Mainz - Vertreter führender deutscher Museen haben bei einem Fachkongress dazu aufgerufen, die hohen wissenschaftlichen Ansprüche nicht abzusenken. "Man muss aufpassen, dass Museen sich nicht allzu sehr in Erlebnisparks verwandeln", sagte der Generaldirektor der Frankfurter Senckenberg Gesellschaft für Naturkunde, Volker Mosbrugger, am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion in Mainz. An der zweitägigen Tagung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums und der Leibniz-Gemeinschaft über die Authentizität von Museumsobjekten nahmen rund 200 Fachleute aus dem In- und Ausland teil.

Trotz einer Vielzahl von neuen Präsentations-Möglichkeiten durch die Digitalisierung sei die Echtheit der ausgestellten Dinosaurier-Fossilien für Besucher seines Museums entscheidend, sagte Mosbrugger: "Jeder fragt als erstes: Ist der echt?" Mit ihren Präsentationen müssten Museen daher genauso gewissenhaft umgehen, wie mit einer wissenschaftlichen Hypothese. Das Senckenberg Museum habe wegen neuer Forschungserkenntnisse seine Dinosaurier auch schon umgebaut.

Der Generaldirektor des Berliner Naturkundemuseums, Johannes Vogel, betonte die Bedeutung der Museumsmagazine für die Forschung: "Digitalisierungen können Originale nie ersetzen." Er warnte zugleich vor Überlegungen, die Pflege umfangreicher Sammlungen sei aufgrund digitaler Datenbanken gar nicht mehr nötig.

Der Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, Ulrich Großmann, hatte bereits zum Auftakt der Tagung bedauert, vielen Museen sei der Eindruck bei den Besuchern wichtiger als die wissenschaftliche Genauigkeit. Dadurch werde bei Museumsbesuchern vielfach ein falscher Eindruck von der Wirklichkeit erweckt. So würden beispielsweise oft gerahmte spätmittelalterliche Bilder mit religiösen Motiven ausgestellt. "Es handelt sich dabei durchweg um Überreste zerstörter Altäre, und nie erfährt der Besucher, dass dem so ist."

Der Nürnberger Museumsdirektor vertrat die Ansicht, dass in bestimmten Fällen Kopien sogar authentischer sein könnten als ein Original. Beispielsweise glaube er, dass die Mona-Lisa-Kopie aus der Sammlung des Prado in Madrid dem von Leonardo da Vinci geschaffenen Werk nach über 500 Jahren farblich näherkomme als dem in Paris ausgestellten Original. Von dem im Louvre hinter Panzerglas gezeigten Werk könne nicht einmal ein Experte sagen, ob es sich nicht um eine Kopie handele.

Die Historikerin Heidemarie Uhl von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften betonte, wie wichtig es für viele Menschen sei, authentische Spuren der Vergangenheit zu sehen. Bei Ausstellungen über die NS-Zeit sei immer wieder zu sehen, wie Originalschauplätze oder selbst vermeintlich unspektakuläre Hinterlassenschaften von Opfern eine geradezu sakrale Wirkung auf moderne Besucher entfalten könnten. In vielen Gedenkstätten seien mittlerweile erhöhte Rundwege für Besucher eingezogen worden, damit Touristen nicht den selben Fußboden wie die Opfer betreten.