Flugplatz Steinrücken Piloten gehen gegen Querfahrer vor

Yannick Seiler

Unbekannte fahren die Piste des Flugplatzes in Steinrücken kaputt. Nun ziehen die Mitglieder des Vereins Konsequenzen. Arbeitsreiche Wochen stehen ihnen bevor.

Coburg/Niederfüllbach - Abheben wird Pilot Karl-Friedrich Fiene wohl frühestens Ende März wieder vom Flugplatz Steinrücken, erwartet er. „Wir könnten heute fliegen“, sagt er am Donnerstag über die Wetterverhältnisse. Doch das ist seit fünf Tagen schon nicht mehr möglich. Schuld sind Unbekannte, die wohl ihre Fähigkeiten im Querfahren ihrer Au­tos, Driften genannt, auf der Start- und Landebahn ausprobiert haben, vermuten Polizisten, die nun in dem Fall ermitteln. Hinterlassen haben die Querfahrer tiefe Furchen in der Start- und Landebahn der Hobbypiloten der Flugtechnischen Arbeitsgemeinschaft Coburg (FAG). Fiene, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, hat die Unbekannten nun angezeigt.

Eigentlich wäre der Vorfall unproblematisch, wenn der Boden gefroren gewesen wäre, sagt Fiene. In seinen 15 Jahren als Vereinsmitglied hat er die Folgen einer solchen winterlichen Darbietung schon einige Male gesehen. Heuer sei es bereits der zweite Vorfall gewesen, sagt er, und der er­ste, der Konsequenzen haben könnte. Denn da der Boden eben nicht gefroren, sondern nur matschig war, haben sich die Reifen der Autos zentimetertief in die Start- und Landebahn gegraben, um Halt zum Seitwärtsfahren zu finden. 1000 Euro betrage der Schaden mindestens, schätzt Fiene. Erst nachdem die Piste repariert ist und feststehe, wie viele Flüge binnen der kommenden Wo­chen ausfallen und wie viel die Arbeiten auf dem Areal kosten werden, könne man den Gesamtschaden genau beziffern, ergänzt er.

Frust

Nun müssen die Vereinsmitglieder laut Fiene die Furchen in der Piste zwischen dem Coburger Stadtteil Creidlitz und Niederfüllbach auffüllen und anschließend den aufgewühlten Boden mithilfe einer Walze wieder einebnen. Um mit einer Walze zu arbeiten, müsse der Boden trocken sein, sagt Fiene. Das sei demnach jedoch eben erst in ein paar Wochen der Fall, wenn das Wetter wieder wärmer werde. Die Vereinsmitglieder seien darüber informiert, sagt Fiene. Und? Frustriert, ergänzt er. Der stellvertretende Vorsitzende vermutet, dass mindestens zwei Autos ihre Spuren auf dem Vereinsgelände hinterlassen haben.

Das bestätigt ein Sprecher der Coburger Polizei, deren Beamte nun Hinweisen nachgehen. Man habe die Spuren der beiden Reifenprofile gesichert, sagt der Polizeisprecher. Doch bisher gebe es noch keine neuen Er­kenntnisse in dem Fall, ergänzt er. Denn laut dem Sprecher hat sich noch kein Zeuge gemeldet, der Hinweise zu den Geschehnissen geben konnte. Am Mittwoch hatten die Beamten erstmals öffentlich in dem Fall darum gebeten, dass sich diejenigen melden, die am Wochenende verdächtige Personen und Fahrzeuge am Flugplatz bemerkt haben. Zwischen Samstag, 16 Uhr, und Montag, 12 Uhr, seien vermutlich mehrere Autos über den östlichen Teil der Start- und Landebahn gefahren, hieß es. Demnach haben Unbekannte ein rund 200 Quadratmeter großes Areal durch ihre Manöver beschädigt.

Rund 700 Meter unbeobachtet

Zwar habe er solche Vorfälle schon mehrmals erlebt, nur „noch nicht so heftig“, sagt Pilot Fiene. Deswegen geht er weiter als eine Anzeige. „Wir werden die Videoüberwachung verstärken“, sagt er. Zwar filmten demnach Kameras bereits Teile der Start- und Landebahn, doch sei eben der rund 700 Meter lange Teil der Piste unbeobachtet, auf dem die PS-Treiber am Wochenende ihre Kreise gezogen haben. Einen Zaun darf der Verein laut Fiene nicht um das Areal bauen, da die Start- und Landebahn für Notlandungen immer offen sein müsse. Eine Hecke habe man vor einigen Jahren deswegen entfernen müssen, sagt er.

Starten- und Landen darf vorerst also niemand mehr auf der Piste. Denn die Spuren der Unbekannten sind laut Fine eine Gefahr für die Piloten, da die Maschinen im Morast der Furchen einsinken könnten, sagt er. „Im schlimmsten Fall würde sich die Maschine überschlagen“, ergänzt der Experte. Derzeit wird laut dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden jedem Pilot, der die Piste anfliegen möchte, mitgeteilt, dass sie geschlossen ist. Generell müsse man Landungen vorher anmelden, da das Areal nicht immer besetzt sei, sagt er.

Das Gröbste beseitigt

Der „luftverkehrsmäßige Anschluss der Region“ sei durch den Flugplatz Coburg-Brandensteinsebene weiterhin gewährleistet, teilt Martin Hartnagel, Sprecher des Luftamts Nordbayern, mit. Demnach werden Piloten dessen Start- und Landebahn im Fall einer Notlandung anfliegen. Ein unbenutzbarer Flugplatz müsse dem Luftamt in bestimmten Fällen gemeldet werden, schreibt er.

Positiv sei derzeit nur, dass „das Gröbste“ an Schäden beseitigt sei, sagt Fiene. Und: „Sobald es wieder geht, fliegen wir.“

 

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