Fertige Pläne in der Schublade Auch Neustadt setzt auf Camper

Idyllisch: Auf dem Schützenplatz, am Fuße des Muppberg, stehen täglich Wohnmobile. Deren Nutzer genießen die Ruhe und den zentralen Stellplatz. Foto: Tischer

Wohnmobil-Urlaub liegt im Trend. Davon möchte die Stadt profitieren. Sie beteiligt sich zwar an einem Netzwerk. Doch weitere Investitionen bleiben vorerst aus.

Neustadt - Reisemobile sind gefragt wie selten zuvor. Das Kraftfahrtbundesamt verzeichnet hier bislang ein Zulassungsplus von 4,6 Prozent. Besonders in Zeiten der Corona-Pandemie floriert der Wohnmobil-Tourismus. Auf diesen Zug sind schon Coburg und Bad Rodach aufgesprungen und haben großzügige Wohnmobil-Stellplätze geschaffen, in Rödental ist man gerade dabei.

Wie stellt sich dazu Neustadt auf? „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, sagt Oberbürgermeister Frank Rebhan. Er meint damit das Projekt für einen neuen Wohnmobilstellplatz, das am Freizeitpark Villeneuve-sur-Lot geplant ist. „Die Pläne dazu liegen fertig in der Schublade“, erklärt das Stadtoberhaupt. „Doch da es momentan keine Förderung gibt und der Haushalt aufgrund der Pandemie zum Sparen zwingt, bleibt das Projekt erst einmal dort.“

Allerdings, so Rebhan weiter, solle es danach wieder aufgegriffen werden, da der Standort am Freizeitpark sehr vorteilhaft sei. Dabei ist die Luxus-Variante „Glamping“ – eine Wortschöpfung aus Glamour und Camping –, die im Trend liege, noch gar nicht berücksichtigt.

Der derzeitige Wohnmobilstellplatz auf dem Schützenplatz ist zwar landschaftlich schön direkt am Muppberg gelegen, doch eher suboptimal – gerade aufgrund fehlender Infrastruktur.

Der Oberbürgermeister ist Realist genug, um zu wissen, „dass wir wohl nicht auf den großen Touristenstrom hoffen können. Mit einem kleinen, aber gut gewählten Stellplatz für Wohnmobile könnte es uns aber doch gelingen, immer wieder Besucher in unsere Stadt zu holen“.

Da stimmt ihm Kulturbürgermeister Martin Stingl zu: „Wir haben hier nun mal kein touristisches Ausflugsziel wie den Bodensee. Aber die Besucher, die hierherkommen, schätzen die Landschaft, die Ruhe und das günstige Preisniveau. Und da kommen doch einige Tagestouristen, die freilich keine 14 Tage bleiben.“

Das sehen auch andere Stadträte so: „Hier in unserer Region können wir genau das bieten, was die Reisemobilisten schätzen: Natur, Radwege, Hallen- und Freibad, Wanderwege, gutes Essen. In Zusammenarbeit mit unseren Nachbarstädten Rödental, Coburg und Bad Rodach könnte damit der Tourismusbereich gestärkt werden.“ Deshalb investiert Neustadt ins Wohnmobilstellplatz-Netzwerk, um auf der Landingpage „Wohnmobil-Landschaft Coburg.Rennsteig“ zu erscheinen. Des Weiteren nutzt die Verwaltung das Zusatzangebot eines professionellen Foto- und Videoshootings für das Stellplatz-Porträt am Schützenplatz. Die Aufnahmen sollen im Mai oder Juni bei schönem Wetter gemacht werden.

Zudem habe der Schützenplatz gute Bewertungen bei zwei Reisemobil-Apps erhalten, freuen sich die Beteiligten, die gerne auch den Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, Michael Weyh, und Detlef Heerlein von der Stadtverwaltung hinzuziehen.

Allerdings hat der bisherige Platz einen großen Nachteil: Es gibt dort keine öffentlichen Duschen und Toiletten. Trotzdem will man den Schützenplatz nicht aufgeben. Denn vielen der Campingurlauber gehe es nicht ums Sparen, sondern um Spontanität: Statt Monate im Voraus ein Hotel zu buchen, fahren sie lieber ohne große Vorbereitung los.

 

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