Externe Führung Haßberg-Kliniken holen sich Unterstützung

Oliver Zimmer übernimmt als Interimsmanager die Leitung der Haßberg-Kliniken. Der Vertrag läuft für ein Jahr mit einer Option auf Verlängerung. Foto: Tanja Kaufmann/Tanja Kaufmann

Das Kommunalunternehmen hat endlich wieder einen Vorstand - zumindest vorübergehend. Oliver Zimmer heißt der „Interimsmanager“, der zunächst für ein Jahr die Geschicke der Haßberg-Kliniken leitet.

Nein, zu beneiden ist Oliver Zimmer nicht. Die massive Kritik an den Umstrukturierungsplänen und am Wegfall der stationären Chirurgie in Ebern, die dauerhaft roten Zahlen, die unzureichende staatliche Unterstützung für kleine Häuser, die allgemein schlechte personelle Lage im medizinisch und pflegerischen Bereich – womöglich gäbe es bessere Zeitpunkte für die Übernahme eines Vorstandspostens bei den Haßberg-Kliniken. Doch Oliver Zimmer nimmt die Herausforderung an: Zum 1. Juli ist der 49-Jährige neuer Chef des Kommunalunternehmens – zumindest auf Zeit. Denn die Haßberg-Kliniken setzen für die nächsten Monate auf einen sogenannten Interimsmanager.

Damit endet vorerst die Suche nach einer Leitung, die ihren Anfang mit dem 31. März 2020 genommen hatte. Damals hatte sich Stephan Kolck nach langen Jahren an der Spitze in den Ruhestand verabschiedet, nahtlos folgte ihm Vera Antonia Büchner nach. Doch für die promovierte Betriebswirtschaftlerin war der Besuch in den Haßbergen nur eine Stippvisite: Nur ein gutes Jahr später verabschiedete sie sich und hinterließ eine Lücke und viele Fragezeichen. „Wir mussten neu denken“, sagt Landrat Wilhelm Schneider (CSU), gleichzeitig Verwaltungsratsvorsitzender der Haßberg-Kliniken. Eingesprungen war Wilfried Neubauer, zuvor neben Kolck und dann Büchner zweites Vorstandsmitglied. Und auch Stephan Kolck wurde zunächst als Sonderbeauftragter in der Corona-Krise und schließlich bei der Planung des neuen OP-Trakts weiter mit in die Verantwortung einbezogen. Doch klar war immer: Es handelt sich nur um eine Übergangslösung. Dass die sich so hinziehen würde, hätte wohl keiner vermutet. Eine Neuausschreibung des Vorstandspostens blieb erfolglos, man habe einfach nicht den passenden Bewerber gefunden, gesteht Landrat Wilhelm Schneider am Montag beim Pressegespräch. Womöglich nicht lukrativ genug, vielen vielleicht zu klein mit zu wenig Aussicht auf die große Karriere, und als kleines Haus mit den sicher größten Herausforderungen im Gesundheitswesen – die Bewerber standen nicht gerade Schlange. Und unter den Angetretenen habe keiner überzeugt.

Eine Neuausrichtung musste her, und so verjüngte man den Vorstand von zwei Personen auf eine, und setzte eine europaweite Ausschreibung für eine Interimslösung in Gang. Vier Firmen hätten sich darauf beworben, am 7. Juni habe sich der Verwaltungsrat dann für die Firma Medcura GmbH mit Sitz in Gauting entschieden, für die Oliver Zimmer als Ansprechpartner fungiert. Das Arrangement ist auf ein Jahr begrenzt, kann aber gegebenenfalls verlängert werden. Medcura ist eine Art Unternehmensberatung im Gesundheitsbereich und bietet Unterstützung beim Aufbau eines „zeitgemäßen Managements“, bei der „Neuausrichtung von Leistungsstrukturen“ oder einer „Optimierung von Prozessabläufen“, wie es auf dem Internetauftritt des Unternehmens heißt. Medcura sei ein Zusammenschluss erfahrener Krankenhausexperten, auf die man bei Bedarf bei der einen oder anderen Thematik zurückgreifen könne, formuliert es Oliver Zimmer. Als Beispiel nennt er Expertisen zum Thema Bau, IT oder Digitalisierung.

Oliver Zimmer selbst ist studierter Gesundheitsökonom und hat nach eigener Aussage schon in vergleichbaren Häusern in Hessen und Rheinland-Pfalz Führungserfahrung sammeln können. An kleinen Häusern wie dem der Haßberg-Kliniken schätzt er die höhere Reaktionsgeschwindigkeit, größere Flexibilität bei kürzeren Wegen und schneller Erreichbarkeit. Die Entlohnung erfolge branchenüblich auf Basis von Tagessätzen, erklärte Wilfried Neubauer. Und, wichtig: Bonuszahlungen gibt es nicht.

Das Jahr seiner Interimstätigkeit solle nun genutzt werden, einen eigenen Kandidaten zu finden, so der Landrat. Was ihn da so sicher mache, dass dieses Ansinnen nun gelingen werde? Er sei Optimist, schmunzelt Wilhelm Schneider. Man sei strukturell gut aufgestellt und auch gut durch die Pandemie gekommen. Das Personal der Haßberg-Kliniken war bereits am Donnerstag über die neue Personalie informiert worden.

Währenddessen laufen die Dinge weiter: Weiter geht es bei der OP-Trakt-Planung in Haßfurt, die immer höhere Baukosten zu verschlingen droht. Der Ausbau sei aber notwendig, um das Haus leistungsfähig zu halten. Die Baugenehmigung wird in wenigen Wochen erwartet. Auch das sogenannte „Zukunftskonzept“ für das Haus Ebern solle weiter betrieben werden, bekräftigte der Landrat, der noch einmal dessen Notwendigkeit betonte: Zu wenig Zahlen in der stationären Chirurgie und in der Notfallambulanz auf der einen Seite, immenser Bedarf an Kurzzeitpflegeplätzen im Landkreis auf der anderen Seite – man habe sich reichlich Gedanken gemacht, wie man den Standort Ebern gesichert in die Zukunft führen könne. Allerdings habe man im Eberner Stadtrat ein wenig spät informiert, gestand der Landrat ein: „Den Vorwurf müssen wir uns gefallen lassen.“

Im zweiten Obergeschoss des Eberner Krankenhauses soll diese Pflege künftig angesiedelt sein. Der Antrag auf Fördermittel ist gestellt, in den nächsten Wochen hoffe man auf eine positive Antwort, so Wilfried Neubauer. Mit Kardiologin Gabriiella Slugotska hat eine neue Chefärztin für Innere Medizin im April ihren Dienst angetreten, nun müsse man Patientenzahlen generieren. Eine weitere Aufgabe für den neuen Mann an der Spitze. Die größten liegen in den Themenbereichen Finanzierung und Personal. Und sicher auch in der weiter nicht verstummenden Kritik aus dem Eberner Raum. Doch das gehöre zum Tagesgeschäft, lässt sich der neue Vorstand nicht verunsichern. Er sei vorbereitet auf die eine oder andere Diskussion, die man sicher auch inhaltlich werde führen müssen.

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