Feuerwehr Kronach Einsätze verbrennen Geld

Früher waren Nutzfeuer insbesondere im Herbst üblich, inzwischen finden sie fast das ganze Jahr über statt. Foto: st1909 – stock.adobe.com

Fehlalarme wegen angemeldeten Nutzfeuern haben im Raum Kronach in den vergangenen Jahren für viel Unmut gesorgt. Ab diesem Jahr soll sich die Zahl aber verringern.

Rund 218 000 Mal mussten bayerische Feuerwehrleute alleine im Jahr 2020 ausrücken. Wie das Bayerische Innenministerium berichtet, stellte sich rund jeder achte dieser Einsätze jedoch als Fehlalarm heraus. Das ist insbesondere für diejenigen ärgerlich, die sich in ihrer Freizeit bei der freiwilligen Feuerwehr für das Gemeinwohl einsetzen und sogar bereit sind, ihre Arbeit jeden Moment fallen zu lassen, um zu helfen. Ein Teil der Fehlalarme geht auf Nutzfeuer zurück – die jedoch von Waldbesitzern kontrolliert abgebrannt und sogar bei den jeweiligen Gemeinden angemeldet wurden. Um solche Fehleinsätze in Kronach zu verhindern, setzt man nun auf eine digitale Meldeplattform namens VuFIS.

„Nutzfeuer sind in Bayern beispielsweise üblich, wenn Waldbesitzer Holzabfälle entsorgen“, berichtet Jörg Söllner Feuerwehrkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Ludwigsstadt. Dies sei früher insbesondere im Herbst üblich gewesen. Aufgrund der Borkenkäferplage im Frankenwald sei diese Praxis jedoch inzwischen das ganze Jahr lang üblich – immer, wenn neues Käferholz entdeckt werde. Im Raum Ludwigsstadt werde die Feuerwehr in den vergangenen Jahren immer öfter zu solchen Feuern gerufen. „Mitunter wurden wir sogar mehrfach wegen desselben Feuers in Alarm versetzt“, berichtet er. Daher habe es sich inzwischen bereits eingebürgert, dass Waldbesitzer, ihre Nutzfeuer nicht nur bei der Gemeinde anmeldeten, sondern ihre Kontaktdaten ebenfalls bei der Freiwilligen Feuerwehr hinterlegten, um unnötige Einsätze zu vermeiden.

„Oftmals werden Feuer von den Meldern aus hoher Entfernung wahrgenommen“, berichtet man seitens der Integrierten Rettungsleitstelle (ILS) Coburg. Oftmals seien diese mit dem Auto unterwegs oder mitunter auch noch ortsfremd. Dennoch versuche man stets zu klären, ob es sich bei einem mutmaßlichen Waldbrand möglicherweise um ein angemeldetes Nutzfeuer handle. Dies sei in der Vergangenheit oft sehr schwer gewesen. Dies habe zu der hohen Zahl an Fehlalarmen geführt.

„Bei einem Brandeinsatz rücken für gewöhnlich mindestens zwischen zwei und vier Fahrzeuge aus“, berichtet Kreisbrandinspektor Matthias Schuhbäck. Allein die Kosten hierfür würden mindestens einen dreistelligen Betrag betragen – der jedoch von Gemeinde zu Gemeinde variiere. Darüber hinaus könnten mitunter auch Arbeitgeber Kosten geltend machen, wenn Angestellte ihren Arbeitsplatz verlassen müssten, um einen Brand zu löschen. Im Falle eines Fehlalarms infolge von angemeldeten Nutzfeuern würden all diese Kosten bei der Gemeinde zu Buche schlagen. „Schließlich kann man weder den Melder noch den Betreiber des Feuers, die beide eigentlich nichts falsch gemacht haben, zur Kasse bitten“, betont Schuhbäck.

Um die Zahl derartiger Fälle zu minimieren, hat man nun VuFIS eingeführt. „Das System ist bereits seit dem ersten Januar im Einsatz“, heißt es seitens der ILS, die auch für Kronach zuständig ist. Mit ihm könnten Gemeinden Nutzfeuer, die etwa von Waldbesitzern bei ihnen angemeldet würden, ohne großen Aufwand direkt an die Disponenten der Leitstelle weitergeben. Wichtig seien hierbei neben den angegebenen Zeiten insbesondere die Kontaktdaten, unter denen Anmelder, während das Feuer brenne, erreichbar seien.

Werde ein Feuer gemeldet, prüfe der Disponent, ob sich dort, wo der Melder einen Brand ausgemacht hat, ein angemeldetes Feuer befinde. „Ist dies der Fall, versuchen wir den Anmelder zu kontaktieren, bevor wir die Feuerwehr alarmieren“, erklärt man seitens der ILS. Dies gelinge jedoch nicht immer. In anderen Fällen seien mehrere Feuer zeitgleich in einem Bereich angemeldet und der Disponent könne nicht rechtzeitig alle Anmelder kontaktieren. Folglich sei auch hier eine Alarmierung der Feuerwehr nötig – schließlich könne man es sich nicht erlauben, einen echten Waldbrand zu übersehen.

„Auch wenn es dafür noch keine Belege gibt, würde ich vom Gefühl her sagen, dass sich die Zahl der Fehleinsätze bei uns bereits verringert hat“, berichtet Kreisbrandinspektor Schuhbäck. In seinen Augen habe sich die Anschaffung des Systems gelohnt – wenngleich sich auch künftig wohl nicht jeder Fehlalarm verhindern lasse. Dem stimmt auch Jörg Söllner zu. „Grund ist mitunter, dass die Angaben der Melder auch recht ungenau sind“, erläutert er. Sei das Gebiet zu groß, in dem der Brand stattfinden solle, müsse sich die Feuerwehr auch weiterhin auf den Weg machen, um nach dem Rechten zu sehen. Nicht nur ungenaue Meldungen können jedoch zu Fehleinsätzen führen. „Wir empfehlen bei der Anmeldung eines Nutzfeuers ein großzügiges Zeitfenster einzuplanen“, heißt es seitens der Coburger Leitstelle. Schließlich würde das System den Disponenten keine Nutzfeuer mehr anzeigen, deren Zeitfenster offiziell abgelaufen sei.

Im Gegensatz zu Kronach gibt es andernorts in Oberfranken übrigens jedoch sehr wohl bereits Erfahrungen im Umgang mit VuFIS – etwa im Raum Bayreuth. „Wir arbeiten bereits seit 2013 mit dem System“, berichtet man seitens der ILS Bayreuth auf Anfrage der Neuen Presse. Seit der Einführung habe sowohl die Zahl der Fehlalarme deutlich abgenommen, wie der Aufwand bei der Verwaltung von gemeldeten Nutzfeuern.

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