4. Schweigen kann belastend sein
Wie Sie sich entscheiden, hat nicht nur Folgen für die anderen. Schweigen kann – ebenso wie Streit – für die eigene Psyche belastend sein, geschieht es aus den falschen Gründen. Man sollte abwägen: Wie wichtig ist mir der Wert, den die Aussage des Onkels verletzt, und wie wichtig ist mir ein friedliches Fest? „Wenn ich schweige, weil mir harmonisches Zusammensein mehr wert ist, dann ist das eine berechtigte Reaktion“, sagt Mariela Jaffé, die an der Universität in Basel erforscht, wie Menschen Wahrheit wahrnehmen.
Wer aber aus Angst nichts sage oder weil er einen Konflikt vermeiden wolle, obwohl die Verschwörungserzählung massiv den eigenen Werten widerspricht, den könne Schweigen über die Situation hinaus belasten: „Wenn mir Nachhaltigkeit wichtig ist, und dann leugnet einer den Klimawandel und ich sage nichts, passt das nicht zu meiner Einstellung. Das kann eine Dissonanz auslösen, die sich belastend anfühlt. Denn Menschen streben danach, Verhalten und Einstellungen in Einklang zu bringen“, erklärt Jaffé. Weil jeder solche Dissonanzgefühle loswerden möchte, könnte das Schweigen im schlimmsten Fall dazu führen, dass man den Verschwörungstheoretiker in Zukunft meide.
Hinzu kommt laut Jaffé: Es kostet Energie, eine Reaktion zu unterdrücken – sodass man selbst das Zusammensein nicht mehr genießen könnte.
5. Es gibt einen Kompromiss
Besonders Eltern empfiehlt Familienberater Mathias Voelchert, zu deeskalieren, ohne die eigenen Grenzen zu missachten. Sein Vorschlag: Klar sagen, dass man es selbst anders sieht, über das Thema an Weihnachten aber nicht diskutieren möchte. Wer sich an diese Regel nicht halten könne und weiter die Grenzen der anderen überschreitet, müsse gehen, so Voelchert.
Dieses Ultimatum sollten Sie nicht bereits vorab stellen, sagt Voelchert: „Ich würde allen eine Chance geben.“ Ein Vorabgespräch könnte sogar einen gegenteiligen Effekt haben: „Wenn ich sage: Du darfst während der Feiertage nichts von deinen Ideen sagen, dann kommt die Person entweder nicht oder sagt vielleicht: ‚Dir werde ich es zeigen, den Mund lasse ich mir nicht verbieten!‘“
Ein Angebot für eine Diskussion im Familienkreis abseits der Weihnachtstage, könne aber sinnvoll sein, so Voelchert: „Es ist wichtig, den anderen anzuhören.“