Entscheidung gefallen: Schmidtke verlässt Regiomed

Wolfgang Braunschmidt

Der Hauptgeschäftsführer des Klinikkonzerns wechselt nach Böblingen. Das wird am Montag bekannt.

Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Riegger (links) sowie Landrat und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Roland Bernhard (rechts) begrüßen Alexander Schmidtke als neuen Geschäftsführer des kommunalen Klinikverbunds Südwest mit Sitz in Böblingen. Schmidtke (Mitte), bislang Geschäftsführer des bayerisch-thüringischen Klinikverbunds Regiomed, wechselt zum 1. Dezember 2022 nach Böblingen. Foto: Rebecca Kottmann/Landratsamt Böblingen

Alexander Schmidtke wird den bayerisch-thüringischen Klinikverbund Regiomed verlassen. Zum 1. Dezember dieses Jahres übernimmt er die Geschäftsführung der Klinikverbund Südwest GmbH (KVSW) mit Sitz in Böblingen. Der kommunale Krankenhauskonzern zählt über 5000 Beschäftigte in den Krankenhäusern Böblingen, Calw, Herrenberg, Leonberg, Nagold und Sindelfingen. Er zähle damit zu den größten und leistungsfähigsten kommunalen Gesundheitseinrichtungen in Süddeutschland, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Landkreise Calw und Böblingen vom Montag.

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Schieflage

Schmidtke geht, weil der Regiomed-Gesellschafterkteis, dem Bürgermeister und Landräte aus Coburg, Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen angehören, nicht seinem Weg gefolgt ist, den unter der Geschäftsführung von Joachim Bovelet in eine finanzielle Schieflage geratenen Klinikkonzern mittel- und langfristig zu restrukturieren und zu entwickeln. Dazu wäre es unter anderem notwendig gewesen, dass die Regiomed-Gesellschafter das Kapital des Unternehmens aufstocken, um diesem die Schuldenlast zu nehmen.

Für eine harte Sanierung war Alexander Schmidtke nach Informationen unserer Zeitung nicht zu haben. Ein Szenario dafür ist, medizinische Leistungen im Krankenhaus in Coburg zu konzentrieren, die heute noch in unterschiedlicher Ausprägung in Lichtenfels, Hildburghausen und Sonneberg vorgehalten werden. Zudem steht eine Schließung der Kliniken in Neustadt und Neuhaus am Rennweg im Raum, die für Regiomed Verlustbringer sind. Zu den Problembereichen innerhalb des Konzern zählt auch die neue Zentralküche in Lichtenfels, die gegen jeden fachlichen Rat noch unter der Bovelet-Geschäftsführung auch mit politischem Druck insbesondere vom Obermain durchgesetzt wurde.

„Neue Aufgaben“

Regiomed gab am Abend bekannt, dass Alexander Schmidtke den Konzern, der über 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, auf eigenen Wunsch zum 30. November dieses Jahres verlassen werde, „um zum 1. Dezember 2022 eine neue Herausforderung anzunehmen“. Darüber hinaus werde auch der Geschäftsführer der bayerischen Regiomed-Einrichtung, Robert Wieland, den Konzern zum Jahresende verlassen, „um sich neuen Aufgaben zu widmen“.

Der derzeitige Geschäftsführer der Thüringer Regiomed-Einrichtungen, Michael Musick, werde den Konzern und seine Unternehmen weiterführen. Neben Kliniken sind das auch Seniorenheime, Medizinische Versorgungszentren und ein Rettungsdienst. Für zwei bis drei Monate würden Schmidtke und Wieland Michael Musick bei wichtigen Projekten und Aufgaben beratend zur Seite stehen.

Coburgs Landrat Sebastian Straubel (CSU) und Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) dankten in einer gemeinsamen Presseerklärung am Montagabend Alexander Schmidtke und Robert Wieland für deren „enormen Einsatz zur Gestaltung des Zukunftsweges von Regiomed und die erfolgreichen Vorbereitungen für den Klinikneubau“, der in der Vestestadt geplant ist. Damit seien die Weichen für eine zukunftsorientierte Gesundheitsversorgung in der Region gestellt worden. „Wir bedauern, dass wir den eingeschlagenen Weg nicht mit den beiden Geschäftsführern fortsetzen können“, teilten OB und Landrat laut Presseinformation mit. Der begonnene Restrukturierungskurs müsse von der künftigen Geschäftsführung „erfolgreich fortgesetzt werden“, so die beiden Kommunalpolitiker.

