Experten diskutieren in Coburg Wie gelingt die Unternehmensübergabe?

Die nächste Generation im Fokus: Fachleute diskutieren über Lösungen für den Wechsel in Betrieben. Wer übernimmt, fragt die IHK zu Coburg?

Bei der Podiumsdiskussion des IHK-Events „Zukunft Unternehmertum“ diskutierten Andreas Engel, Thomas Fink, Larissa Hofmann, Jens Beland, Jutta Michel sowie Daniel Sommer auf der Bühne. Foto: IHK Coburg

Es sind alarmierende Zahlen, die IHK-Präsident Andreas Engel der Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Coburg „Zukunft Unternehmertum – Weiterdenken. Unternehmen gestalten“ bei seiner Eingangsrede voranstellt: „Laut einer aktuellen Analyse der KfW planen bis Ende 2025 über 230.000 mittelständische Unternehmen in Deutschland die Schließung oder Übergabe des Betriebs.“ Besonders alarmierend: „Nur ein Bruchteil – etwa 45.000 – findet jährlich tatsächlich eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger.“

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In der Kulturfabrik Coburg trafen sich rund 70 Unternehmer, Nachfolgeinteressierte sowie Experten, um zentrale Fragen der Übergabe mittelständischer Betriebe zu diskutieren und Lösungsansätze aufzuzeigen.

Ziel der Veranstaltung war es daher, für das Thema zu sensibilisieren und Menschen zusammenzubringen, die ein Unternehmen übergeben möchten, mit jenen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Denn: „Der Wunsch zu übergeben ist da – und vielfach ist auch die Bereitschaft da, Verantwortung neu zu denken. Aber: Drei Viertel der übergabewilligen Unternehmerinnen und Unternehmer berichten von fehlenden Kandidatinnen und Kandidaten“, erklärt Engel weiter.

Im Impulsvortrag von Thomas Fink, Geschäftsführer bei Portus Corporate Finance, zeigt er auf, wie durch Offenheit für Veränderung stabile Übergänge gelingen können – sowohl auf der wirtschaftlichen als auch auf der emotionalen Ebene. Seine Tipps: die Unternehmensnachfolge langfristig vorbereiten und strategisch angehen. Außerdem riet er dazu, einen „Notfallkoffer“ anzulegen zur Sicherung der Geschäftsfähigkeit des Betriebes bei einem überraschenden Ausfall des Chefs. Auch außerunternehmerische Lösungen könnten dabei eine wichtige Rolle spielen, erklärt er.

Larissa Hofmann gibt Einblick ins Familienunternehmen

Anschließend erklärt Larissa Hofmann, geschäftsführende Gesellschafterin bei Hilmar Gundermann, in ihrer Keynote über den Generationswechsel im eigenen Unternehmen – ein ehrlicher Einblick in einen Prozess, der nicht nur betriebswirtschaftliche, sondern auch zwischenmenschliche Dimensionen hat. Sie leitet den Familienbetrieb bereits in vierter Generation. Übernehmern riet sie dazu, Altbewährtes beizubehalten und trotzdem Neues zu wagen.

IHK-Präsident Andreas Engel thematisiert in seiner Eingangsrede ein brisantes Wirtschaftsthema: Wie gelingt die Übergabe des Unternehmens an die nächste Generation? Foto: IHK Coburg

Der Höhepunkt der Veranstaltung war schließlich die Podiumsdiskussion. Teilgenommen haben neben Andreas Engel, Thomas Fink und Larissa Hofmann auch Jens Beland (Maler- und Lackierermeister sowie Kreishandwerksmeister), Jutta Michel (Professorin für Versicherungsbetriebslehre und allgemeine Betriebswirtschaft, Hochschule Coburg) sowie Daniel Sommer (Notar auf Lebenszeit mit Amtssitz in Coburg).

Diskutiert wurde unter anderem, wie Nachfolgeprozesse vorbereitet und begleitet werden sollten, welche Förderinstrumente zur Verfügung stehen und welche Rolle persönliche Netzwerke spielen. Dabei betonte Beland, dass der Nachwuchs nicht in die Rolle des Unternehmers gedrängt werden dürfe, die Nachfolge müsse freiwillig sein.

Daniel Sommer gab zu bedenken, dass es im Vorfeld einer Übergabe sinnvoll sein könne, Umstrukturierungen vorzunehmen, beispielsweise bei der Gesellschaftsform des Unternehmens. Während Jutta Michel bedauerte, dass der Wunsch nach unternehmerischer Selbstständigkeit heute weniger ausgeprägt sei als in der Vergangenheit, weil viele junge Leute eher auf Sicherheit setzen.

IHK-Präsident Engel erinnerte daran, dass eine Unternehmensnachfolge „kein Sprint, sondern ein Marathon“ sei. Eine erfolgreiche Übergabe erfordere nicht nur ein belastbares Konzept, sondern auch emotionale Reife und die Bereitschaft, Verantwortung abzugeben.

„Verantwortung abzugeben, heißt auch loszulassen: von Rolle, Einfluss, Routine“, sagte der IHK-Chef – und betonte gleichzeitig, dass genau darin auch eine Chance liege: „Denn nur wer loslässt, schafft Platz für neue Ideen, neue Perspektiven und eine neue Erfolgsgeschichte.“

Laut aktuellem KfW-Nachfolgemonitor stehen allein in Bayern zwischen 2022 und 2026 rund 36.500 Unternehmen mit über 600.000 Beschäftigten vor einem Generationswechsel. Für den IHK-Bezirk Coburg mit rund 8000 Mitgliedsunternehmen ist das Thema daher von besonderer Bedeutung.