Feuilleton Hofer Filmtage: Eröffnungsfilm steht fest

 Foto: Hofer Filmtage

Julia von Heinz eröffnet das Festival mit "Und morgen die ganze Welt". Zudem ist eine wichtige Entscheidung gefallen: Die 54. Filmtage fahren wegen Corona zweigleisig.

Hof - Die 54. Internationalen Hofer Filmtage 2020 finden in diesem Jahr als duales Modell statt - sowohl in den Hofer Kinos als auch im Internet. Das teilen die Hofer Filmtage mit. Daran, dass das Filmfestival wie geplant von 20. bis 25. Oktober stattfinden soll, daran hat der künstlerische Leiter Thorsten Schaumann in den vergangenen Monaten nie einen Zweifel gelassen. In welcher Form aber das Festival dieses Jahr wegen Corona über die Bühne gehen könnte, das blieb lange offen.

Nun ist die Entscheidung getroffen - ein Teil des Festivals findet demnach online statt. Es soll zwei Festivalkomponenten geben, wie es in der Mitteilung heißt. Zum einen sind das Präsenzvorführungen im Kino - mit den dann geltenden Corona-Vorschriften. Außerdem gibt es eine "Erweiterung des Festivalerlebnisses", wie es in der Mitteilung heißt, mit Filmen auf Abruf über eine On-Demand-Plattform.

Offizieller Trailer:

Auch das Rahmenprogramm "Hof Plus" mit Diskussionen zu aktuellen Themen der Filmbranche soll stattfinden - diesmal als Live-Stream. Auch die Entscheidung über den diesjährigen Eröffnungsfilm ist gefallen: Julia von Heinz eröffnet das diesjährige Festival mit dem Film "Und morgen die ganze Welt" - ein spannendes, aktuelles gesellschaftspolitisches Drama, das unter anderem die Frage aufwirft, wie weit man in seinem politischen Engagement gehen darf (Foto). Der Film wird auch im Wettbewerb beim Internationalen Filmfest in Venedig zu sehen sein. Er konkurriert dort mit weiteren 17 Werke um den begehrten „Goldenen Löwen“.

Die mehrfach preisgekrönte Regisseurin ist eine alte Bekannte bei den Hofer Filmtagen. 2003 machte sie erstmal mit ihrem Kurzfilm "Lucie & Vera" in Hof auf sich aufmerksam. Fortan war sie stetiger Gast in Hof, so 2008 mit dem Dokumentarfilm "Standesgemäß" über drei adelige Singlefrauen, 2012 stellte sie sich in "Rosakinder" gemeinsam mit fünf Regisseurskollegen der aberwitzigen Herausforderung, die Beziehung zu ihrem Übervater Rosa von Praunheim aufzuarbeiten, und 2013 zeigte sie in Hof ihrem Spielfilm "Hannas Reise". Zuletzt war Julia von Heinz 2018 mit "Für Immer und Dich", ihrem ersten "Tatort", bei den Hofer Filmtagen zu Gast.

In ihrem Kinofilm "Und morgen die ganze Welt" thematisiert Julia von Heinz nun den Rechtsruck im Land und die zunehmende Beliebtheit populistischer Parteien. Es geht um eine junge Jurastudentin, die etwas gegen diese Entwicklung unternehmen will, dabei im Strudel der Antifa landet und sich die Frage stellen muss, wie weit sie in ihrem politischen Engagement gehen will. Das Drehbuch hat Julia von Heinz gemeinsam mit John Quester verfasst.

Thorsten Schaumann, künstlerischer Leiter des Festivals, bezeichnet den Film als "aufrüttelndes Statement gegen Populismus". Schaumann: "Julia von Heinz füllt spielend die Leinwand und zieht uns in einen unweigerlichen Sog aus Selbsthinterfragung und Aufgewühltheit. Damit zeigt sie: Kino lebt!"

In "Und morgen die ganze Welt" spielen Mala Emde in der Hauptrolle sowie Noah Saavedra, Tonio Schneider und Luisa-Céline Gaffron. Der startet gleich nach den Hofer Filmtagen - am 29. Oktober - in den Kinos. red

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