Erinnerung an Adolph Kurt Böhm Musikalischer Menschenfreund

Ein Künstler mit vielen Talenten und positiver Ausstrahlung: Adolph Kurt Böhm. Foto: /Heribert Riesenhuber

Adolph Kurt Böhm war mit ganzem Herzen Humanist und Komponist. Ein Coburger Trio möchte die Erinnerung an den 2020 verstorbenen Künstler aus Oberlangenstadt wachhalten.

Coburg - „Man kann die Welt bunter und besser machen, jeden Tag!“ war sein Motto – obwohl er die dunkelsten Seiten des Lebens gesehen hatte. Mit nur sieben Jahren musste Adolph Kurt Böhm vor dem Naziterror fliehen. 1933 emigrierte die Familie aus Oberlangenstadt bei Kronach nach Paris – Vater Josef war Jude, und war nur dank Intervention des Bamberger Bischofs dem Konzentrationslager Dachau entkommen, wo er gefoltert worden war. In Paris besuchte Böhm die Kunstschule und wurde dank seines zeichnerischen Talents und seines Muts zum Lebensretter: Er fälschte Ausweise und bewahrte Juden gemeinsam mit seiner katholischen Mutter Marie unter Lebensgefahr vor der Verfolgung durch die Nazis. Das Haus der Familie wurde zu einem Zufluchtsort für viele Flüchtlinge. Der israelische Staat verlieh beiden deshalb 1994 die hohe Auszeichnung „Gerechte unter den Völkern“.

Schon in jungen Jahren führte Böhm mit seinem Freund, dem später weltbekannten Schauspieler Michel Serrault, Theaterstücke auf, die er selbst vertonte. Seinen Lebensunterhalt bestritt der junge Adolph – genannt Mutz – der bei Maurice Chevalier das Klavierspiel erlernt hatte, als Pianist im Montmartre-Viertel.

Zum Komponisten entwickelte sich Böhm erst nach seiner Rückkehr nach Deutschland. In Murnau, wo er sich in den 1970er-Jahren niederließ und mit seiner Frau Christine bis zu seinem Tod Anfang Februar 2020 lebte, entdeckte er als Klavierbegleiter das deutsche Kunstlied, das ihn zu eigenen Stücken inspirierte. Er vertonte Gedichte von Matthias Claudius, Hermann Hesse, Josef von Eichendorff, Eugen Drewermann und Wilhelm Busch und komponierte virtuose Klaviermusik, die ihm den Ehrentitel „Schubert des 20. Jahrhunderts“ eintrug. Insgesamt schrieb er über 500 Lieder, von denen viele veröffentlicht wurden.

Böhm arbeitete mit bekannten Solisten zusammen und gastierte europaweit, in Japan und in den USA. 2006 erhielt Böhm den Verdienstorden der Bundesrepublik. In seiner Autobiografie „Musik und Menschlichkeit“ schilderte Böhm sein bewegtes Leben und bekannte demütig: „Ich bin nur ein Angestellter Gottes!“

An Böhms Geburtshaus in Oberlangenstadt erinnert seit September 2020 eine Gedenktafel an den Komponisten, der zeitlebens wenig Aufhebens um sich und seine Kunst gemacht hat. Finanziert wurde die Erinnerungstafel vom Verein „KulturKüps“, initiiert von der aus Küps stammenden Cellistin Ulrike Gossel, die Böhms Lebenswerk für die Nachwelt bewahren möchte.

Nachdem sie den aus ihrer Heimat stammenden Komponisten vor einigen Jahren „entdeckt“ hatte, nahm sie 2019 Kontakt zu ihm auf. Gemeinsam mit Böhm und ihren Trio-Kollegen Martin Trepl und Kyoko Frank stellte sie ein Programm mit Vertonungen der Lyrik Hermann Hesses und Manfred Kybers zusammen. Die Uraufführung sollte in Gegenwart des Ehrengasts Adolph Kurt Böhm im Frühjahr 2020 stattfinden – doch dann verstarb der Komponist im Februar 2020 unerwartet.

So wurde der Liederabend zum Gedenkkonzert: Nach der Enthüllung der Erinnerungstafel erklang Böhms Musik am Abend des 21. Juni im Wasserschloss Mitwitz. Die Hommage stand ganz im Zeichen der „Blauen Blume der Romantik“ und des Ideals, mit Musik die Seele zu berühren. Die Rolle der Romantik und des Humanismus im Denken und Musizieren Böhms erläuterte die Kronacher Kreiskulturreferentin Gisela Lang, die Böhm persönlich gekannt hatte. Da viele der dargebotenen Werke noch nicht veröffentlicht worden waren, regte Christl Böhm, die Witwe des Komponisten, die Musiker zu einer CD-Aufnahme an. Das Album wird bei der für den 27. November in der Reithalle geplanten Aufführung vorgestellt.

Das lebensbejahende Wesen ihres Mannes schilderte Christl Böhm im vergangenen Jahr mit bewegenden Worten: „Mutz war etwas Besonderes. Er berührte die Menschen im Innersten und war immer voller Schalk und Witz, hatte stets ein Kompliment auf den Lippen, verströmte Freude und Liebe.“

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