Keine Feministin
Seine Vorbehalte habe Köpcke sie nicht weiter spüren lassen. Doch bei ihrem ersten Auftritt in der 20-Uhr-Ausgabe stand er dicht neben ihr. "Ich dachte, das machen die immer so. Aber er hat wohl gemeint, dass ich als Frau vielleicht doch die Nerven verliere und zusammenbreche", sagt die spätere Chefsprecherin (von 1995 bis 1999).
Ihren Karrieresprung habe sie selbst keinesfalls als Beitrag zum Feminismus betrachtet. "Ich wäre nie auf die Idee gekommen, mich zu bewerben. Und wollte einfach einen guten Job machen", erklärt Berghoff. Erst später habe sie gemerkt, dass Menschen sie vereinnahmen und als Emanzipationsbeitrag darstellen wollten. "Da habe ich immer abgesagt. Denn einerseits sah ich meinen Job gefährdet, wenn ich mich derart offensiv positioniere. Und andererseits habe ich zwar über Emanzipation nachgedacht und fand vieles richtig, war selbst aber gar nicht so politisch eingestellt", sagt die 83-Jährige. Inzwischen sei sie schon allein aufgrund ihrer "Tagesschau"-Arbeit politisch bewusster. Und für Emanzipation – aber auf eher entspannte Art.
Bis heute "nachrichtensüchtig"
In ihrer Branche habe sich dann auch ohne viel weiteres Zutun von ihr viel getan. Frühe Nachfolgerinnen wurden etwa Ellen Arnhold (1987-2015), Eva Herman (1988-2006) und Susan Stahnke (1992-1998). Berghoff, die vor den Hauptausgaben stets mit starkem Lampenfieber zu kämpfen hatte, ist auch im Pensionsalter immer noch "nachrichtensüchtig", wie sie sagt. Schaut etwa regelmäßig "Tagesschau", hört viel Radio und liest zwei Tageszeitungen.
Gemeinsam mit dem Ex-"Tagesschau"-Mann Constantin Schreiber - der übrigens zwei Tage vor ihrem ersten "Tagesschau"-Einsatz geboren wurde - hat sie 2022 das Buch "Guten Abend, meine Damen und Herren" (Hoffmann & Campe) vorgelegt, das auch ihre Laufbahn als Sprecherin beleuchtet.
"Den Beruf des Tagesschau-Sprechers wird es in Zukunft nicht mehr geben", erklärt die up to date wirkende Mediendame der dpa, "sondern ausschließlich Journalisten, die als Moderatoren eingesetzt werden." Längst gebe es ja auch keine Off-Sprecher mehr. Dafür viel mehr Bilder, die zudem schneller geschnitten würden als früher – ganz den Vorlieben beim modernen Medienkonsum geschuldet.