Finanzsenat Coburg Die teuerste Mauer der Stadt

Eine Stützwand an der Creidlitzer Straße beschäftigt den Finanzsenat – und sorgt für kollektiven Unglauben unter den Stadträten.

Mehr als eine halbe Million Euro, für eine Mauer? Foto: Frank Wunderatsch/Neue Presse

Wohl aufgrund einer schadhaften Drainage neigt sich eine marode Stützmauer seit Anfang vergangenen Jahres auf einer Länge von etwa 20 Metern zur Creidlitzer Straße hin. Um Schlimmeres zu verhindern, hatte der Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB) daraufhin den um die 1,30 Meter hohen Abschnitt, insgesamt misst die Ende der 1970er-Jahre errichtete Wand circa 70 Meter in der Breite, provisorisch mit Splitt abgestützt und gesperrt.

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Schon damals allerdings war klar: Die Mauer kann nicht gerettet werden, letztlich ist ein Abriss und und ein anschließender Neubau in gleicher Dimension erforderlich. Dazu hatte der Stadtrat im Juli 2021 außerplanmäßige Mittel in Höhe von insgesamt 300 000 Euro bewilligt. Eine Summe, die mitunter Kopfschütteln auslöste in dem Gremium. Mit dem eingeplanten Budget, so hieß es immerhin, sollten alle Eventualitäten abgedeckt werden.

Pustekuchen. An diesem Dienstagnachmittag musste Gerhard Knoch, Leiter des Tiefbauamtes beim CEB, den Mitgliedern des Finanzsenats in deren erster Sitzung nach der Sommerpause mitteilen, dass die Maßnahme alles in allem voraussichtlich mehr als eine halbe Million Euro kosten würde. Genauer genommen: schätzungsweise 525 000 Euro. „So weh mir das auch tut“, wie Knoch bekundete. Der Mann vom CEB, der in seiner Laufbahn sicherlich schon angenehmere Termine absolviert haben dürfte, berichtete von drei eingegangenen Angeboten, die nahe beieinanderlägen. „Die Preise sind derzeit offenbar marktüblich.“

„Das ist nicht vermittelbar“

„Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll ...“, eröffnete Andreas Engel die folgende Runde; dem CSU-Stadtrat fiel dann aber doch noch etwas ein: „Ich stelle mir die Frage: Wie dringlich ist die Durchführung überhaupt?“ Bereits die 300 000 Euro habe man nur zähneknirschend bereitgestellt. Vielleicht sollte man einfach mal ein Jahr abwarten, die Wand falle ja nicht in sich zusammen. „Wir wissen nicht, wofür wir die halbe Million im kommenden halben Jahr brauchen werden.“ Damit war der Tenor für die weiteren Wortbeiträge gesetzt. „Bei diesen Kosten kann ich einfach nicht mitgehen, das ist nicht vermittelbar“, erklärte beispielsweise Wolfgang Weiß (Grüne). Indes Gerhard Amend, Stadtrat von den CSB, vorschlug: „Das Provisorium verbessern und auf bessere Zeiten warten!“

Folgerichtig lehnte der Senat die Auftragsvergabe im Anschluss ab – und das einstimmig. Die endgültige Entscheidung obliegt jedoch dem Stadtrat, der am Donnerstag kommender Woche seine erste Sitzung nach der Sommerpause abhält.