„Der richtige Mann“

Der KVSW in Böblingen teilte mit, Alexander Schmidtke habe den für das Unternehmen verantwortlichen Aufsichtsrat überzeugt, dass er der richtige Mann sei, um das Steuer des Klinikverbunds zu übernehmen. „Mit seiner herausragenden Expertise, die er in seinen bisherigen beruflichen Stationen beeindruckend unter Beweis gestellt hat, sind wir überzeugt davon, die Zukunft des KVSW zusammen erfolgreich gestalten zu können“, werden die Landräte Helmut Riegger und Roland Bernhard in der Pressemitteilung zitiert. Schmidtke bringe neben den fachlichen Voraussetzungen als Alleingeschäftsführer auch zwischenmenschliche Qualifikationen mit, um die herausfordernde Stelle auszufüllen.

Alexander Schmidtke wurde 1965 in Villingen-Schwenningen geboren, sodass die Region für ihn nicht unbekannt ist. Nach einer Ausbildung zum Krankenpfleger absolvierte er ein Studium der Betriebswirtschaft, das er als Diplom-Kaufmann abschloss. Seit über 20 Jahren befindet sich Alexander Schmidtke ununterbrochen in Geschäftsführungs- oder Vorstandspositionen von Kliniken. Als Vorstandsvorsitzender des Klinikums Augsburg verantwortete er erfolgreich die Umwandlung in ein Universitätsklinikum. „Bei seiner letzten Station, den Regiomed Kliniken, führte er umfassende Programme zur Neuaufstellung des Verbunds durch, die nachhaltig für Erfolg sorgten“, heißt es in der Pressemitteilung.

Milliarden-Investition

„Beim Klinikverbund Südwest wird eine mittel- bis langfristige Restrukturierung und Entwicklung erwartet, die die bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherstellt. Dafür investieren die kommunalen Gesellschafter derzeit knapp eine Milliarde Euro in Neubau, Modernisierung und Medizintechnologie in den Kreisen Calw und Böblingen und tragen auch die Verluste des Klinikverbundes Südwest. Diese Grundhaltung der öffentlichen Träger von wohnortnaher medizinischer Versorgung haben mich überzeugt“, so Alexander Schmidtke. „Aus diesem Grund habe ich mich für diese anspruchsvolle Herausforderung entschieden und freue mich, dass mir der Aufsichtsrat sein Vertrauen gegeben hat“, betont der designierte Geschäftsführer.

Und weiter: „Die Potenziale und die Rahmenbedingungen beim Klinikverbund Südwest erscheinen mir sehr geeignet, um die zukünftigen Herausforderungen wie zum Beispiel die Beschleunigung des demographischen Wandels, den medizinisch-technischen Fortschritt oder globale Krisen zu meistern. Medizinische Leistungen werden zunehmend ambulanter erbracht werden, was eine Anpassung der Kapazitäten und ein zunehmend sektorübergreifendes Denken erforderlich macht.“ Diese Transformationsphase müsse mit einem starken „WIR“ geschultert werden. Dem Mangel an Fachkräften wolle Alexander Schmidtke mit einer Klinikkultur begegnen, die Wertschätzung, Anerkennung, Teamarbeit, Mitsprache und ein gutes Miteinander in den Mittelpunkt stelle. Zufriedene Beschäftigte seien das beste Mittel für eine geringe Fluktuation.

„Ambitioniertes Ziel“

„Ich weiß, dass dies ein sehr ambitioniertes Ziel ist. Hier möchte ich meinen Beitrag leisten. Deshalb wird meine besondere Aufmerksamkeit den über 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelten, die für mich das Rückgrat des Klinikverbundes Südwest sind“, so Alexander Schmidtke.