Europäischer Dorferneuerungspreis Erster Platz geht in die Haßberge

Jurymitglieder, Politiker und Rügheimerinnen bei der Ortsbegehung im September vor dem renovierten Brauhaus in Rügheim. Foto: /Martin Schweiger

Die Gemeinde-Allianz Hofheimer Land hat den 16. Europäischen Dorferneuerungspreis gewonnen. Glückwünsche dazu gibt es unter anderem von die für die Ländliche Entwicklung zuständigen Ministerin Michaela Kaniber.

Hofheim - Die Erfolgsstory der Gemeinde-Allianz Hofheimer Land dürfte sich nun auch in Belgien, Estland oder Ungarn herumsprechen. Denn aus 26 Bewerbungen aus zwölf Nationen hat eine internationale Jury die Allianz aus sieben Gemeinden des nördlichen Landkreises Haßberge zum Sieger des 16. Europäischen Dorferneuerungspreises 2020 gekürt.

Die Hofheimer Allianz ging als Vertreter des Freistaats Bayern ins Rennen. Das Motto des Wettbewerbs lautete „Lokale Antworten auf globale Herausforderungen“. Und diese Antworten gibt die Allianz nach Ansicht der Jury bereits seit ihrer Gründung vor 13 Jahren.

Besonders überzeugen konnte die Allianz mit „ihrer ganzheitlichen Strategie mit dem Schwerpunkt Ortskernrevitalisierung und Innenentwicklung“, heißt es in einer Pressemitteilung der Allianz. Die Kräftebündelung der Gemeinden Aidhausen, Bundorf, Ermershausen, Riedbach, sowie der Märkte Burgpreppach und Maroldsweisach und der Stadt Hofheim habe dazu geführt, den „richtigen Weg für die Bewältigung der enormen, aus der Zonenrandlage resultierenden strukturellen Probleme“ zu finden.

Durch zahlreiche Maßnahmen und Förderprogramme, wie eine kostenlose Architekten-Erstberatung, „konnten über 340 Leerstände durch hochwertige Sanierungen reaktiviert werden und so 45 Hektar Fläche eingespart werden“, lobt die Bewertungskommission. „Die klare Entwicklungsstrategie, die abgestimmten Planungsprozesse, die Partizipationskultur und nicht zuletzt der alle Akteurinnen und Akteure einigende Wille, die Zukunft zum Wohle der nachfolgenden Generationen gemeinsam in die eigenen Hände zu nehmen, zeigen, dass im Hofheimer Land lokale Antworten auf globale Fragen auf höchstem Niveau gegeben werden“, heißt es weiter.

Der Europäische Dorferneuerungspreis geht damit zum zweiten Mal nach 1992 an einen Vertreter des Freistaats Bayern. 1992 wurde Illschwang in der Oberpfalz zum Sieger gekürt. Der letzte deutsche Gewinner war im Jahr 2004 die Gemeinde Ummendorf in Sachsen-Anhalt. Von den 26 Teilnehmern aus zwölf Nationen erhalten neben dem Sieger sieben weitere einen Europäischen Dorferneuerungspreis in Gold. Sieben Mal wurde Silber und zehn Mal Bronze vergeben.

Aufgrund der ungewöhnlich hohen Qualität der 26 Einreichungen gab es diesmal keine „Lobende Anerkennung besonderer Leistung“. Die Dörfergemeinschaft Dernau, Mayschoss und Rechaus in Rheinland-Pfalz, die im Juli 2021 von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht wurde, wird mit einem „Sonderpreis zur Ermutigung“ ausgezeichnet.

Die Preisverleihung findet im Mai 2022 in der Siegergemeinde des vergangenen Wettbewerbs, nämlich in der oberösterreichischen Gemeinde Hinterstoder, statt. Hofheims Bürgermeister Wolfgang Borst, Vorsitzender der Gemeinde-Allianz, freut sich sehr über die hohe Auszeichnung. „Sie ist für uns vor allem ein Lohn für die geschlossene Gemeinschaftsleistung, die unsere sieben Kommunen mit ihren Bürgerinnen und Bürgern in den vergangenen Jahren im Hofheimer Land vollbracht haben. Was bislang im Hofheimer Land erreicht wurde, konnte nur dadurch realisiert werden, dass alle an einem Strang ziehen: Gemeinden. Verwaltung, Fördermittelgeber und vor allem die Bürgerinnen und Bürger, die sich an den Prozessen vor Ort beteiligen. Das ist auch der Beurteilung der Bewertungskommission zu entnehmen“, sagte Borst.

Für Allianzmanager Philipp Lurz ist die Auszeichnung vor allem auch ein Ansporn. Seines Wissens nach handelt es sich um den ersten Europäischen Dorferneuerungspreis, den ein Gemeinde-Verbund gewonnen hat. „Eine höhere Auszeichnung gibt es nicht“, freut er sich und hofft auf einen weiteren Aufschwung in seinem Wirkungsgebiet. Er baut darauf, dass der Preis die Bürgerinnen und Bürger der Allianz dazu inspiriert neue Projekte ins Leben zu rufen. „Die Hauptaufgabe wird sein, Positives aus der Auszeichnung zu ziehen, wenngleich es keinen monetären Vorteil gibt“, betont Lurz.

In der Tat gibt es keinen Sieger-Scheck für den Gewinner. Der Preis sei jedoch eine Marke, die man für sich nutzen könne. Ein Eintrag in der „Rural Road Map“, so etwas wie ein europäischer Reiseführer, wird dafür sorgen, dass die Hofheimer Allianz auch europaweit bekannter wird. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die Sieger des Europäischen Dorferneuerungspreises in puncto Tourismus, Hotellerie und Gastronomie profitiert hätten.

„Der Sieg in diesem renommierten europäischen Wettbewerb ist der verdiente Lohn für die herausragenden Leistungen der beteiligten Kommunen und der Bürgerinnen und Bürger. Er zeigt aber auch, wie erfolgreich der Freistaat seine Kommunen unterstützt. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Ämter für Ländliche Entwicklung stehen den Kommunen vor Ort mit Rat und Tat zur Seite. Der Freistaat unterstützt die Investitionen im Rahmen der Dorferneuerung und der Integrierten Ländlichen Entwicklung. Eine wahre Win-Win-Situation, wie der aktuelle Preis zeigt,“ würdigte auch die für die Ländliche Entwicklung zuständige Ministerin Michaela Kaniber diese Spitzenleistung der Hofheimer Allianz.

Auch Bundorfs Bürgermeister Hubert Endres freut sich, dass die Allianz nach mehreren Staatspreisen nun einen großen europäischen Preis errungen hat. „Der Zusammenhalt in der Allianz hat sich gelohnt“, meinte er.

Aidhausens Bürgermeister Dieter Möhring dankte allen Bürgerinnen und Bürgern, die mit einer Vielzahl von Projekten den Grundstein für den Erfolg der Allianz gelegt haben. „Wir sind nun motivierter, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen“, sagte er und sprach damit wohl für viele weitere Beteiligte.

 

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