Coburg - Noch bevor die Musik des frühen 20. Jahrhunderts begann, ihre letzte Freiheit im Jazz zu suchen, die Intelligenzia nach dem ersten Weltkrieg den Weg in den europäischen Süden fand und dort in banger Angst und gleichzeitig großer Kreativität Meer und Licht genoss, sammelten Zoltán Kodály und Béla Bartók in Ungarn und in den angrenzenden Regionen Volkslieder. Ganz anders als in den Kunstmetropolen - vor allem Paris - , wo man dem Ballett und den Expressionisten huldigte, die Fläche als Form anerkannte in Malerei und Bühnenbild, versuchten die beiden ungarischen Musikwissenschaftler, das Volkslied für das Volk zu retten. Als liebevoll-kleine, autochthone Kunstform, die sich als wahrer Gedankenschatz ehemaliger Generationen ebenso entpuppte wie als Wundertüte für ihre zukünftige Kompositionstechnik. Wie Zellbausteine sezierten, reduzierten und dechiffrierten Kodály und Bartók dieses Volksgut und setzten es dann in spektakulär neuer Weise zusammen.