Finale im Rückert 3 Zum Schluss eine Entdeckung

Die letzte Ausstellung im Rückert 3 erinnert an einen Coburger Künstler, den es in die Welt zog und der früh starb: Michael Goepferd.

Es war kein Publikumsmagnet, aber ein charmanter Schauplatz des Coburger Kulturlebens und ein Paradies für Kinder: Das Coburger Puppenmuseum im Haus Rückertstraße 3, in dem der Dichter vor 200 Jahren lebte und liebte – hier lernte er seine spätere Frau Luise Wiethaus-Fischer kennen. 1987 von Carin und Hans Lossnitzer gegründet und 2007 von der Stadt übernommen, zeigte das Museum anhand von Spielzeug aus der Region anschaulich die Kindererziehung und das bürgerliche Leben im 19. Jahrhundert. Am Jahresende muss das es schließen, so hat es der Stadtrat im November beschlossen – aus Kostengründen. Das bedeutet auch das Aus für den ans Museum angedockten Ausstellungsraum „Rückert 3“, der seit 2019 ein Forum für lokale Kunst, Kultur und Geschichte bot. Auch waren Schätze aus den Städtischen Sammlungen hier zu sehen, die ansonsten im Depot lagern – denn ein Stadtmuseum mag sich Coburg nach wie vor nicht leisten.

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Ein letzter Besuch im „Rückert 3“ ist bis zum 30. Dezember möglich – am letzten Tag sogar zum Nulltarif. Und er lohnt sich, nicht nur weil der Weg in die Galerie durch das zauberhaft verwinkelte Puppenmuseum führt, dessen Shop Schlussverkaufs-Rabatt gewährt. Am Ziel wartet eine Wiederentdeckung: Die letzte Ausstellung erinnert an den aus Ahorn stammenden Künstler Michael Goepferd, der 1996 mit nur 35 Jahren starb – an den Folgen von AIDS.

„Sein Herzenswunsch war es, dass seine Kunst, auch nach seinem Tod die Menschen erreicht und bewegt“, sagt Goepferds Nichte Theresa Zapf. Um sein Werk zu erhalten und bekannt zu machen, hat die heute 31-jährige Rödentalerin 2020 den Kunstverlag „Season Two Art“ gegründet, der die expressiven Grafiken Goepferds vertreibt. Von der Malerei kommend hatte der Künstler im Linolschnitt sein ideales Medium gefunden – mit welcher Perfektion er es beherrschte, zeigt die Ausstellung im Rückert 3, die Theresa Zapf gemeinsam mit dem Coburger Designforum Oberfranken organisiert hat.

Die Auswahl der Blätter zeugt von der spirituellen Neigung Goepferds, der sich intensiv mit Hinduismus und Buddhismus befasst hat, von seiner Lebensfreude und Sinnlichkeit, aber auch von seiner sehr bewussten Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod. Menschlichkeit, Zuwendung, Hoffnung prägen viele seiner symbolstarken Kompositionen, auch Natur und Architektur beschäftigten den Künstler. Seine Hommage an Coburg, wo er in den frühen 90er-Jahren zwei kleine Ausstellungen hatte, schuf er 1994, als er bereits in den USA lebte.

Nach ausgedehnten Weltreisen, auf denen er sich auch künstlerische weiterbildete, hatte er sich in San Francisco niedergelassen und dort seinen Lebensgefährten Mark kennengelernt, der ihn bis zu seinem frühen Tod begleitete.

Puppenmuseum und Rückert 3 können noch vom 25. bis 30. Dezember täglich von 11 bis 16 Uhr besucht werden.