Am Zielpunkt der Griff nach dem "Tag", ein Stück Stoff, das er zum Beweis mit hochbringen muss. Dann am Seil wieder nach oben. Über den Neoprenhandschuhen trug er Gartenhandschuhe, mit Klebeband befestigt. Sie haben mehr Grip.
Doch knapp vor der Oberfläche verlor Marinković den Kampf: Es sei wie "in einen Schlafzustand fallen", beschreibt er das Gefühl des Bewusstseinsverlusts. Marinković wird von einem Sicherungstaucher nach oben gebracht, kurzzeitig Mund-zu-Nase beatmet, bekommt dann Sauerstoff. Und ist gleich wieder bei Bewusstsein. Drei Sicherungstaucher und eine Ärztin hatten den Versuch begleitet.
Rote Karte
Wettkampfrichter des Verbandes Aida International konnten Marinković den Rekord nicht bestätigen – sie mussten die rote Karte zeigen anstatt der erhofften weißen. Voraussetzung dafür ist unter anderem, dass der Taucher aus eigener Kraft nach oben kommt und bei Bewusstsein ist. Trotzdem, sagt Wettkampfrichter Nils Heininger, Vizevorsitzender von Aida Deutschland: "Es ist für mich eine krasse Leistung."
Heininger beschreibt das Apnoetauchen so: "Es ist sehr anspruchsvoll, mental ruhig zu bleiben, während der Körper eigentlich auf Alarm schalten sollte. Aber wenn es gelingt, ist man in einem meditativen Zustand und schaltet völlig ab. Das sind die Tauchgänge, nach denen Freediver irgendwann beinahe süchtig werden."
Wie eine starke Meditation
Marinković spricht von einem Gefühl "wie auf einem anderen Planeten". "Man ist sehr ruhig – und sehr alleine", sagt der Taucher. "Es ist ein sehr friedliches Gefühl. Wie eine starke Meditation."
Lange Zeit ging man davon aus, dass ein Mensch ohne technische Hilfsmittel nicht tiefer als etwa 40 Meter tauchen kann. Nun liegt der Rekord im Meer bei einfacheren Bedingungen als im See in der Disziplin Free Immersion bei 137 Metern. Ähnlich wie beim Höhenbergsteigen, bei dem ein Aufstieg am Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff vor Reinhold Messners und Peter Habelers Erfolg als unmöglich erschien, die Frage: Wo liegt die Grenze menschlicher Leistungsfähigkeit – wie weit lässt sie sich durch Technik und Training verschieben?