Legendär etwa die Schwäbin Claudia, die in die USA ziehen und dort selbst designte Teddybären verkaufen wollte. "Für den neuen Job bringt die gelernte Bankkauffrau eigentlich kaum Qualifikation mit", textet ein Off-Sprecher in genau jener Beiläufigkeit ins Mikro, die nichts Gutes verheißt. Claudia versucht die Zweifel mit dem Satz "Ich habe mal ein Kleid für mich genäht" wegzuwischen. Um direkt nachzuschieben: "Das ist nichts geworden." Man ahnt dann schon, wohin die Reise gehen könnte.
Eine Kunstform für sich sind auch die Bauchbinden, die Einblendungen bei Interviews. Wenn unter einem Auswanderer-Namen "...verfügt über keine Ersparnisse" geschrieben steht, lehnt man sich als Stammzuschauer innerlich schon einmal interessiert nach vorne.
"Ein voyeuristisches Moment" lasse sich in Auswanderer-Formaten "nicht leugnen", analysiert die Medienwissenschaftlerin Yulia Yurtaeva-Martens in einem Aufsatz. "Der öffentliche Konsum persönlicher Krisen und Konflikte dient oft mehr der Unterhaltung als der Reflexion gesellschaftlicher Missstände."
Das stimmt zweifellos. Doch neben dem Voyeurismus stellt sich beim Zuschauer womöglich auch noch ein ganz anderes Gefühl ein: "Gut, dass ich geblieben bin." Das kann sehr beruhigend sein. Am Ende wirkt selbst deutscher Behördendschungel plötzlich gar nicht mehr so schlimm.