Faustdicke Überraschung Eberner Maler haut Experten vom Hocker

Andreas Remshard und Stefan Andritschke mit den beiden Kunsthistorikern Herbert Giese und Hans Ottomeyer (von links) Foto: /Screenshot BR „Kunst und Krempel“

Ein Bild des Eberner Malers Adolf Vogel kommt bei der BR-Sendung „Kunst und Krempel“ auf den Prüfstand. Mit Erfolg: Für die Kunsthistoriker hat „Tobias und der Engel“ einen fünfstelligen Wert.

Andreas Remshard und Stefan Andritschke haben es schon geahnt, nun haben sie die Bestätigung der Experten: Beim in Ebern geborenen Maler Adolf Vogel und seinem Werk „Tobias und der Engel“ handelt es sich eindeutig um „Kunst“ und keinesfalls um „Krempel“. So jedenfalls die Expertise der Kunsthistoriker, die am Samstagabend im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Die beiden Vertreter des Eberner Bürgervereins hatten das Gemälde zur Begutachtung bei der Sendung „Kunst und Krempel“ des Bayerischen Rundfunks (BR) eingereicht und fuhren Ende Mai zur TV-Aufzeichnung nach Coburg auf Schloss Ehrenburg. Ihr bescheidenes Ansinnen: ein bisschen mehr Anerkennung für den Maler, aus dessen Nachlass der Bürgerverein eine Sammlung von 51 Werken – Skizzen, Aquarelle und Ölbilder sowie zeitgenössische Dokumente und Fotografien des Künstlers – erhalten hatte. Adolf Vogel (1895-1959), ein moderner Vertreter des expressiven Realismus, war bisher kunstgeschichtlich kaum in Erscheinung getreten. Für sein Werk „Tobias und der Engel“ hatte der Bürgerverein daher Pi mal Daumen einen Versicherungswert von 200 bis 500 Euro angegeben – man wolle nun mal hinterfragen, „ob das wirklich so ist“, schmunzelt Stefan Andritschke vor dem Gang vor die Experten.

Als solche waren die beiden Kunsthistoriker Hans Ottomeyer aus München und Herbert Giese aus Wien nach Coburg gereist. Und schon die erste Reaktion lässt Gutes ahnen: „Das ist ein feines Bild“, entfährt es Kunsthistoriker Herbert Giese spontan. Zur Einordnung lässt dann Kollege Ottomeyer wissen, dass es sich um ein sehr seltenes Sujet handle: Die Erzählung aus dem Alten Testament, in dem der Vater des Tobias erblindet und ihn ein Engel zum Euphrat geleitet, um aus einer Fischleber ein seltenes Medikament zu gewinnen, ist wohl den Wenigsten geläufig. Zu erkennen im Gemälde sei das Schutzengelmotiv, grundsätzlich die Aussage, „dass einen der Glaube durchs Leben geleitet“, so Professor Ottomeyer.

Der Wiener Kunsthistoriker Herbert Giese wiederum, der das Entstehungsjahr in die Zeit zwischen 1935 und 1945 verortet, geht daraufhin auf die „innere Geschichte“ ein. Er sieht ein „grundsätzlich menschliches Verhalten“ abgebildet: Schutz, Solidarität und Unterstützung seien hier in Szene gesetzt, die „fast ikonische Darstellung von: Ich helfe dir“, wie es Giese formuliert. Und auch handwerklich sagt ihm Adolf Vogels Werk zu: Er habe den Maler nicht gekannt, erkenne aber eine „wunderbare Malerei“, schwärmt der Kunsthistoriker.

Kollege Ottomeyer springt ihm zur Seite: Es gebe nur ganz wenige Maler, die sich aus der neuen Sachlichkeit entwickelt hätten und dabei eine gefühlsbetonte Haltung an den Tag legen würden. Karl Hofer sei ein bekannteres Beispiel. Auch in der italienischen Malerei gebe es Beispiele für jenes „magische Zurückgenommene“, wie Herbert Giese ergänzt, die Lobeshymnen fortführt und Vogels Bild einreiht in die Reihe anderer Werke, bei denen man Intensität, Emotion, Kraft und (Nächsten-)Liebe spüre. „Da stell ich mich hin und bin gefangen“, sagt Giese: „Das macht Malerei zu dem, was es ist.“

Die Wertschätzung, für die der Kunsthistoriker um Worte ringt, bemisst er schließlich auch preislich. Und auch wenn Adolf Vogel keine Hausnummer nennen kann, da der Künstler nicht in der Auktionsliteratur aufschlägt, hat Herbert Giese, selbst Kunsthändler, eine Vorstellung. „Wenn Sie mich fragen, was es kosten müsste“, sagt er: „Ich würde so ein Bild nicht unter 12 000 Euro hergeben.“

Selbst wenn es vielleicht keiner zahlen würde, wie er schmunzelt, doch Qualität und Ausstrahlung würden den Preis rechtfertigen. „Das ging runter wie Öl“, zeigt sich Stefan Andritschke im Anschluss an die Expertenrunde begeistert vom Urteil der Kunsthistoriker. Deren Einschätzung könnte Adolf Vogel vielleicht sogar posthum zu Ruhm verhelfen. Möglicherweise seien ja bedeutendere Museen nun aufmerksam geworden und könnten sich Vogels Werk annehmen, hofft Andreas Remshard. Eine Wertschätzung, die mit Geld dann gar nicht zu bezahlen wäre.

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