei beispielhaft für die gesamte Region: Ende 2023 verzeichnete der Verteilnetzbetreiber eine installierte Leistung von rund 181 Megawatt im Landkreis. Zwischen den Jahren 2020 und 2023 hat sich die installierte Leistung mehr als verdoppelt.

Um der großen Dynamik der Energiewende gerecht zu werden und das Stromnetz in ihrem gesamten Netzgebiet für die wachsenden Anforderungen fit zu machen, hat die Bayernwerk Netz die „Wachstumsoffensive Energiezukunft Bayern“ gestartet. Bayerns größter Verteilnetzbetreiber investiert bis ins Jahr 2026 insgesamt fünf Milliarden Euro in eine bessere Netzinfrastruktur. Im Zuge dieser Offensive werden Hochspannungs-, Mittelspannungs- und Niederspannungsnetze ausgebaut.